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Elmshorner Nachrichten

22. November 2017 | 14:13 Uhr

Das Ziel erreicht – ohne Navi nach Hennstedt

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Für Romantik ist in der heutigen Welt des sterilen Plastikfußballs wahrlich kein Platz mehr. Nahezu alles ist berechenbar und selbst in der letzten Bastion des organisierten Geknüppels, in der Kreisklasse, ist nichts mehr vom Zufall beseelt. Na ja, fast nichts.

Also, wenn Sie mich fragen, dann ist mit Erfindung des Navis nämlich ein großes Stück Fußballromantik flöten gegangen. So ist die Auswärtsfahrt im unteren Amateurbereich, wo man zum Kicken ins übernächste Dorf oder zur entlegensten Spielstätte auf der anderen Seite des Landkreises eiert, heute kein großer Aufriss mehr, wenn man mit dem Mädchenkompass selbst den abgelegensten Bolzplatz findet. Ob über Schotterstraßen und auf Spurbahnen zum Spitzenspiel in Bokel („Wenn möglich, bitte wenden!“) oder einmal quer durch Steinburg nach Kleve („Da wollen Sie wirklich hin?“).

Ich kann mich noch bestens an die Auswärtsfahrten während meiner frühen Zeit beim TSV Kollmar erinnern. Man traf sich sonntagmorgens viel zu früh in der Vereinskneipe auf nüchternem Magen, was aber nicht hieß, dass man nicht noch Restalkohol besaß. Während im Schankraum schon längst der Zapfhahn krähte, hockte die Truppe im durch eine Ziehharmonikawand abgetrennten Nebenraum bei schalem Kaffee und starken Marlboros und wurde vom Trainer auf die schwierige Partie im über 50 km entfernten Hennstedt eingeschworen („Der Zehner von denen hat mal höher gespielt!“).

Anschließend verteilte sich das Team auf vier, fünf Autos und knatterte in altersschwachen Kadetts und röhrenden GTIs auf Asphalt in Richtung sonst wo. Abfahrt Kollmar 11:13 Uhr, Anstoß Hennstedt 12:00 Uhr und rechtzeitig auf dem Platz waren wir auch noch. Wie man diese Reise entgegen der Physik und aller geltenden Regeln der Straßenverkehrsordnung schafft, bleibt mir bis heute ein Rätsel. Ich habe von diesen Fahrten selten etwas mitbekommen, hatte ich doch als einziger Nichtraucher von fünf qualmenden PKW-Insassen genug damit zu tun nicht in meine Sporttasche zu brechen, die ich auf den Knien hatte.

Im Spielort angekommen orientierte man sich dann an möglicherweise an weithin sichtbaren Flutlichtmasten oder kurbelte beim ersten einheimischen Gartenzaunrentner, dem man ansichtig wurde, das Seitenfenster runter und fragte nach dem Sportplatz. Zwei Minuten später war man da, weitere drei Minuten stand man auf dem Platz. Aufwärmen wird seit jeher überbewertet. