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Müllbeseitigung im Kreis Pinneberg : Der Chef der Müllverbrennung hört auf

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung (GAB), Gerd Doose, geht nach mehr als 20 erfolgreichen Jahren in den Ruhestand. Er will nun seinen Pilotenschein machen.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Gerd Doose ist HSV-Fan. Seit langem schon. Er hat sogar eine Dauerkarte. Von Beruf ist Doose Geschäftsführer der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung, kurz GAB genannt, die im Kreis Pinneberg für die Müllbeseitigung zuständig ist. Eigentlich haben berufliches Engagement und privates Fußballvergnügen nichts miteinander zu tun. Bei Doose schon. Denn die Rasenheizung in der HSV-Arena wird mit Wärme aus der Müllverbrennungsanlage in Stellingen gespeist. Und 50 000 Tonnen Müll pro Jahr steuern Doose und die GAB für die Verbrennung in Stellingen bei. Wie die Rasenheizung seines Lieblingsvereins künftig auf Touren gebracht wird, darauf wird der GAB-Chef keinen Einfluss mehr haben. Denn in wenigen Tagen, genau am 31. Dezember, ist sein letzter Arbeitstag. Nach mehr als 21 Jahren erfolgreicher Tätigkeit geht er in den Ruhestand.

Dass er einmal der oberste Müllmann des Kreises Pinneberg werden würde, war in Dooses Jugend alles andere als absehbar als er 1951 in Wasbek bei Neumünster geboren wurde. Seine Eltern waren Landwirte. Nicht unbedingt zur Freude des Sohns: „Ich war in der Klasse der einzige Bauernsohn. Vor der Schule musste ich Kühe melken. Und wenn die anderen mit Mädchen loszogen, musste ich auf dem Hof helfen.“ Auf diese Jugenderlebnisse führt Doose seine Abneigung gegen Gartenarbeit zurück.

Auch nach der Schule deutete nichts auf die spätere Tätigkeit bei der GAB hin. Doose machte eine Lehre als Straßenbauer. „Da musste ich fast nur Steine kloppen“, sagt er. Er schloss die Lehre ab und ein Studium als Bauingenieur an. Anschließend studierte er Berufspädagogik. Seine Schwerpunkte: Psychologie und Betriebswirtschaftslehre.

Seit 1992 Geschäftsführer der GAB

1975 nahm Doose einen Job beim Straßenbauamt des Landes an. Unter anderem war er maßgeblich am Bau der A 215 zwischen Rendsburg und Kiel beteiligt. Doch Spaß machte ihm die Arbeit nicht. „Da haben sich viele Leute viel zu wichtig genommen“, erinnert er sich. Als er immer nörgeliger wurde, hatte seine Frau genug: „Such dir einen neuen Job.“

Doose folgte dem Rat seiner Frau und fing 1988 beim Segeberger Wege- und Zweckverband Abfallwirtschaft an. Dort gefiel es ihm besser als im öffentlichen Dienst. Eine seiner Hauptaufgaben war der Bau der Abfalldeponie in Damsdorf. Dass machte Doose offensichtlich gut. Denn Berend Harms, der damalige Landrat des Kreises Pinneberg, wurde auf ihn aufmerksam. Der Kreis Pinneberg wollte aus der Verbrennung aussteigen und eine Mülldeponie bauen. Harms brauchte einen Fachmann. Doose gefiel das Angebot, er schlug ein – und wurde am 1. Oktober 1992 Geschäftsführer der GAB und zuständig für die Deponieplanung.

Damals war die Abfallwirtschaft im Umbruch. Während Politik und Kreisverwaltung zuvor immer über steigende Müllberge gestöhnt hatten, wurde Abfall langsam zum Wirtschaftsgut. 1991 wurde der Gelbe Sack eingeführt, in der Abfallbeseitigung hielt wirtschaftlicher Wettbewerb Einzug. Das hatte Folgen. Die Müllmengen gingen zurück. Eine Deponie war nicht mehr nötig. 1997 hob der Kreistag den Beschluss, eine Deponie zu bauen, wieder auf.

1996 gab es einen weiteren wichtigen Schritt, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern: Die GAB gründete Tochtergesellschaften, unter anderem die HAMEG, die das Einsammeln des Hausmülls in weiten Teilen des Kreises übernahm. Im selben Jahr wurde das Biokompostwerk in Betrieb genommen.

Harms und Doose waren überzeugt, dass die Zukunft der Müllverwertung, für die die Kreise zuständig waren, in Kooperationen lag. Zur von Harms favorisierten landesweiten Zusammenarbeit kam es nicht. Es reichte aber immerhin zur Gründung der Abfallentsorgungsgsellschaft Unterelbe (AUE), gemeinsam mit den Kreisen Steinburg und Dithmarschen. Fortan wurden in der GAB-eigenen Anlage in Tornesch-Ahrenlohe jährlich rund 80 000 Tonnen Müll verbrannt. 50 000 Tonnen werden seitdem zur Stellinger Verbrennungsanlage transportiert. Womit wir wieder beim Thema Rasenheizung wären.

"Sachverstand der Profis hat sich ausgezahlt"

Eine der wichtigsten Entscheidungen, um die GAB zukunftssicher zu machen, war 2003 der Verkauf von 49 Prozent der GAB-Anteile an die Privatfirma RWE. 19 Millionen Euro zahlte RWE. 2005 verkaufte das Unternehmen seine Anteile an die Firma Remondis, die sie immer noch hat. „Der Sachverstand der Profis hat sich für die GAB ausgezahlt“, meint Doose.

Das Unternehmen hat sich insgesamt unter seiner Regie bestens entwickelt. Der Umsatz stieg von 15 auf 44 Millionen Euro. Und davon profitieren die beiden Anteilseigner Remondis und der Kreis Pinneberg. Rund vier Millionen Euro Gewinn können sie sich jährlich teilen. Die AUE, das Werk von Doose und Harms, gibt es zwar noch, doch Ende 2015 ist Schluss. Vor allem Dithmarschen erhofft sich vom Ausstieg niedrigere Kosten für das Beseitigen seines Mülls. „Ich glaube, dass die AUE eine gute Zukunft gehabt hätte“, sagt Doose bedauernd.

Wie geht es weiter mit der GAB? Der Ausstieg von Dithmarschen und Steinburg tut finanziell nicht besonders weh, so Doose. Der Gewinn werde sich lediglich um rund 300 000 Euro verringern. Auch die seit mehr als zehn Jahren stabilen Müllgebühren werden in den kommenden Jahren nicht steigen, glaubt der Geschäftsführer. Auf Dauer, davon ist er überzeugt, muss sich die GAB aber neu aufstellen und ihre Anlagen ausbauen. „Bis 2025 ist noch Zeit, aber die Entscheidungen müssen rechtzeitig getroffen werden“, sagt er. Das ist auch ein Grund, weshalb Doose seinen Ende dieses Jahres auslaufenden Vertrag nicht verlängert hat: „Es stehen wichtige Entscheidungen an. Diese sollte der treffen, der sie dann auch umsetzen muss.“ Das wird Dooses Nachfolger Jens Ohde (52) sein

Gerd Doose wird von Januar an als Berater Abfallwirtschaft und den Baubereich selbstständig sein. Allerdings nur zweieinhalb Tage pro Woche. Den Rest der Zeit wird er mit seinem großen Freundeskreis verbringen und mit seiner Frau reisen, unter anderem mit einem Wohnmobil. Der begeisterte Motorradfahrer wird zudem häufiger Touren mit seiner BMW 1200 unternehmen. Und natürlich wird er weiterhin ins HSV-Stadion gehen.

Dennoch fällt ihm der Abschied nicht leicht: „Ich gehe schweren Herzens. Ich bin dem Betrieb sehr verbunden, es sind viele persönliche Kontakte entstanden.“ Den Abschied erleichtern könnte Doose eine neue Aufgabe, die er schon länger mal in Angriff nehmen wollte und für die er jetzt Zeit hat. Er will seinen Pilotenschein machen.

GAB

Im Abfallwirtschaftszentrum Tornesch mit seinem Recyclinghof werden jährlich mehr als 150000 Tonnen  Abfall behandelt, getrennt, sortiert, verwertet oder der weiteren umweltgerechten Entsorgung zugeführt. Der Umsatz der GAB beträgt rund 44 Millionen Euro. Rund vier Millionen Euro Gewinn werden an die Anteilseigner Kreis Pinneberg und das Unternehmen Remondis ausgeschüttet.

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