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Tierheim in Not : Dem einzigen Tierheim im Kreis Pinneberg geht das Geld aus

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Einrichtung in Elmshorn weist 50.000 Euro Defizit pro Jahr auf. Der Tierschutzverein fordert Unterstützung von Kreis oder Land.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Ein großes Erbe rettete das Elmshorner Tierheim über die vergangenen Jahre. Doch das Geld neigt sich dem Ende entgegen. Die Einrichtung ist in akuter Finanznot. „Wie es weitergehen kann, ist völlig ungewiss“, betont Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Elmshorn, dem Träger des einzigen Tierheims im Kreis Pinneberg.

Maeder schlägt Alarm. Denn die Einrichtung hat mit einem jährlichen Defizit von etwa 50.000 Euro zu kämpfen. Wie das ausgeglichen werden soll, wenn das Erbe aufgebraucht ist – darauf hat Maeder keine Antwort. Nur eine Idee: Sie fordert eine Basissicherung, die aus Mitteln der Kreisumlage oder vom Land übernommen werden müsste. „Wir erfüllen mit unserer Arbeit eine öffentliche Aufgabe“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Die Politik sei gefragt, die Existenz der Tierheime zu sichern. Schließlich stehe nicht nur Elmshorn mit dem Rücken zur Wand. Laut des Deutschen Tierschutzbunds steht jede zweite der 32 Einrichtungen in Schleswig-Holstein vor dem Aus.

Doch wie kommt es zu dem hohen Defizit? Die Erklärung ist laut Maeder ganz einfach. Die Kosten für den Aufenthalt werden von den jeweiligen Kommunen übernommen, aus denen die Tiere stammen. Allerdings zahlen die Ordnungsämter lediglich für 28 Tage. Und dies sei das Problem. Denn: „Die durchschnittliche Verweildauer hat sich mittlerweile von 60 auf 90 Tage pro Tier erhöht“, betont die Vorsitzende. Sie hofft, dass sich die Politik möglichst bald mit dem Thema befasst. Ansonsten könnte womöglich nur eine weitere Erbschaft die Einrichtung retten.

Ständige Anspannung

„Wir wissen täglich nicht, was passiert und wie unser Arbeitstag verlaufen wird“, sagt Brigitte Maeder vom Tierheim Elmshorn. Damit meint sie, dass es absolut nicht voraussehbar ist, mit was für Problemen beziehungsweise ob, und wenn ja, mit welchen und mit wie vielen neuen Gästen die Einrichtung an der Justus-von-Liebig-Straße zu rechnen hat. Eine ständige Anspannung kennzeichnet die Arbeitsatmosphäre – und das vor einem Hintergrund, der allein schon für anhaltende Unruhe bei allen 13 Mitarbeitern sorgen dürfte: Jedes zweite der insgesamt 32 Tierheime in Schleswig-Holstein steht mittlerweile vor dem finanziellen Ende. Davor warnt der Deutsche Tierschutzbund.

Auch das Elmshorner Tierheim hat mit einem großen finanziellen Engpass zu kämpfen. Genauer gesagt: Das jährliche Defizit beträgt etwa 50.000 Euro. Durch eine Erbschaft aus dem Jahr 2011 konnte dieses Minus bisher zwar einigermaßen aufgefangen werden, doch neigt sich das daraus resultierende Guthaben zeitnah seinem Ende entgegen.

„Wie es dann weitergehen kann, ist völlig ungewiss“, betont Maeder, die seit sieben Jahren als Vorsitzende des Tierschutzvereins, dem Träger der Einrichtung, aktiv ist. Vieles werde im Tierheim durch den selbstlosen Einsatz zahlreicher freiwilliger Helfer geleistet sowie durch Spenden – vor allem Futterspenden – und einer guten Vernetzung mit anderen Tierheimen.

Finanzielle Stabilisierung des Betriebs dringend erforderlich

Nichtsdestotrotz sei eine finanzielle Stabilisierung des Betriebs mehr als dringend erforderlich. „Wir erfüllen mit unserer Arbeit eine öffentliche Aufgabe, und von daher ist die Politik gefragt, strukturelle Veränderungen zur Sicherung der Existenz der Tierheime herbeizuführen“, so Maeder, die in diesem Zusammenhang beispielsweise eine Basissicherung anregt, die aus Mitteln der Kreisumlage finanziert oder vom Land übernommen werden könnte.

Doch leider seien in dieser Hinsicht keine zeitnahen Lösungen in Sicht. „Wir hoffen also weiterhin auf Erbschaften von Tierfreunden und auf Spenden“, so Maeder. Dies sei unabdingbar, denn es werde auch ein immer größer werdender Bedarf an der Einrichtung Tierheim festgestellt. „Es ist zwar so, dass sich die Zahl der Fundtiere verringert hat – bedingt durch die Markierung mit Chips konnten an die 90 Prozent betroffener Hunde und 20 Prozent betroffener Katzen ihren Haltern wieder zugeführt werden –, dennoch steigen die Kosten“, betont Maeder. Das liege daran, dass die Tiere, die aufgenommen werden, immer mehr aus Sicherstellungen stammen.

„Mehr als ein Drittel der Tiere kommt aus Messi-Haushalten oder aus Wohnungen alter und kranker Menschen, die sich nicht mehr um ihre Tiere kümmern können. Weitere stammen von Haltern, die verstorben sind“, berichtet Maeder. Diese Tiere seien vielfach krank, was mitunter sehr hohe Tierarztkosten sowie einen jeweils längeren Aufenthalt im Tierheim zur Folge habe. „Die durchschnittliche Verweildauer hat sich mittlerweile von 60 auf 90 Tage pro Tier erhöht, allerdings werden nur 28 Tage vom Ordnungsamt übernommen“, erklärt Maeder.

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