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Elmshorner Nachrichten

23. November 2017 | 06:38 Uhr

Der Schwamm muss weg

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

St. Nikolai In Elmshorns Stadtkirche startet der vierte und letzte Abschnitt der Schwammsanierung für 233 000 Euro

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2017 | 16:55 Uhr

Die Orgel von St. Nikolai versteckt sich neuerdings hinter einer riesigen Plane, die Hälfte der Empore ist mit Bretterwänden verkleidet und an der Außenwand der Kirche, auf der Seite des Alten Markts, ist ein Baugerüst aufgebaut. Viele ahnen es sicherlich schon: Der vierte und letzte Abschnitt der Schwammsanierung in der Kirche St. Nikolai hat begonnen. Für 233  000 Euro entfernen Spezialfirmen den sogenannten echten Hausschwamm aus Holzbalken und Mauern im westlichen Teil des Kirchenschiffs. Betroffen ist insbesondere der Bereich rund um die Orgel und zwischen dem Hauptschiff und dem neueren Anbau.

Voraussichtlich werden die Arbeiten bis Ende Januar beendet sein. „Eigentlich wollten wir schon im Juli anfangen, um in der Weihnachtszeit fertig zu sein“, erklärt Rosmarie Lehmann, Vorsitzende des Kirchenvorstands. „Aber die Handwerker hatten alle volle Auftragsbücher, auf unsere Ausschreibung hin hat sich lange niemand gemeldet.“ Die Firma Maack aus Tornesch, die bereits die anderen drei Bauabschnitte durchgeführt hat, reichte schließlich doch noch ein Angebot ein. Zu Weihnachten werden die Arbeiten wohl noch nicht abgeschlossen sein. „Wir haben uns jetzt aber darauf geeinigt, dass im Dezember im Inneren der Kirche nichts von den Arbeiten zu sehen sein wird. Während dieser Zeit wird nur im Turm gearbeitet“, erklärt Lehmann.

Denn: Während eines Großteils der Arbeiten wird die Empore nicht zugänglich sein. Die Orgel kann zwar die meiste Zeit über genutzt werden, wird aber verhängt sein. Lehmann: „An Weihnachten sitzen hier 700 Menschen, dann brauchen wir den Platz und die Orgel sollte sichtbar sein.“ Und dann gibt es am 3. Dezember auch noch ein besonderes Großereignis in St. Nikolai: Der Eröffnungsgottesdienst der Aktion Brot für die Welt findet in Elmshorn statt, das NDR überträgt das Ereignis im Fernsehen und der Ministerpräsident ist zu Besuch. Da soll sich die Kirche von ihrer besten Seite zeigen.

Die ersten drei Abschnitte der Schwammsanierung wurden zwischen 2011 bis 2016 durchgeführt, insgesamt kostet die Aktion die Kirche 740  000 Euro. Zwei Drittel der Kosten übernimmt der Kirchenkreis, ein Drittel muss die Kirchengemeinde selber tragen – teilweise mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Der Hausschwamm hatte sich über Jahre hinweg in Holzbalken und Mauern eingenistet und sie von innen heraus zerstört. Lehmann kennt den Grund für das Problem: Als die Kirche zuletzt im Jahr 1913 grundsaniert worden ist, hatte man innen an den Mauern Teer aufgebracht, um die Feuchtigkeit aus der Kirche herauszuhalten. „Dadurch konnte die Feuchtigkeit innerhalb des Gebäudes aber nicht mehr heraus“, erklärt Lehmann. Balken und Wände wurden feucht und bildeten einen idealen Nährboden für den Schwamm. Die Sanierung ist jetzt extrem aufwändig. Die Mitarbeiter der Firma Maack müssen an den betroffenen Wänden den Putz abstemmen, die Teerschicht abtragen und aus den Fugen der Außenmauern die Kalk-Zementmasse herausholen. Erst dann kann das Bohrsalz von der Spezialfirma Vesotec gegen den Hausschwamm eingespritzt oder der Schwamm mit Feuer herausgebrannt werden. Die befallenen Holzbalken müssen teilweise komplett ersetzt werden, an anderen Stellen wird das Bohrsalz hineingespritzt. Später muss der Restaurator dann den ursprünglichen Zustand wieder herstellen. Bemalte Zierbretter werden in Wärmekammern behandelt, um den Schwamm abzutöten. Und dabei müssen die Arbeiter volle Schutzkleidung tragen. Denn: In den 60er Jahren waren die Holzbalken mit giftigem Holzschutzmittel eingerieben worden.

Lehmann bleibt jetzt nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass der vierte und teuerste Abschnitt der Schwammsanierung reibungslos über die Bühne läuft. Denn noch mehr Hiobsbotschaften kann die Gemeinde nicht gebrauchen.

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