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Monty Roberts : Der Pferdeflüsterer verzaubert Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Monty Roberts zeigt seine Trainingsmethoden vor 1200 Zuschauern in der Fritz-Thiedemann-Halle.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Etwas irritiert blickt der große Rappe Risando Black sich um, als er in den umzäunten Zirkel, den sogenannten Round Pen, geführt wird. Rund 1200 Augenpaare schauen gebannt zu, wie Monty Roberts das Pferd in der Fritz-Thiedemann-Halle zum ersten Mal mit einem großen Bündel Plastiktüten konfrontiert, die an einem langen Stock hängen. Black reagiert zu Anfang panisch und versucht mit aller Kraft, vor der vermeindlichen Gefahr zu fliehen.

Behutsam macht sich Roberts daran, das Vertrauen von Black zu gewinnen und ihm die Angst zu nehmen. Der 82-jährige US-Amerikaner, der seit Jahrzehnten weltweit die Idee des gewaltfreien Pferdetrainings propagiert, beginnt, mit der Rückseite des Stocks über den Körper des Pferdes zu streichen. Zunächst an Stellen, die das Pferd entspannen, etwa am Widerrist, wo Stuten ihre Fohlen kraulen. Später auch an den Beinen oder am Bauch, wo ein Raubtier angreifen würde. Als Black immer ruhiger wird, dreht Roberts den Stock um und berührt Black mit den Plastiktüten. „Wenn das Pferd wegspringt, lasse ich die Tüten an seinem Körper. Wenn er ruhig stehen bleibt, nehme ich sie weg“, erklärt Roberts auf englisch. „Die Gefahr wegzunehmen, ist die größte Belohnung für ein Fluchttier.“ Am Ende bleibt Black sogar gelassen, als sein Reiter einen Regenschirm aufspannt.

Monty Roberts.
Monty Roberts. Foto: Cornelia Sprenger

Insgesamt vier Pferde führt Roberts an diesem Abend vor. Alle vier stammen aus der näheren oder weiteren Umgebung von Elmshorn – und mit allen haben die Besitzer irgendeine Art von Problem. Da ist zum Beispiel Special Coffee Diamond, ein Curley Horse, das noch nie einen Sattel getragen hat und das Monty Roberts innerhalb von 40 Minuten dazu bringt, ruhig einen Reiter durch den Round Pen zu tragen. Und da ist Waikiki Hit, eine Oldenburger Stute, die sich standhaft weigert, einen Pferdeanhänger zu betreten. „Normalerweise brauchen wir fünf Leute, eine Menge Zeit und müssen Methoden anwenden, die kein Pferdefreund befürworten kann“, berichtet die Besitzerin. Und Roberts verspricht: Wenn er das Pferd an diesem Abend nicht mehr in den Hänger bekommt, wird er es nach Hause reiten – die gesamten 65 Kilometer. „Das habe ich allerdings schon über 3000-Mal gesagt – und musste noch kein einziges Mal ein Pferd nach Hause reiten“, sagt Roberts. Weniger als 30 Minuten später folgt das Pferd ihm lammfromm und ohne Strick die Rampe hoch und in den Anhänger. „Ich kann es kaum glauben“, sagt die Besitzerin später.

Monty Roberts hat schon vor langer Zeit seine eigene Methode für das Pferdetraining entwickelt, das „Join Up“, bei dem der Mensch nach dem Vorbild von Wildpferden mit den Tieren kommuniziert, ausschließlich mit Hilfe von Körpersprache. „Wir wollen es den Pferden so einfach wie möglich machen“, war das eine Kredo des Abends – „Gewaltfreiheit“ das andere. Roberts erzählt offen, dass sein Vater ihn früher geschlagen hat. „Er hat mir bis zu meinem 12. Geburtstag 72 Knochen gebrochen“, sagt Roberts. „Daraus habe ich eins gelernt: Gewalt kann nie die Antwort sein“. Heute arbeitet Roberts weltweit mit Pferden, unter anderem mit denen der Königin von England, aber auch mit traumatisierten Soldaten und Kindern. In Elmshorn vermittelt er seine Methode auf eine humorvolle Art, plaudert mit dem Publikum und nimmt sich in der Pause und vor und nach der Show viel Zeit für Autogramme und Fotos mit seinen Fans.

Die Fritz-Thiedemann-Halle war ausverkauft: Rund 1200 Pferdebegeisterte verfolgten, wie Monty Roberts im Round Pen mit den Pferden arbeitete.
Die Fritz-Thiedemann-Halle war ausverkauft: Rund 1200 Pferdebegeisterte verfolgten, wie Monty Roberts im Round Pen mit den Pferden arbeitete. Foto: Cornelia Sprenger
 

Roberts ist keineswegs unumstritten, kritisiert wird unter anderem, er würde die Pferde im Round Pen solange scheuchen, bis sie vor lauter Erschöpfung seinem Willen folgen. Zumindest in Elmshorn ist davon nichts zu sehen. Nachdem Monty Roberts mit dem schwarzen Mecklenburger Black gearbeitet hat, steht das Pferd völlig gelassen backstage in seiner Box. „Er hat kein bisschen geschwitzt“, sagt Besitzerin Myriam Hansen aus Lentföhrden. „Ich bin völlig begeistert, was Monty Roberts in so kurzer Zeit geschafft hat. Und dabei ist er noch unwahrscheinlich charmant und witzig.“ Nichtsdestotrotz ist der erfahrenen Reiterin eines bewusst: „Zuhause wartet noch viel Arbeit auf uns.“

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