zur Navigation springen

Elmshorn/Seestermühe : Der Schlick-Stau in der Krückau

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der ehemalige Schiffsführer Jochim Bohn aus Seestermühe befürchtet Überschwemmungen in den Marschen bei Starkregen.

In einem Gastbeitrag für diese Zeitung fordert der Seestermüher Jochim Bohn einen entschiedenen Kampf gegen die zunehmende Verschlickung der Krückau. Er befürchtet in Zukunft bei starkem Regen Überschwemmungen in den Marschen beiderseits des Flusses. Um dies zu verhindern, macht er sich unter anderem dafür stark, das Krückausperrwerk nicht mehr bei Veranstaltungen wie beim Elmshorner Hafenfest oder bei der Saisoneröffnung der Fähre in Kronsnest zu schließen.

Elmshorn/Seestermühe | Länger anhaltende Niederschläge oder bei Sturmfluten hoher Wasserstand in der Krückau können zu erheblichen Problemen bei der Entwässerung der Marschen führen. Ein Hauptgrund dafür ist die stetig voranschreitende Verschlickung der Krückau, die den Wasserabfluss zunehmend beeinträchtigt.

Seit Jahren wird dieses Thema immer wieder aufgeworfen. Bereits am 15. April 2009 hat Carsten Petersen in den Elmshorner Nachrichten einen zutreffenden Kommentar verfasst. Er schrieb: „Was interessiert mich der Schlick im leeren Hafen? Damit habe ich doch nun wirklich nichts zu tun.“ So denken viele Bürger der Region, weil sie die Problematik nicht kennen. Doch Petersen kommentiert weiter: „Wenn der Fluss zu einem Rinnsal verkümmert, weil wir uns nicht kümmern, kann er das viele Regenwasser nicht mehr aufnehmen.“ Und damit hat der Kommentator Recht! Nur was nützt es, wenn die Verantwortlichen diese Gefahr herabwerten oder die Situation nicht ändern wollen?

Bei der Inbetriebnahme des Krückausperrwerkes wurde festgestellt, dass die Fluttore an der Elbseite bei einem Wasserstand von 1,00 Meter über dem Mittleren Tidenhochwasser (MThw) geschlossen werden. Ab 1971 gibt es Aufzeichnungen über die Sperrwerksschließungen. Demzufolge wurden bis 1973 pro Jahr 15 Schließungen wegen Wasserständen über 1,00 Meter MThw vorgenommen. 1974 forderte ein Anrainer, die Fluttore schon bei 0,70 Meter über dem MThw zu schließen, um mehr Stauraum bei starken Niederschlägen zur Verfügung zu haben. Seitdem werden die Fluttore auch bei Springtiden, die 0,70 Meter überschreiten, geschlossen, auch wenn wochenlang keine Niederschläge auftraten und somit keine Notwendigkeit besteht. Dadurch erhöhten sich die Sperrwerkschließungen erheblich. Die Tore wurden zwischen 1971 und 1973 immer 15 Mal pro Jahr geschlossen, zwischen 1974 und 2006 aber im Durchschnitt 55,5 Mal pro Jahr, darunter in sechs Jahren 79 Mal und mehr. Rekordjahre waren 1995 (100 Schließungen) und 2002 (115).

Früher war kaum mit Verschlickung zu rechnen

1981 beantragte der Seglerverein Elmshorn ein Aufstauen der Krückau durch Schließung der Tore für ein Hafenfest in Elmshorn über eine Tide. Es wurde vom damals zuständigen WSA (Wasser- und Schifffahrtsamt) Glückstadt genehmigt und vorgenommen. Durch den damaligen regen Schiffsverkehr auf der Krückau war kaum mit einer Verschlickung zu rechnen. Somit war diese einmalige Schließung vertretbar.

Das Aufstauen für das Hafenfest wurde aber schon bald über mehrere Tiden von Freitag bis Sonntag ausgedehnt, weil Barkassenfahrten auf der Krückau organisiert wurden. Die Schließungen bzw. das Aufstauen der Krückau über mehrere Tiden wurde später auch ohne Flussfahrten beibehalten und auf weitere Veranstaltungen ausgedehnt.

Die Nautiker des WSA Hamburg – inzwischen zuständig für den Schiffsverkehr auf der Krückau – sind von Anfang an gegen das Aufstauen der Krückau gewesen. Die Veranstalter vom Hafenfest übten aber Druck aus, der soweit ging, dass der Bürgermeister von Elmshorn das Hafenfest absagen wollte, weil das WSA Hamburg eine Sperrwerkschließung ablehnte.

Das Krückausperrwerk war 2010 insgesamt 47 Mal geschlossen. Das Sperrwerk an der Este nur 38 Mal, das an der Pinnau aber 63 Mal.  (Foto: CPE)
Das Krückausperrwerk war 2010 insgesamt 47 Mal geschlossen. Das Sperrwerk an der Este nur 38 Mal, das an der Pinnau aber 63 Mal. (Foto: CPE)
 

Wo liegt bei der Schließung das Problem? Jedes Mal wird eine Strömung unterbrochen, das Wasser kommt zur Ruhe, die mitgeführten Sedimente lagern sich ab. Dies bestätigte nicht nur Dr. Peter Danker-Carstensen bei einem Vortrag über die Krückau am 26.09.2012 im Industriemuseum Elmshorn, sondern auch Wasserbauer und Hydrographen der Behörden. Die Menge der Ablagerungen ist von der Ruhezeit des Wassers abhängig, die Stunden, ja sogar Tage andauern. Die so entstehenden Ablagerungen behindern den Wasserabfluss, der für die Marschen von großer Bedeutung ist. Die Marschen beidseitig der Krückau werden durch die Schöpfwerke Raa, Seester und Seesteraudeich entwässert. Wenn der Wasserabfluss in der Krückau nicht mehr gewährleistet ist und die Schöpfwerkspumpen gegen hohe Wasserstände drücken müssen, gehen die Leistungen bei gleichem Energieverbrauch auf bis zu mehr als 50 Prozent zurück.

