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Cyber-Kriminalität : Dem Betrug knapp entgangen

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Anrufer geben sich bei Monika Burgess als Microsoft-Mitarbeiter aus und verlangen Zugriff auf ihren Computer.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 14:00 Uhr

Elmshorn | Der Anruf kam Monika Burgess gleich verdächtig vor: Ein Mann gab vor, für die Firma Microsoft zu arbeiten und erklärte ihr in gebrochenem Englisch, auf ihrem Computer befinde sich ein gefährlicher Virus. „Er hat mit meiner Angst gespielt und sagte, alle meine Daten könnten gelöscht werden, wenn ich nichts unternehme“, erinnert sich Burgess.

Inzwischen weiß die Elmshornerin, was am Anfang nur ein Verdacht war: Bei dem Anruf handelte es sich um einen Betrugsversuch. Sascha Krüger kennt solche Fälle zur Genüge. Bei dem Kriminalkomissar, der im Kreis Pinneberg für Cyberkriminalität zuständig ist, melden sich immer wieder Menschen, bei denen genau die gleiche Masche versucht wurde – oftmals erfolgreich. „Die Täter gehen immer nach dem gleichen Schema vor“, erklärt Krüger. „Ein Anrufer gibt sich in gebrochenem Englisch als Mitarbeiter von Microsoft aus und warnt vor gefährlichen Viren oder vor einer Lizenz, die bald abläuft.“

Nur mit Hilfe eines Fernwartungsprogramms, mit dem der Anrufer Zugriff auf den Computer seines Opfers bekommt, könne das angebliche Problem gelöst werden. „Wenn die Täter die Menschen erst einmal dazu gebracht haben, den Computer anzuschalten und ihnen Zugriff zu gewähren, spiegeln sie ihnen mit ganz einfachen Tricks einen Virus vor“, erklärt Krüger. Beispielsweise öffnen die Täter die Kommandoeingabe und geben händisch ein, auf dem Computer sei ein Virus entdeckt worden. „Auf diese Weise werden weniger computeraffine Nutzer schnell überzeugt“, sagt Krüger.

Ist es erst einmal so weit, bieten die Täter dem Nutzer ein Schutzprogramm zum „Sonderangebot“ an. „Dann wird zum Beispiel eine Lizenz für drei Jahre für 180 Euro angeboten“, so Krüger. „Und wenn die Nutzer dann mit Paypal oder Kreditkarte bezahlen wollen, zieht der Täter gleich eine höhere Summe von ihrem Konto ab.“

Im besten Fall ist es damit erledigt – im schlimmsten Fall nutzen die Täter die Gelegenheit und schleusen einen Trojaner oder eine Verschlüsselung in den Computer ein, der das Gerät unbrauchbar macht, und fordern eine Art Lösegeld.

Täter sind schwer zu ermitteln

Die Täter sind nur schwer zu ermitteln, sagt Krüger. „Wir gehen davon aus, dass sie vom Ausland aus agieren – aber die Geldflüsse sind nicht nachvollziehbar.“ Auch über die Rufnummern kommt die Polizei nicht weiter, denn über bestimmte Programme können die Täter jede beliebige Nummer vorspiegeln.

So war es vermutlich auch bei Monika Burgess. Ihr Anrufer hatte angeblich eine Vorwahl aus dem westfälischen Dülmen. Die Elmshornerin hat glücklicherweise ihr gesunder Menschenverstand vor der Masche des Anrufers geschützt.

„Ich habe von Anfang an nicht daran geglaubt, dass Microsoft direkt bei mir anrufen würde“, sagt Burgess. „Ich wollte immer wieder auflegen, aber dann hatte ich doch Angst, dass meine Daten alle gelöscht werden. Die haben das sehr geschickt gemacht“.

Der Anrufer spürte ihren Widerstand und gab sie irgendwann an seinen Vorgesetzten weiter. Burgess: „Der sprach aber so schlecht deutsch, dass ich seine Aufforderungen nicht verstanden und aufgelegt habe.“

Auflegen ist laut Kommissar Krüger das beste, was die Angerufenen machen können. „Microsoft ruft seine Nutzer niemals an. Da sollte man gleich auflegen und auf keinen Fall dem Anrufer Zugang zum Computer gewähren“, sagt Krüger. „Denn dann kann der Trojaner schon eingeschleust sein.“

Laut Verbraucherzentrale sind im September 2016 bereits mehr als 7500 Menschen deutschlandweit durch die Microsoft-Masche geschädigt worden. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich ungleich höher. Microsoft selbst warnt auf seiner Homepage vor dem Betrugsversuch und bietet ein Formular an, um Betrugsversuche zu melden.

 

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