Der Arbeiter Max Wriedt: In Fuhlsbüttel zu Tode gefoltert

Ein Foto von  Max Wriedt auf einem alten Ausweisdokument.  Foto: en
Ein Foto von Max Wriedt auf einem alten Ausweisdokument. Foto: en

shz.de von
28. Februar 2012, 03:59 Uhr

Elmshorn | Fünf neue Stolpersteine werden am Sonnabend, 3. März, in Elmshorn verlegt. Die kleinen Messingplatten im Gehweg sollen an die Opfer des Nationalsozialistischen Regimes erinnern. Die EN stellen in den kommenden Tagen die Personen vor, denen ein Denkmal gesetzt wird.

Der erste Stolperstein, der in der diesjährigen Aktion verlegt wird, ist dem Elmshorner Arbeiter Max Wriedt gewidmet, der 1935 im Konzentrationslager Fuhlsbüttel ums Leben gebracht wurde. Wriedt, am 3. April 1886 geboren, lebte in der Timm-Kröger-Straße 9. Der Arbeiter war im politischen Widerstand tätig.

Er war vor 1933 Führer des Elmshorner "Roten Frontkämpferbundes". Im März 1933, kurz nach dem Reichstagsbrand, wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Glückstadt gebracht. Da die Geheime Staatspolizei ihm keine illegale Tätigkeit für die KPD nachweisen konnte, musste er nach kurzer Zeit freigelassen werden.

Trotzdem wurde er weiterhin verfolgt - denn Wriedt soll, das behauptete die Hamburger Gestapo, den Elmshorner SS-Führer Wilhelm Grezesch attackiert haben. Die Gestapo protokollierte dazu, dass Wriedt "im Jahre 1932 [Grezesch] wiederholt mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen und schwer verletzt" hatte. Der Vorfall soll sich am 24. Juli 1932 in der Ollnsstraße abgespielt haben. Ein Trupp Elmshorner Nazis war an dem Tag durch die Ollnsstraße marschiert, hatte Flugblätter verteilt und provozierende Lieder gesungen. Auf der Kreuzung Ollnsstraße/Im Gehölz kam es zu der Auseinandersetzung zwischen empörten Anwohnern und Nazis, bei der Max Wriedt angeblich Wilhelm Grezesch attackierte.

Nur eine Woche später, in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 1932, warfen Nazis von Autos und Motorrädern aus Handgranaten auf die Gaststätte Schütterow in der Reichenstraße, ein Arbeiterlokal, in dem auch das Büro der Kommunistischen Partei untergebracht war, und beschossen auch Passanten. Ähnliche Anschläge folgten in Barmstedt, Uetersen und Pinneberg. Die Attentäter, etwa 40 Nazis aus Elmshorn und Umgebung, wurden vor dem Altonaer Sondergericht angeklagt. Unter ihnen Wilhelm Grezesch. Wenige Tage vor Urteilsverkündung wurde Grezesch zum NSDAP-Reichstagsabgeordneten und erhielt damit Immunität. Eigentlich sollte er zu sechs Jahren Haft verurteilt werden.

Max Wriedt wiederum wurde im März 1934 erneut verhaftet und stand wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht. Bei einer Hausdurchsuchung wurde von der Polizei eine angeblich in einem Holzklotz versteckte Pistole samt Munition gefunden. Er kam wieder frei - doch nach seiner dritten Verhaftung im Dezember 1934, wurde Max Wriedt ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel überführt. Über seine Vernehmung in der Gefängniskirche berichtete der Elmshorner Maurer Carl Mumm: "In der Kirche wurde ich an die Heizungsrohre gekettet und von der SS verprügelt. Zusätzlich verbrannte ich meine Arme an den heißen Heizungsrohren." Auch Max Wriedt wurde hier so schwer gefoltert, dass er am 21. Januar 1935 starb. Er war damit der zweite Elmshorner, der in Fuhlsbüttel ermordet wurde.

An elf Elmshorner, darunter Max Wriedt, erinnert der Gedenkstein vor dem Rathaus. An Max Wriedt wird ab dem 3. März auch ein Stolperstein erinnern. Die Patenschaft für diesen Stein übernimmt die Gewerkschaft ver.di, Fachbereich Postdienste, Speditionen und Logistik.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen