zur Navigation springen

Tradition in ELmshorn : Der große Tag der grauen Erbse

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Faschingsdienstag dreht sich in Elmshorn alles um eine unscheinbare Hülsenfrucht. Viele Lokale waren gestern ausgebucht.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Es ist nicht nur eine, sondern die Tradition in Elmshorn: Am Faschingsdienstag werden graue Erbsen gegessen. Und obwohl es alljährlich dieses deftige Mahl mit Schweinebacke, Kochwurst und Kasseler sowie Kartoffeln und Speckstippe gibt, stürmten auch gestern die Elmshorner und ihre Gäste die Kneipen und Restaurants. Nicht selten waren die Lokale in diesem Jahr wieder ausgebucht.

Es ist eben seit Generationen an der Krückau guter Brauch, einen Tag nach Rosenmontag das Elmshorner Erbsenfasching zu feiern. Da stört es nicht, dass es das Traditionsgericht seit Jahren auch in vielen Städten und Gemeinden der Umgebung gibt und in einigen Gasthäusern der Schmaus an mehreren Tagen serviert wird. Doch traditionell wird sich einen Tag vor Aschermittwoch noch einmal so richtig am deftigen Essen sowie dem dazugehörigen Köm und Bier gelabt, bevor die Fastenzeit beginnt.

„Wunderbar, schmeckt gut, und die Schweinebacke zergeht auf der Zunge“, schwärmte bereits gestern zur Mittagszeit der Elmshorner Michael Konetzny. Er genoss wie viele Dutzend anderer Gäste das Essen im Restaurant „Zum Pfahlkrug“ im Norden der Stadt, wo er auch sonst gern zum Mittagstisch einkehrt.

Extra dorthingefahren ist auch das Ehepaar Schulz aus Glückstadt, um die Grauen Erbsen zu kosten. Ihr Fazit: „Lecker, der Weg hat sich gelohnt.“ Und auch die Rathausmitarbeiter des Flächenmanagements hatten sich in diesem Jahr im Pfahlkrug für die Mittagspause Plätze reserviert. „Wir gehen seit Jahren immer am Faschingsdienstag gemeinsam zum Graue-Erbsen-Essen. Das hat bei uns Tradition“, so Amtsleiterin Petra Langefeld.

Volles Haus

Alle Tische besetzt und großer Andrang bei den „Grauen-Erbsen außer Haus“: Pfahlkrug-Wirtin Bettina Steffen und ihre achtköpfige Mannschaft hatten alle Hände voll zu tun – und Seniorchefin Marion Rade war am Zapfhahn voll in ihrem Element.

Nicht weniger Andrang herrschte bereits zum Mittagessen in anderen Gasthäusern, bevor es dann abends so richtig los ging. Allein in der Traditionsgaststätte „Sibirien“ gehen alljährlich bis zu zwei Zentner Erbsen und vier Zentner Kasseler über den Tisch. Und im ältesten, 1752 erstmals erwähnten Gasthaus der Stadt, dem heutigen Hotel „Drei Kronen“, rechnete Koch Robert Epbinder mit etwa 500 Portionen. Dort wird – wie in manch anderem Lokal – das Gericht auch noch an den folgenden Tagen der Woche angeboten.

Im „Drei Kronen“ werden ebenfalls immer viele Stammkunden erwartet. Für sie und die anderen Gäste kocht der 38-jährige Epbinder seit zwei Jahren im Haus an der Ecke Gärtnerstraße/Flamweg, nachdem er vorher 20 Jahre in einer Sterne-Gastronomie in Hamburg gearbeitet hatte. „Bevor ich nach Elmshorn kam, hatte ich noch nie von grauen Erbsen gehört. Aber das ist wirklich ein Ereignis“, sagt er. Und das wollen sich die Elmshorner und ihre Gäste offenbar Jahr für Jahr nicht entgehen lassen – der kleinen, unscheinbaren grauen Erbse steht also selbst nach mehr als 100 Jahren im Dienste des Faschings noch eine große Zukunft bevor.

Die erste, bislang gefundene schriftliche Erwähnung des Graue-Erbsen-Essens in Elmshorn stammt aus dem Jahre 1902. Die Ursprünge des Brauches sollen aber wesentlich weiter zurückliegen: Der Legende nach stammt das Traditionsessen aus dem Dreißigjährigen Krieg oder den nachfolgenden Jahren mit vielen Wirren und Nöten. In jener Zeit wurde  Elmshorn 1657 und 1658 niedergebrannt und die Bevölkerung litt große Not. Die grauen Erbsen sollen sie damals vor dem sicheren Hungerstod gerettet haben. Daran soll das Traditionsmahl erinnern. Fest steht: Erwähnt wird das ursprünglich von Elmshorns Wirten zur Fastnacht als kostenloses Eintopf-Tellergericht gereichte Essen erstmals in den seit 1851 erscheinenden Elmshorner Nachrichten im Jahre 1902.
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen