Schleswig-Holstein Musik Festival in Elmshorn : Der Klang der Bilder

Trio von internationalem Format in der Reithalle: Martin Tingvall (Klavier), Omar Rodriguez Calvo (Bass) und Jürgen Spiegel (Schlagzeug).
Trio von internationalem Format in der Reithalle: Martin Tingvall (Klavier), Omar Rodriguez Calvo (Bass) und Jürgen Spiegel (Schlagzeug).

1000 Konzertgäste kommen in der alten Reithalle zusammen, um den starken Auftakt des Tingvall Trios zu hören und zu sehen.

shz.de von
09. Juli 2018, 16:00 Uhr

Elmshorn | Manche Musiker können wunderbar Farben spielen: so klingt blau, so grün – und schwarz wieder ganz anders. Der schwedische Pianist Martin Tingvall kann noch mehr: Seine Farben werden zu Bildern, mal scheu gezeichnet, dann wieder satt aufgetragen. Immer stimmt die Balance. Auch, weil Omar Rodriguez Calvo (Bass) und Jürgen Spiegel (Schlagzeug) dem Klang der Bilder das richtige Finish verpassen.

So hört es sich an, wenn das Tingvall Trio seinen Mainstream-Jazz mit nordischem Einschlag präsentiert. Das Publikum in der alten Reithalle war hin und weg. Tausend Besucher erlebten dort am Sonnabend das erste Elmshorner Konzert beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) 2018.

Unaufgeregt und fast beiläufig witzig spricht Martin Tingvall in seinen kurzen Moderationen über Motivation und Ausgestaltung der Kompositionen (alle Stücke sind von ihm). Von Natur ist die Rede, von Schweden, von Ruhe und von den Kreisen des Lebens.

Die Hörer verstehen – vor allem deshalb, weil Tingvalls musikalische Mittel glasklar und unverschlüsselt sind. Kleinste Motive entwickelt der Pianist mit seinen Kollegen zu gehaltvollen Dialogen. Tingvall bleibt sich treu. Er verleugnet nicht, dass sein eingängiger und publikumswirksamer Jazz Wurzen im Pop und Rock hat. Auch Folkloristische Anklänge sind unverkennbar.

Martin Tingvall denkt über Dinge wie Entschleunigung und Gelassenheit nach – und setzt sie in Musik um. Das klingt dann schon etwas melancholisch. Warum auch nicht. Die Balladen gehören zu den ganz starken Arbeiten des Pianisten und Komponisten. In Elmshorn präsentierte er mit seinem Trio nicht nur Stücke aus dem aktuellen Album „Cirklar“ (Kreise). Auch ältere Kompositionen waren zu hören (Wunderbar: „Den Gamla Eken“, die alte Eiche).

Die Aufmerksamkeit des Publikums hat Martin Tingvall sofort: Mit einem kleinen Intervall, seltener auch mit einem kompakten Akkord, startet er die musikalische Reise. Pianistisch ungemein versiert und selbstbewusst in der Wahl der Stilmittel, erweitert er anschließend das Klangfeld, bis Omar Rodriguez Calvo mit seinem Bass übernimmt. Das passt. Der Kubaner zupft, schlägt und streicht und findet immer einen Weg, sein Instrument „gesanglich“ einzusetzen. Schlagzeuger Jürgen Spiegel hält sich da erst einmal zurück – übernimmt aber mit großer Genauigkeit und schierer Lust, wenn er gefragt ist. Nach der Steigerung ins Hymnische kehren die Musiker entspannt zum Ausgangspunkt zurück. Der Kreis hat sich geschlossen. Ein letzter, zögerlicher Ton auf dem Klavier – und Schluss. Ein starker Auftakt der Elmshorner Festival-Saison. Zwei Stunden pure Emotion, mehr geht nicht.

Vielleicht ja doch. Am 20. Juli kommt Klarinettistin Sabine Meyer, Porträtkünstlerin des SHMF 2018, mit dem Alliage Quintett in die Reithalle. Die gute Nachricht: In Elmshorn spielen die Stars. Die nicht so gute: Es gibt keine Karten mehr.

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