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Ein Stück Industriegeschichte : Der Pott-Carstens-Platz in Elmshorn wird eingeweiht

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Heute wird am Krückau-Nordufer der Pott-Carstens-Platz eingeweiht. Zeremonie mit Bürgervorsteher.

Elmshorn | Es ist eine Ecke der Stadt, an der viele Elemente aufeinanderprallen. Nach links schließt sich die Rückseite eines Supermarkt-Parkplatzes an. Rechts fließt die Krückau, nach hinten verläuft ein Wanderweg durchs Grüne. Und voraus präsentiert sich Elmshorns Hafen-Skyline: Hinter der Käpten-Jürs-Brücke ragen diverse Kölln-Gebäude in den Himmel. Hier, am Nordufer, gleich neben der Hafenspange, wird heute der Pott-Carstens-Platz offiziell seinen Namen bekommen.

Jürgen Wohlenberg, Initiator der Benennung und Mitglied des Vereins zur Förderung des Stadtarchivs Elmshorn, erwartet zur Zeremonie um 14 Uhr Bürgervorsteher Karl Holbach, den Vorsitzenden des Kulturausschusses Thorsten Mann-Raudies und ganz besondere Gäste: Vertreter der Familie Carstens, auf die der Name des Platzes zurückgeht.

Angekündigt haben sich die Ururenkel des Mannes, der unter anderem das heutige Industriemuseum baute: Hans Christian Carstens. Der legte nicht nur den Grundstein für ein florierendes Unternehmen, er gründete auch die Elmshorner Liberalen und die „Elmshorner Zeitung“.

Angefangen hat der wirtschaftliche Aufstieg 1875, als Hans Christian Carstens einen Steinguthandel eröffnete. Das Geschäft florierte, schon um 1880 baute der Unternehmer das mehrstöckige Backsteingebäude, in dem heute das Elmshorner Industriemuseum untergebracht ist. Dort weist heute eine Ausstellung auf Familien- und Firmengeschichte hin.

1905/06 bauten die Söhne des Firmengründers an der Krückau eine große Steingutfabrikation auf, die im Volksmund „Pott Carstens“ genannt wurde. Der danach benannte Platz liegt am Rand des ehemaligen Fabrikgeländes. Von der großen Anlage ist nur ein Nebengebäude erhalten. Darin war nach dem Zweiten Weltkrieg das Fernmeldezentralzeugamt untergebracht, heute dient es als Gewerbehof für ein paar kleine Unternehmen.

Hans-Christian Carstens und sein Sohn waren beide politisch engagiert und amtierten in Elmshorn als Stadträte. Junior Ernst Carstens saß für die vom Vater gegründeten Liberalen im Reichstag. Das politische Engagement stieß bei der Obrigkeit nicht gerade auf Wohlwollen, der preußische Staat verfolgte Hans Christian Carstens’ Engagement mit Misstrauen. Der umtriebige Elmshorner gab ab 1887 die „Elmshorner Zeitung“ heraus, die 1934 von den Nazis verboten wurde. Insgesamt 40 Jahrgänge dieses Blatts lagern heute im Stadtarchiv.

Zu Hochzeiten besaß Familie Carstens 14 Steingutfabriken. Heute ist davon ein Keramikbetrieb bei Göttingen übrig geblieben. In Elmshorn wurde die Produktion an der Krückau nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten 1938 eingestellt. Am Pott-Carstens-Platz erinnert eine Tafel daran, dass sich in der Nazizeit hier eines der größten Lager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene der Stadt befand: 270 Männer aus vier Nationen waren dort untergebracht.

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erstellt am 16.Apr.2016 | 10:00 Uhr

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