"Menschen am Montag" : Dem Sprechen auf der Spur

Beate Winkler zeigt Menschen, wie sie mit ihrer Stimme umgehen können.  Foto: Roolfs (2)
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Beate Winkler zeigt Menschen, wie sie mit ihrer Stimme umgehen können. Foto: Roolfs (2)

Richtiges Reden beginnt mit richtigem Atmen. Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin Beate Winkler bringt System ins Sprachwirrwar.

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15. April 2013, 09:31 Uhr

Elmshorn | In dieser Rubrik stellen wir Menschen vor, die in Elmshorn leben und/oder hier berufstätig sind. Sie erlauben Einblicke in ihr Leben und sind unsere "Menschen am Montag".

"Ich schaffe es jetzt auch, ohne Mikrofon in der Thomaskirche gehört zu werden." Das ist wichtig für Friedrich Mönkehaus, denn der pensionierte Lehrer hält ehrenamtlich Predigten in dem Elmshorner Gotteshaus. "Zu verstehen war ich gut, das haben mir alle bestätigt."

Mönkehaus freut sich darüber um so mehr, weil es nicht immer so war. Bis vor einigen Monaten beklagten sich vor allem ältere Besucher des Gottesdienstes, dass sie von seiner Predigt kaum etwas mitbekämen. Mönkehaus ging das Problem an: Zu einer Fortbildung für Laienprediger lud er die Elmshorner Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin Beate Winkler ein. Drei Stunden lang beschäftigte sie sich mit den Schwierigkeiten beim Sprechen: Der eine hatte Probleme mit der Betonung, beim anderen fehlten die Pausen im Redefluss. Mönkehaus’ Problem war seine hohe Stimmlage, und weil das Gehör im Alter zuerst bei den hohen Tönen nachlässt, hatten vor allem ältere Gottesdienstbesucher Probleme, ihn zu verstehen. Mönkehaus fehlte es an Resonanz im Brustraum für eine volle Stimme. Winkler zeigte ihm einige einfache Übungen: "Auf dem Weg zur Kirche fange ich an"; er muss sich sammeln, bevor er spricht, und dann klappt es: "Obwohl ich gar nicht so viel geübt habe."

"Für Viele reicht ein Hinweis: Stell’ dich mal anders hin . . ." berichtet Beate Winkler aus ihrer Praxis. Bei Mönkehaus waren es ein paar Stimmübungen, darunter: "Wir Wiener Waschweiber waschen weiße Wäsche." Mönkehaus, ehemals stellvertretender Leiter der Berufsschule in Elmshorn, ist überzeugt vom Erfolg der einfachen Übungen: "Für bestimmte Berufsgruppen müsste das obligatorisch sein", er denkt dabei an Pastoren und Lehrer, die in ihrer Arbeit viel reden müssen. Für Lektoren und Pastoren will er weitere Kurse mit Winkler organisieren.

In die Praxis der Stimmlehrerin kommen häufig Leute, die im Beruf souverän auftreten und überzeugend präsentieren wollen. "Je tiefer die Stimme, desto höher die Stufe auf der Karriereleiter", lautet die Faustformel. Welche Stimmen angenehm klingen, ist zwar ein subjektives Empfinden, aber auch das unterliegt Zeitströmungen: Heinz Rühmann oder Hans Albers hatten relativ hohe Stimmen, heute sind tiefe Organe gefragt. Was in Winklers geschulten Ohren sogar übertrieben wird, wenn Nachrichtensprecherinnen möglichst tief klingen, um Kompetenz zu suggerieren.

Einige Klienten kommen auf Rezept zu Winkler; die schickt meistens der Hals-, Nasen-, Ohren-Arzt. Bei anderen hängen Stimme und Psyche eng zusammen.

Außerdem lassen die Mitglieder von drei Laientheatergruppen und diverser Chöre ihre Stimmen bei Winkler schulen. Und dann betreut sie noch Privatleute, die aus Spaß an der Freude ihre Stimmen trainieren; die einen Text beim Rezitieren gestalten, Trauer ausdrücken oder mit der Stimme verschiedene Rollen einnehmen wollen.

Gedichte, Lieder und Körperarbeit sind Winklers wichtigste Hilfsmittel beim Stimmtraining. Die Stimmlehrerin betrachtet den ganzen Körper als Instrument: "Das fängt an den Füßen an und hört am Kopf auf." Als Beispiel berichtet sie von einem Stotterer, den sie aufforderte, im Stehen die Knie zu lockern - und plötzlich floss seine Stimme ohne Stocken.

Zentral in Winklers Arbeit ist das Atmen: "Wer nicht vernünftig atmet, kann auch nicht mit der Stimme umgehen." Sogar mancher Panik attacke lasse sich mit Atemtechnik vorbeugen.

Wer frei spreche, stehe selbstbewusster im Leben: "Wenn ich an der Ausstrahlung arbeite, hat das Auswirkungen nach innen", sagt Winkler. Wenn es der Lehrerin leichter falle, vor der Klasse zu sprechen, weil sie besser durchdringt und sechs Stunden durchhält, ohne heiser zu werden, mache ihre Arbeit mehr Spaß, sie werde besser und die Spirale drehe sich weiter nach oben.www.intonare.de

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