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Elmshorner Nachrichten

21. Oktober 2017 | 07:08 Uhr

Den Gegner in den Boden prügeln

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Porträt Denise Brandt ist Trainerin bei der Elmshorner Schule für mittelalterlichen Schwertschaukampf

shz.de von
erstellt am 25.Jun.2016 | 16:00 Uhr

Denise Brandt ist eine junge Frau mit offenem Blick und sympathischem Lächeln, die offen und gelassen auf Menschen zugeht. Philippa von der Elchniederung schaut grimmig-aggressiv, provoziert und stürmt angriffslustig auf Gegner zu um sie gnadenlos mit dem Schwert niederzukämpfen. Diese gegensätzlichen Charaktere sind in ein und der selben Frau zu finden, denn in ihrer Freizeit arbeitet die angehende Gymnasiallehrerin seit sechs Jahren in Elmshorn als Trainerin in der „Schule für mittelalterlichen Schwertschaukampf“ und verkörpert dort den amazonenhaften Kriegerinnentyp.

Schon als Kind fand Denise Brandt Ritter und Mittelalter „cool“. Als sie 2007 einen Mittelaltermarkt in Norderstedt besuchte und dort die Schaukampftruppe in Aktion sah, war es um die 16-Jährige geschehen. Solche Kämpfe, jeder gegen jeden, wollte sie auch machen. Gemeinsam mit ihrem Vater belegte sie einen Volkshochschulkursus um die Grundlagen kennenzulernen. Seitdem ist sie aktiv dabei – seit 2010 sogar als Trainerin der Elmshorner Schaukampftruppe, die wöchentlich in der Boje-C.-Steffen-Schule probt. Neben der Theorie (z. B. Waffengesetz) werden spezielle Techniken geprobt, denn Schwertschaukampf sei mit dem Tanzen vergleichbar, meint Denise Brandt. Man übe mit dem Partner Schrittfolgen, Paraden und Techniken ein, die dann allerdings nicht „gelaufene Linksdrehung“ oder „Wiegeschritt“ heißen, sondern Angreifen, Schubsen, Treten, Entwaffnen und Töten. „Im Mittelalter ging es beim Schwertkampf darum, den Gegner möglichst schnell auszuschalten. Unser Schwertschaukampf bietet die Möglichkeit den Kampf hautnah zu erleben, aber das Verletzungsrisiko zu minimieren und lebt von schauspielerischen Komponenten“, meint Denise Brandt. Für die Storys der Auftritte schreibt sie Drehbücher. Bei Kämpfen ist sie für die Kampfkoordination oder Turnierleitung zuständig. Vor allem „Massenschlachten“, bei denen jeder gegen jeden kämpft, liebt sie und erinnert sich: „So wie beim Wacken-Open-Air.“ Da habe die Erde gebebt, als 60 Akteure mit Schwertern aufeinander losgingen.

„Um Einzelkämpfe zeigen zu können, die dann bis zu drei Minuten dauern, muss man zirka zwei Jahre trainieren“, berichtet Brandt. „Die Kämpfe sind nicht durchgeplant oder choreografiert, sondern frei“, erzählt sie, „Man richtet sich aber nach dem, was ein Partner vorgibt. Wenn der schubst, dann muss ich auch zurücktaumeln und eventuell fallen. Wenn er entwaffnet, gebe ich auch das Schwert frei.“ Nicht treffen, sondern rechtzeitig stoppen ist eine wichtige Regel, die vor allem Anfänger gründlich üben müssen: Zuerst mit einem Besenstiel mit übergestülpter Rohrisolierung („da tun die Treffer nicht so weh“), später dann mit eigenem Schwert. Der Kampf soll zwar gefährlich aussehen, ist aber nur „Show“. Man habe einen guten Kampf gezeigt, „wenn die Sanitäter am Spielfeld nervös werden, weil sie nicht wissen, ob der „verletzte“ Held der gezeigten Story wirklich verwundet ist oder nur schauspielert“.

Wenn sich Denise Brandt in Kriegerin Philippa von der Elchniederung verwandelt, möchte sie möglichst authentisch rüberkommen. Es gibt nicht viel Literatur über kämpfende Frauen im Mittelalter (Jeanne d’Arc oder Elizabeth I traten zwar in Rüstungen auf, Kampfhandlungen sind aber nicht überliefert), aber bei ihrem zweiten Hobby, dem mittelalterlichen Nähen, hat die Lehrerin für Latein und Geschichte aus Historikerperspektive schon einen speziellen Anspruch an sich selber.

Denise Brandts selbst hergestellte Kleidung beim Schwertschaukampf besteht aus einer unterziehbaren Tunika und kurzer Hose. Darüber kommen dann Lederrock und Rüstung mit seitlichen Schnallen sowie feste Motorradhandschuhe mit Armschiene in der Kampfhand, dicken Lederstiefeln und einem Stirnriemen, der die langen Haare zurückhält. Stolz ist sie auf ihr in Tschechien aus zwei verschiedenen Metallen geschmiedetes Schwert. „Melior Vincat“ (Möge der Bessere gewinnen) steht darauf. Denise Brandt trainiert hart, damit Philippa von der Elchniederung dann ihren Gegner „in den Boden prügeln“ kann. Ihr Können zeigen die Schwertschaukämpfer – die im „normalen“ Leben so bürgerlichen Berufen wie Erzieher, Informatiker, Bankkaufmann oder Gärtner nachgehen – auf Mittelaltermärkten, Elmshorns Sportlerehrung aber auch bei Treffen wie im rumänischen Transsylvanien, wo dann mehrere Tage „Ritterromantik“ mit Zelten, Lagerfeuer und Kämpfen angesagt sind.

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