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Im Gespräch mit Jürgen Schumann : Der Organisator der Elmshorner Flora Woche hat ein Ziel: Ein Stadtfest für alle Bürger

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Musikalisches Angebot der Flora Woche kommt gut an. Highlight Drachenboot-Cup. Hohe Belastung für VBV-Team.

Elmshorn | Für die Einen ist sie das große, bunte Volksfest in der Region, für Andere nur laut und langweilig: Die Elmshorner Flora Woche polarisiert. Sicher ist aber, dass der Veranstaltungsreigen samt Hafenfest jedes Jahr Ende August Tausende Besucher in die City lockt. Veranstalter ist der Elmshorner Verkehrs- und Bürgerverein (VBV). Der Zweite Vorsitzende Jürgen Schumann hält als Organisator die Fäden in der Hand. Ein harter Job. Besonders in diesem Jahr. Am Ende lief alles glatt, doch im Vorweg machten Schumann gerichtliche Streitigkeiten mit einer Anwohnerin und eine Bombensuche das Leben schwer. Schumann war im Dauerstress.

Frage: Das Fest ist vorbei, die Resonanz war gut. Wie ist es aus ihrer Sicht gelaufen?
Jürgen Schumann: Ja, wir sind sehr glücklich, dass wieder alles so friedlich abgelaufen ist. Das hat für uns immer Priorität. Dass die Schausteller zu Recht gekommen sind, ist ebenfalls sehr positiv zu bewerten. Am Freitag zum Start gab es noch Regen und ich habe gedacht: Nicht schon wieder. Doch dann war das Wochenende auch vom Wetter her sehr angenehm.

Im Vorfeld gab es Probleme mit einer Anwohnerin am Wedenkamp. Die Sache ging vor Gericht und hat das gesamte Fest gefährdet. Wie konnte die Angelegenheit doch noch rechtzeitig gelöst werden?
Im Vorfeld eines so großen Festes ist viel zu bedenken, auch an Vorschriften. Das bekommen wir normalerweise immer gut hin. Es ist selten, dass ich zu unserem Bürgermeister und VBV-Vorsitzenden Volker Hatje gehe und sage, Mensch, wir müssen jetzt mal Reden. Diesmal war es soweit. Es gab eine Beschwerde einer älteren Anwohnerin des Wedenkamps. Sie hat mit uns gesprochen und vorgebracht, dass sie unzufrieden mit dem Lärm ist. Wir haben ihr erklärt, dass der Ablauf auf der Bühne am Nordufer im vergangenen Jahr unglücklich war, dass wir das eingesehen haben und dass wir das in diesem Jahr ändern werden. Damit war die Dame aber nicht zufrieden. Wir konnten keine Einigung erzielen und sie hat eine Klage eingereicht. Die Angelegenheit wurde wegen der Größe des Festes vor dem Oberlandesgericht Schleswig verhandelt. Wir haben dem Gericht in einem Schreiben erläutert, dass es die Flora Woche schon seit vielen Jahren gibt und dass sie fester Bestandteil des Stadtlebens ist.

Wann und wie hat das Gericht entschieden?
Die Entscheidung des Gerichts haben wir erst ganz kurz vor Beginn der Flora Woche bekommen. Die Klage wurde abgewiesen. Aber das Verfahren hat wegen der zeitlichen Nähe zum Start des Stadtfestes Nerven gekostet. Ich hatte schon eine schlaflose Nacht. Kaum vorzustellen, wir hätten alles abblasen müssen.

War die Klage ein Einzelfall oder haben Sie generell Ärger mit Anwohnern des Hafens wegen lauter Musik?
Nein, wir haben generell so gut wie keine Probleme. Wir stellen ja die Bühnen – besonders die große Bühne – schon so auf, dass der ganze Schall nicht zum Wedenkamp dringt. Darauf achten wir besonders, das ist klar. Aber natürlich gibt es einen bestimmten Lärmpegel. Es ist eben ein Stadtfest – ein Fest für die Bürger und Bürgerinnen in Elmshorn. Das wollen sie sich nicht wegnehmen lassen. In den vergangenen Jahren hat es immer wieder mal Diskussionen um den Fortbestand der Flora Woche gegeben. Die Frage war, ob sie noch zeitgemäß ist. Ich habe dann immer gesagt: Man kann das Fest nicht einstampfen, sehr viele Bürger würden protestieren.

