Monty Roberts im Interview : Der Pferdeflüsterer kommt nach Elmshorn

Monty Roberts arbeitet in seiner Show mit vier verschiedenen Pferden.
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Monty Roberts arbeitet in seiner Show mit vier verschiedenen Pferden.

Monty Roberts tritt am 7. April in Elmshorn auf. Im Telefon-Interview hat er von seinen Trainingsmethoden und einem Treffen mit der Queen erzählt.

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21. März 2017, 16:30 Uhr

Elmshorn | Monty Roberts ist der echte Pferdeflüsterer. Er setzt sich für den gewaltfreien Umgang mit Pferden ein. Am Freitag, 7. April, kommt der 82-jährige US-Amerikaner nach Elmshorn. Derzeit hält er sich in England auf. Wir haben mit dem 82-Jährigen auf englisch ein Telefoninterview geführt.

Sie kommen Anfang April nach Elmshorn – bei der aktuellen Tour ist das Ihr einziger Stop in Schleswig-Holstein. Was halten Sie vom Norden Deutschlands?
Monty Roberts: Ich lebe jedes Jahr einen oder zwei Monate in Norddeutschland, auf den Gestüt Fährhof in Sottrum in der Nähe von Bremen. Ich war dort 26 Jahre lang gesegnet mit guten Pferden und hatte viel Spaß – einer meiner besten Freunde überhaupt ist Simon Stokes, der auf dem Gestüt Fährhof Trainer ist. Deshalb verbinde ich sehr schöne Erinnerungen mit Norddeutschland.

In Elmshorn sind Sie am 7. April mit Ihrer Show. Was erwartet die Zuschauer?
Niemand weiß genau, was sie dort erwarten wird. Denn ich arbeite mit Pferden aus der Umgebung von Elmshorn, die ich vorher nie gesehen habe.

In Ihrer Show treten vier verschiedene Pferde auf. Eins, das noch nie einen Sattel getragen hat, eins, das beim Reiten buckelt oder davonstürmt, eins, das sich weigert, die Hufe zu geben und eins, das keinen Pferdeanhänger betritt. Diese Pferde lernen Sie immer erst kurz vor der Show kennen. Ist es schwierig, sich auf jedes Pferd einzustellen oder ist jedes Pferd gleich?
Jedes Pferd ist unterschiedlich, deshalb kommuniziert man nicht mit jedem Pferd auf die selbe Weise. Das ist wie mit Menschen, die man kennenlernt. Man sagt auch nicht das selbe zu jeder Person – genauso wenig, wie jede Person das selbe zu dir sagt. Pferde sind genauso individuell wie Menschen. Man muss lernen, sich darauf einzustellen.

Warum haben Pferde diese Probleme?
In der Regel sind es Menschen, die Schuld sind an den Problemen von Pferden. Sie haben von sich aus keine Probleme, sie leben seit 15 Millionen Jahren, Menschen erst seit ungefähr 200000 Jahren. Die Pferde sind also auch ohne uns sehr gut zurecht gekommen. Sie brauchen keine Gewalt vom Menschen, um das richtige zu tun.

Behandeln Menschen ihre Pferde dann mit Absicht falsch?
Nein, ich denke Menschen wollen das Richtige tun. Es gibt auf dieser Welt nicht viele böse Menschen. Wenn jemand also einen Weg sieht, wie er sein Ziel ohne Gewalt erreichen kann, dann tut er das auch. Wer Gewalt einsetzt, sieht keinen anderen Weg oder tut das, was ihm beigebracht wurde. Ich habe elf Weltmeisterschaften im Westernreiten gewonnen und zwei Rennpferde trainiert, die danach die erfolgreichsten Rennpferde weltweit geworden sind. Man kann so etwas nicht aus Versehen tun. Diese Erfolge haben sich eingestellt, weil die gewaltfreie Methode die richtige ist für die Pferde.

Sie arbeiten mit einer Methode, die unter dem Namen „Join up“ bekannt geworden ist. Können Sie kurz erklären, wie das funktioniert?
Die Idee dahinter ist, jedem Pferd die Entscheidungsfreiheit zu lassen – und dann in seiner Körpersprache mit ihm zu kommunizieren. Wenn wir es richtig machen, tun die Pferde dann das, was wir wollen. Wenn wir es nicht richtig machen, dann tun die Pferde Dinge, die wir nicht wollen. Es ist ein sehr einfacher Prozess, aber es braucht eine lange Zeit, um die Welt zu verändern.

Warum kommen Menschen zu Ihren Shows?
Sie wollen meine Konzepte kennenlernen. Wenn sie sehen, dass meine Methoden funktionieren, können sie sie bei der Arbeit mit ihren eigenen Pferden anwenden.

Denken Sie, dass Ihre Methoden geholfen haben , den Umgang mit Pferden weltweit zu verändern?
Ja. Ich habe die Königin von England 1989 kennengelernt und sie bat mich um zwei Dinge: Einerseits sollte ich mein erstes Buch schreiben, das in Deutschland unter dem Titel „Der mit den Pferden spricht“ erschienen ist. Und andererseits sollte ich mein Buch und damit auch meine Methode in so vielen Ländern verbreiten wie möglich. Inzwischen sind es 43 Länder. Es gibt immer noch viel zu tun, aber der Umgang mit Pferden hat sich dramatisch verändert.

Können Sie das näher erklären?
Vor 6000 Jahren haben wir Menschen begonnen, Pferde zu domestizieren. Und die Menschen haben gesehen, dass Pferde mit Gewalt eingeschüchtert werden können. Deshalb verwenden Menschen Peitschen und Seile, damit das Pferd seinen Kampfeswillen verliert und sich unterordnet. Das nennen wir „ein Pferd brechen“. Mein Konzept eliminiert die Gewalt vollständig aus dem Pferdetraining. Ich nutze dazu die Art und Weise, wie sich Pferde untereinander verständigen, um eine Partnerschaft zu entwickeln. Eins der besten Pferde, mit dem ich in meinem Leben gearbeitet habe, war das Rennpferd Lomitas vom Sottrumer Gestüt Fährhof. Er hatte große Probleme und kam mit der Gewalt nicht klar. Nachdem ich mit ihm gearbeitet hatte, wurde er Champion.

Können auch Menschen von Ihrer Methode profitieren, die nichts mit Pferden zu tun haben?
Auf jeden Fall. Ich habe weltweit mit traumatisierten Soldaten gearbeitet, auch mit Opfern von häuslicher Gewalt und mit Kindern mit schwierigem sozialen Hintergrund. Ein gewaltfreier Umgang ist für Menschen genauso wichtig wie für Pferde. Die Menschen müssen der Gewalt abschwören – und ich zeige ihnen dann ein System, wie sie mit Menschen kommunizieren können – genauso, wie ich es mit Pferden tue. Ich bin 82 Jahre alt – und habe immer noch viel Spaß an dieser Arbeit. Mein erstes „Join Up“ war 1942 und ich habe seitdem mit mehr als 70  000 Pferden und Tausenden Menschen gearbeitet – und es funktioniert.

Sie sind jetzt 82 Jahre alt – denken Sie jemals daran, in den Ruhestand zu gehen?
Sie werden mich in Rente schicken – vermutlich zu früh – in einem Sarg. Solange ich noch geistig fit bin, habe ich zu viel Spaß, um in den Ruhestand zu gehen.

Monty Roberts kommt am Freitag, 7. April, in die Elmshorner Fritz-Thiedemann-Halle, Westerstraße 93. Karten gibt es noch für die Tribüne und für Stehplätze für 47 und 26 Euro im EN-Kundencenter, Schulstraße 62-66.

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