Elmshorn : Der jüdische Friedhof ist jetzt ein Denkmal

Der jüdische Friedhof Elmshorn liegt an der Feldstraße neben der katholischen Kirche. Er besteht seit 1685.
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Der jüdische Friedhof Elmshorn liegt an der Feldstraße neben der katholischen Kirche. Er besteht seit 1685.

Das Landesamt erklärt die Anlage als eine der ältesten und schönsten ihrer Art in Schleswig-Holstein als besonders erhaltenswert.

shz.de von
06. Januar 2015, 10:00 Uhr

Elmshorn | Die Stadt Elmshorn hat ein neues Kulturdenkmal: Den 330 Jahre alten jüdischen Friedhof an der Feldstraße. Das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel hat die Anlage in die Liste der besonders erhaltenswerten Zeugnisse der schleswig-holsteinischen Geschichte aufgenommen. Mehr noch: Der Verfall der Grabsteine soll gestoppt, der Friedhof insgesamt als denkmalgeschützte Fläche für die Nachwelt erhalten bleiben.

Als „den schönsten jüdischen Friedhof in Schleswig-Holstein“ hat Dr. Margita Meyer vom Fachreferat Gartendenkmalpflege im Landesdenkmalamt die Elmshorner Anlage bezeichnet – und entsprechend gehandelt. Denn: Der Zustand des Friedhofes, der genauso wie die 1906 erbaute Friedhofshalle den Nazi-Terror überstand, hat in den vergangenen Jahrzehnten stark gelitten. Es sind etliche Steine umgefallen, und es drohen eine Reihe weiterer Grabsteine wegen Bodenabsenkung umzustürzen.

Der Stein vom Grab der Familie Oppenheim, der beim Umstürzen in mehrere Teile zerbrach, bildete den Zündfunken für die jetzt anstehende, umfassende Restaurierung des Friedhofes, die sich aufgrund der Kosten wahrscheinlich über Jahre hinziehen wird. Vorerst ist lediglich das Oppenheim-Grab wieder hergestellt. Aber es werden eine Reihe weiterer Steine folgen. Darüber hinaus wird der Friedhof mit seinen Steinen kartografisch erfasst und katalogisiert.

Und noch etwas ist geplant: Die sogenannten Kohanim-Steine in der ersten Grabreihe nördlich der Friedhofshalle werden ergänzt. Diese Kohanim-Reihe stellt mit ihrer Vollständigkeit eine Besonderheit dar, die nur noch bei sehr wenigen und sehr alten Friedhöfen anzufinden ist. Nachkommen der Kohanim-Familien durften den jüdischen Friedhof nicht betreten. Von daher war es wichtig, dass die Gräber von außerhalb des Friedhofes zu sehen waren und deshalb lagen sie in der ersten Reihe direkt am Zaun.

Das Projekt kann nur mit Unterstützung vieler Kräfte verwirklicht werden. Alisa Fuhlbrügge, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Elmshorn, hatte bereits im Vorfeld unermüdlich dafür gesorgt, dass das Projekt überhaupt in Angriff genommen werden konnte. Finanzielle Unterstützung kam bislang vom Landesdenkmalamt, vom Kulturamt der Stadt Elmshorn, vom Elmshorner Steinmetzbetrieb Diercks, vom Lions-Club Elmshorn und einer Reihe weiterer Sponsoren. Das Industriemuseum Elmshorn und der Experte für die jüdische Geschichte an der Krückau, Harald Kirschninck, haben Unterlagen aus ihren Archiven zugesagt, und  Wissenschaftler des Steinheim-Instituts lieferten wichtige Tipps.

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