Das Schöpfwerk Raa entwässert ein Gebiet von etwa 3200 Hektar, die anderen Anlagen etwa 1750 (Seester) und 2370 Hektar (Seesteraudeich). Außerdem werden selbstverständlich auch in die die Städte Elmshorn und Barmstedt sowie deren Umland über die Krückau entwässert.

Sollen diese Gebiete Überflutungen ausgesetzt werden? Müssen erst hohe Wasserschäden durch heftige Regenfälle eintreten wie im Frühjahr 2013 an der Oberelbe und in jüngster Zeit an mehreren Orten im Land?

Um die Marsch- und Stadtbewohner vor Wasserschäden zu schützen, ist es höchste Zeit, die Schließung der Sperrwerksfluttore drastisch zu reduzieren. Zum Beispiel sollte es keine Schließung bei einem Wasserstand von weniger als 1,00 Meter über dem MThw oder bei Veranstaltungen geben, um die weitere Verschlickung zu reduzieren.

Leser Jochim Bohn aus Seestermühe will die Debatte um die Versandung der Krückau erneut in Schwung bringen. (Foto: SCHO)
Leser Jochim Bohn aus Seestermühe will die Debatte um die Versandung der Krückau erneut in Schwung bringen. (Foto: SCHO)
 
Jochim Bohn ist Schiffsführer in Ruhestand und 82 Jahre alt. Er war unter anderem von 1965 bis 1970 mit der „Stadt Elmshorn“ auf der Krückau unterwegs, fuhr zehn Jahre zur See und war mehr als 20 Jahre lang beim WSA Hamburg in der Seevermessung tätig. Heute ist er noch Freizeitschipper und schreibt Bücher, zuletzt „Abenteuer See III“ im Steffen-Verlag.

Nach dem Bundeswasserstraßengesetz gibt es keine rechtliche Grundlage, die Krückau für Veranstaltungen aufzustauen und dadurch die Sedimentablagerungen zu fördern. Auch nach dem Landeswassergesetz in Verbindung mit dem Wasserhaushaltsgesetz ist das vorgenannte Aufstauen unzulässig.

Veranstaltungen können problemlos nach der Tide ausgerichtet werden, wie es anderen Orts üblich ist. Von den zwölf Sperrwerken an der Unterelbe wird nur das Krückausperrwerk zweckentfremdet geschlossen. Und nur die Krückau hat die erheblichen Schlickprobleme.

Da Sog und Wellenschlag durch Schifffahrt nicht mehr stattfinden, führt die voranschreitende Verschlickung in absehbarer Zeit zu einer Verlandung und einem verstärktem Bewuchs der Uferzonen und somit zur Einengung des Flussbettes. Zwischen Stromkilometer 1 und 5 hat sich die Flussbreite durch seitlichen Bewuchs schon verringert.

Da taucht die Frage auf, wer haftet eigentlich für Folgeschäden, die den Bewohnern der Marschen durch diese vorgenannten Maßnahmen entstehen? Ist es der Landesbetrieb für Küstenschutz als Sperrwerksbetreiber, der die Schließungen vornimmt? Sind es die Organisatoren von Veranstaltungen, die Schließung fordern? Sind es die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, die diese Schließungen dulden? Die Sielverbände, die für die Entwässerung verantwortlich sind? Oder der Anrainer, der die Sperrwerksschließung von 0,70 m veranlasste?

Nach Paragraph 8 des Bundeswasserstraßengesetzes obliegt dem Bund als Eigentümer der Krückau die ordnungsgemäße Erhaltung des Wasserabflusses. Doch vom Bund ist kaum eine entsprechende Maßnahme zu erwarten, solange keine Änderung der Sperrwerksschließung herbeigeführt wird. Meines Erachtens ist es höchste Zeit, dass sich alle Beteiligten zusammensetzen, um eine positive Lösung des Schlickproblems zu finden.

Schließung des Krückausperrwerkes mit Aufstauungen für vier Veranstaltungen im Jahre 2013 führten laut Bohns Berechnungen zum Beispiel zu 112 Stunden und 15 Minuten Stau in der Krückau. Seine Rechnung: Fähreröffnung Kronsnest am 1. Mai von 8.15 Uhr bis 20.30 Uhr (12 Std. 15 Min.); Ausstellung (Industriemuseum) in Elmshorn vom 8. Juni, 4 Uhr, bis 9. Juni, 18.30 Uhr ( 38 Std. 30 Min.); Florawoche in Elmshorn vom 23. August, 18 Uhr, bis 25. August 19.30 Uhr (49 Std. 30 Min.) sowie Einweihung der Klappbrücke in Elmshorn am 6. September, 5 bis 17 Uhr (12 Std.).
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen