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Joerne Diedrichsen : Der Maler mit Sinn für den Norden

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Künstler Joerne Diedrichsen hat lange für die Werbung gemalt – jetzt, im Alter von 65, konzentriert er sich wieder voll auf die Kunst.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Klein Nordende | Kann ein Künstler in Rente gehen? Zumindest bekommt er Rente. Wenn auch zumeist wenig. So wie Joerne Diedrichsen aus Klein Nordende. Der Maler ist gerade 65 Jahre alt geworden – und statt den Ruhestand zu genießen, will er nochmal durchstarten. Mit Kunst genügend Geld zu verdienen, ist seit jeher schwer. Diedrichsen erging es nicht anders, und so musste der gebürtige Friedrichstädter über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg Film- und Theaterkulissen gestalten, damit sich das Portemonnaie füllte. „Ich habe mich an die Werbung verkauft“, sagt er mit einem Lächeln. Doch zukünftig soll wieder die wahre Kunst im Mittelpunkt seines Schaffens stehen.

Ein Blick in Diedrichsens Atelier im ersten Stock seines Hauses reicht aus, um sein Lieblingsmotiv zu erkennen. Der norddeutsche Himmel, das Licht und das Meer haben es ihm angetan. Und wer sich auf seiner Homepage im Internet über den Künstler informieren möchte, der kann unter den Bilder-Motiven „Am Meer“, „Lichtbilder“ und „Blick aus dem Zug“ wählen. Die letztgenannte Kategorie ist besonders augenfällig. Über Bilder von Meer und Himmel blendet Diedrichsen Momentaufnahmen aus dem Zug. Lichtspiegelungen, die fast beiläufig Schaffner oder Bauern zeigen.

Diedrichsen ging in Kiel und auf Sylt zur Schule. Auf die Idee der Zugbilder kam er, als er immer wieder über den Hindenburgdamm fuhr und auf das Wasser schaute. Beim Blick aus dem Zugfenster fielen ihm die Spiegelmotive auf. Generell zeichnen sich seine Gemälde durch eine fotorealistische Malweise aus. Auf den ersten Blick könnte der Betrachter glatt meinen, auf eine Fotografie zu schauen. Seine Landschaftsbilder entstehen tatsächlich nach Fotografien, die er aus dem fahrenden Zug heraus macht. Diedrichsen malt mit Acrylfarbe auf Leinwand, gern auch großformatig. Und eines haben all seine Motive gemeinsam: Sie strahlen Ruhe und Weite aus.

Joerne Diedrichsen hat seine Kunst von der Pike auf gelernt. In Kiel studierte er Anfang der 70er Jahre Malerei und freie Kunst, bevor er das Examen als graduierter Designer abschloss. Es folgten diverse Ausstellungen in Kiel, Köln, Hamburg. 1982 gründete er gemeinsam mit dem Maler-Kollegen Thomas Müller „Blizzart“, ein Projekt, das bewusst auf Arbeiten für die Wirtschaft abzielte. Das Duo malte Kulissen für deutsche und internationale Spielfilme, entwarf Stern-Cover, und stellte sich in den Dienst von Mercedes, Lufthansa und Co. Seit 2005 lebt und arbeitet Diedrichsen in Klein Nordende. Und nun, als Rentner, soll der Kern seiner Kunst wieder wachgeküsst werden.

Auf die Frage, warum er nicht mit Ölfarben malt, sondern mit Acryl, sagt er: „Das trocknet schneller.“ Generell ist der 65-Jährige kein Mann großer Worte. Er lässt lieber seine Bilder sprechen. An einem Werk arbeite er oft wochenlang. Wobei Diedrichsen zugibt, „nicht der Fleißigste zu sein“. Zwei bis drei Stunden am Stück, länger sitze er kaum mal an einem Bild. „Ich lass mich gern ablenken“, erklärt er mit einem Schmunzeln. Außerdem arbeite er gern parallel an mehreren Werken. Meist ziehe er erst mit dem Arbeitspensum an, „wenn der Druck von außen kommt“.

Dass er viel Zeit für Auftragsarbeiten aus der Wirtschaft opfern musste, stört ihn nicht. „So musste ich nie Taxi fahren“, sagt er. Reich werde man als Künstler ohnehin nicht, dafür habe man eine Freiheit, von der die meisten Arbeitnehmer nur träumen können. Den Weg in die Kunst hat sich der Klein Nordender ganz allein erkämpft. Diedrichsens Vater war Architekt und hatte für seinen Sohn andere berufliche Pläne. Doch als die Eltern zur Kur waren, ging der Filius zur Kunstschule und bestand die Aufnahmeprüfung. So nahm das Künstlerschicksal seinen Lauf. Mit Zugbildern will sich Diedrichsen übrigens zukünftig „eher nicht mehr beschäftigen“. „Ich versuche, malerischer zu werden“, kündigt er an.

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