In diesem Jahr gab es im Vorfeld ein ganz besonderes Problem. Der Kampfmittelräumdienst war auf dem Gelände am Hafen im Einsatz. Was war los?
Ja, da wurde viel spekuliert. Tatsache ist, dass die Bohrungen des Kampfmittelräumdienstes im Zusammenhang mit den Planungen für das Sanierungsgebiet Krückau/Vormstegen standen. Die Untersuchungen sind vorgeschrieben und hatten überhaupt nichts mit der Flora Woche oder dem Hafenfest zu tun. Die Arbeiten wurden für die Dauer der Flora Woche unterbrochen.

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„Wir sind froh, dass die
Stadt Elmshorn hinter uns steht.“

Jürgen Schumann
VBV Elmshorn
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Seit einigen Jahren hat der VBV für das Programm am Nordufer einen Partner mit im Boot. Was sind ihre Erfahrungen?
Seit dem wir uns entschlossen haben, für die Bühne am Nordufer einen neuen Betreiber zu suchen, ist das Angebot von Jahr zu Jahr gewachsen. Die Sache läuft und wird gut angenommen. Dass dieses Jahr am Nordufer nicht so viele Schausteller waren, ist wohl ein allgemeines Problem. Wir hatten auch am Buttermarkt weniger Fahrgeschäfte. Drei Betreiber haben zwei Tage vor dem Start der Flora Woche abgesagt.

Wie sieht es mit der Arbeitsbelastung des VBV-Teams aus? Es muss jedes Jahr eine Menge Vorarbeit geleistet werden.
Mehr ist vom Volumen kaum noch zu schaffen. Wir sind eine kleine Mannschaft beim Verkehrs- und Bürgerverein, da darf man niemanden verheizen. Wir machen ja schon generell weniger als früher. Das Osterfeuer gibt es beispielsweise ja schon nicht mehr. Wir sind alle ehrenamtlich dabei, das muss man sehen.

Das Musikprogramm hat viele Besucher angelockt und sich zu einem Highlight des gesamten Festes gemausert. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Wir hatten einfach tolle Bands auf der Bühne: „Farmers Road“, „Sixty-5“, „ Just for fun“, „Mary Jane Killed the Cat“. Das sind ja alles Top-Bands. Die kosten natürlich auch Geld, aber man muss den Menschen etwas bieten. Am Sonnabend wollte ich noch mal schnell auf den Platz vor die Bühne, aber ich bin da gar nicht hingekommen, das ganze Nordufer war voll. Die Menschen haben das Angebot gut angenommen.

Eine weitere Attraktion sind sicher die Drachenbootrennen?
Ja, das muss man schon sagen, was der EMTV da am Sonntag immer organisiert, ist schon top. Ohnehin hat sich der Sonntag bei der Flora Woche immer mehr zum Familientag entwickelt. Das finde ich sehr schön, es spiegelt den Charakter der Flora Woche als Volksfest wider. Da passt der Drachenboot-Cup natürlich super rein. Viele Menschen stehen am Hafenbecken – das ist großartig.

Wenn sie an Programmpunkte wie die Drachenbootrennen denken, wie sieht es mit ähnlichen Angeboten für die Zukunft aus. Was hat der VBV noch im Köcher?
Natürlich schaut man nach vorn und fragt sich, was kann man Neues bringen, um Abwechslung in den Ablauf zu bringen. Da machen wir uns immer unsere Gedanken. Ich schaue mich um, sehe, was bei anderen Festen läuft. Ich möchte zum Beispiel gern einen großen Mittelalterlichen Markt zur Flora Woche holen. Das ist aber sehr kostspielig. Wir haben ein bestimmtes Budget und alles muss nach Möglichkeit über die Standgelder wieder eingefahren werden, das ist klar. Gut ist, dass wir Sponsoren haben und die Stadt Elmshorn ihren Beitrag erhöht hat, das hilft uns. Andere vergleichbare Städte geben wesentlich mehr für die Organisation ihrer Stadtfeste aus, aber wir sind froh, dass die Stadt Elmshorn hinter uns steht. Das ist wichtig für uns, sonst würde der VBV solch ein Fest nicht mehr machen wollen. Es geht nicht anders, die Stadt muss dahinter stehen.

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erstellt am 05.Sep.2015 | 10:00 Uhr

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