Das Ziel: Mobilität mit Klimaschutz

Sven Herrmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Elmshorner Rathaus, machte während der Diskussion klar: „Ja, wir wollen den Autoverkehr einschränken.“
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Sven Herrmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Elmshorner Rathaus, machte während der Diskussion klar: „Ja, wir wollen den Autoverkehr einschränken.“

„Verkehrswende für Elmshorn“: Grüne diskutieren mit 60 Bürgern im Elmshorner Rathaus

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15. Juni 2019, 15:27 Uhr

Elmshorn | Eine Express-S-Bahn im Zehnminutentakt mit fünf Haltestellen in Elmshorn: Papenhöe, Gerlingweg, Langenmoor,Elmshorn Süd und dem bestehenden Bahnhof. „Express“, weil die Züge ab Pinneberg durchfahren bis Altona. „Die S-Bahn muss ich erstmal haben“, bremste eine Zuhörerin die Träume von Sven Herrmann, dem Vorsitzenden der Grünen-Fraktion im Elmshorner Rathaus. „Die muss ich erstmal fordern, damit ich sie kriege“, konterte Herrmann.

„Verkehrswende für Elmshorn“, unter diesem Titel hatten die Grünen zur Diskussion in den Kollegiumssaal geladen. Rund 60 Besucher waren am Donnerstag gekommen, und die hörten nicht nur zu, sondern mischten sich munter ein. Bei den wichtigsten Themen, Bahn und Fahrrad, klagten viele ihr Leid, Verbesserungen des aktuellen Zustands scheinen dringend gewünscht zu sein.
Ingrid Nestle, die für die Grünen im Bundestag sitzt, machte ebenfalls Druck: „Die Dinge müssen schneller gehen, als wir dachten, dass sie gehen können.“ Einerseits funktioniere der Verkehr nicht, wie er aktuell organisiert sei. Andererseits erfordere der drohende Klimawandel Gegenmaßnahmen. „Der Verkehrsbereich hat noch nichts gemacht beim Klimaschutz“, das soll sich für Nestle möglichst schnell ändern.

Der Lokalpolitiker Sven Herrmann und der Grüne Bürgermeisterkandidat Tafin Ahsbahs stellten ein Konzept vor, wie Elmshorn die „Riesenchance, Vorbild zu sein,“ nutzen könne. Die grobe Richtung ist klar: „Ja, wir wollen den Autoverkehr einschränken“, stellte Herrmann klar. Parkgebühren, 20er-Zonen und Shared Spaces gehören dazu und mehr Platz für Fahrräder. „Wir würden gern der zentrale Punkt von einem Radschnellwegenetz sein“, betonte Herrmann.


Schnellwege für Fahrräder

Dafür wollen die Grünen das bekannte Veloroutenkonzept schneller umsetzen und zwei innerörtliche Schnellwege anlegen, einen in Nord-Süd- und einen in Ost-West-Ausrichtung. Die sollen nicht an Straßen verlaufen, sondern möglichst durch Parks oder an der Bahntrasse entlang. Bundespolitikerin Nestle machte den Elmshornern Mut: „Wenn diese Infrastruktur da ist, dann merken viele Leute, wie schön das ist.“

Diese Worte müssen vielen Bahn-Passagieren wie Hohn klingen. Züge kommen zu spät oder gar nicht, Waggons sind defekt – die Liste der Beschwerden war nicht nur an diesem Abend lang. Die Nachfrage ist riesig, bei einer Umfrage im Publikum meldeten sich gut zwei Drittel der Zuhörer auf die Frage, wer selbst pendle oder einen Pendler in seiner Familie oder seinem Haushalt habe. Ingrid Nestle machte dafür die Bundespolitik mitverantwortlich, das Berliner Verkehrsministerium bremse die Bahn aus. Sie will größer denken: „Ich bin sicher, dass Deutschland in der Lage ist, einen funktionierenden Bahnverkehr sicher zu stellen.“ Bürgermeisterkandidat Tafin Ahsbahs legte die Ziellatte hoch: „Es geht darum, dass der öffentliche Nahverkehr so toll ist, dass ich da gar nicht drüber nachdenken muss.“


Orte in der Nähe schätzen lernen

Lokalpolitiker Sven Herrmann guckte auch auf die kleinen Brötchen: Wie kann die „heikelste Kreuzung von ganz Elmshorn“, die Badewanne, für Radfahrer entschärft werden – vielleicht mit einer Überführung? Wie kommen Radfahrer gut vom Steindammpark in den Krückaupark über den vierspurigen Mühlendamm – reicht eine Insel in der Straße? Parkplätze für E-Bikes mit Lademöglichkeit, „an sowas ist in Elmshorn noch gar nicht gedacht worden“. Thomas Möller aus Oelixdorf (Kreis Steinburg), Landesvorsitzender des Fahrradclubs ADFC, spannte den Bogen wieder größer: „Verkehrswende bedeutet nicht nur den Wechsel vom Verbrennungs- zum E-Motor.“ Dazu gehöre auch, sein Leben zu ändern und nicht übers Wochenende mit dem Flugzeug zu verreisen, sondern Orte in der Nähe schätzen zu lernen. Eine Radtour mit den Kindern berge schon im Nachbarort Entdeckungen.

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