zur Navigation springen
Elmshorner Nachrichten

19. Oktober 2017 | 13:50 Uhr

Abschuss : Der Krähen-Jäger von Kiebitzreihe

vom

Heinz-Werner Strüven darf die Krähen in der Feldmark schießen - doch Naturschützer protestieren gegen die Jagd der unbeliebten Vögel.

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2013 | 07:05 Uhr

Kiebitzreihe | Er darf das, wovon viele Elmshorner träumen: Krähen jagen nämlich. Heinz-Werner "Heinzi" Strüven (61) hat die Lizenz, die ungeliebten schwarzen Vögel zu bejagen. Allerdings nur die zumeist in der Feldmark beheimateten Rabenkrähen, nicht die geschützten Saatkrähen, die in der Elmshorn für viele Anwohner zu einer regelrechten Plage herangewachsen sind.

Wer Heinzi Strüven gemeinsam mit seinem Sohn Andreas (31) frühmorgens auf der Krähenjagd sieht, kann es schon mit der Angst bekommen: Zwei vermummte Gestalten kauern lauernd unter Tarnnetzen, in Tarnanzügen und mit Handschuhen, dazu bewaffnet mit Flinten... Doch was aussieht wie eine Szene aus einem Söldnerfilm ist ganz normaler Alltag für einen Krähenjäger. "Die Vögel sind sehr schlau", erzählt Strüven. "Wenn die durch helle Haut auf einen Menschen aufmerksam werden oder durch das Blitzen eines Gewehrlaufs, werden sie misstrauisch und drehen ab."

Lockkrähen aus beflocktem Kunststoff

Deshalb tarnen sich die Jäger möglichst gut, und darüber hinaus stellen sie ein sogenanntes "Lockbild" auf mit bis etwa zwanzig Lockkrähen aus beflocktem Kunststoff, von denen einzelne sogar durch einen "Krähenmagneten" bewegt werden und so Leben vorgaukeln. Mit einer speziellen Pfeife, einem handgefertigten "Krähenlocker", ahmt Heinz Strüven dann das Krächzen der Krähen nach - und nur, wenn alles so gut ausgeführt ist, dass die Krähen getäuscht werden, können die Jäger zum Schuss kommen.

"In Kiebitzreihe haben wir ein Niederwildrevier", begründet Strüven seine Jagd auf die schwarzen Vögel. "Neben dem Fuchs und dem Mähdrescher ist die Krähe hier der größte Feind des Wildes." Die Krähen, so der Jäger, "gehen auf alles, was klein ist, und holen es weg: Singvögel, Hasen, Fasane, Kitze und Lämmer." Krähen, so berichtet er, "hacken ihrer Beute die Augen aus, um sie danach zu töten."

Schaden für Landwirte

Und: Krähen hacken die Siloplanen der Bauern auf und richten auf diese Weise auch landwirtschaftliche Schäden an. "Ich habe gerade mit einem Bauern gesprochen", erzählt Strüven. "Dem hatten die Krähen solche Planen zerstört und allein so einen Schaden von 500 Euro angerichtet."

Einen weiteren Grund für die Bejagung der Krähen nennt der Jäger: Diese Vögel haben keine natürlichen Feinde - und deshalb müssen die Bestände durch den Abschuss reguliert werden.

Naturschützer kritisieren Jagd

Von den geschützten Saatkrähen sind die Rabenkrähen, die außerhalb der Schonzeit vom 21. Februar bis zum 31. Juli gejagt werden dürfen, leicht zu unterscheiden: "Sie fliegen anders", meint Strüven, "und sie haben einen anderen Stoß, also eine andere Form des Schwanzes." Dazu sind Rabenkrähen anders als Saatkrähen Einzelgänger.

Neben dem Pächter Dirk Peters gibt es im Revier Kiebitzreihe noch fünf weitere Jäger, einschließlich Heinz und Andreas Strüven. Doch nur die beiden haben sich auf die Krähenjagd spezialisiert. Während sich die örtlichen Bauern über das Engagement der Krähenjäger freuen, stößt es bei anderen auf Ablehnung. "Es ist schon passiert, dass plötzlich die Polizei bei uns am Tarnschirm auftauchte, um uns wegen der Krähenjagd zur Rede zu stellen. Dann muss ich wieder einmal den Unterschied zwischen der geschützten Saatkrähe und der bejagbaren Rabenkrähe erläutern." Doch nach so einem Polizeieinsatz ist das Jagdglück höchst zweifelhaft.

Naturschutzverbände stellen sich gegen die Krähenjagd: Ganz entschieden spricht sich beispielsweise Hans Ewers, Vorstandsmitglied des Naturschutzbundes Schleswig-Holstein, dagegen aus: "Wir sind gegen diese Jagd, weil es keinen vernünftigen Grund dafür gibt!" Dass Krähen Rehe oder Schafe töten, sei ein Märchen, betont Ewers. "Als Aasfresser sind sie natürlich bei solchen toten Tieren zu finden und fressen sie, aber sie töten sie nicht." Auch hacken die Krähen ihnen nicht die Augen aus. Und die Regulierung der Bestände? "Die Bestände regulieren sich von selbst!" so der Naturschützer. Das hätten wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen. Heinz Strüven und sein Sohn Andreas sehen das anders - und betreiben weiter das, wovon so mancher Elmshorner träumt: Sie gehen auf Krähenjagd.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen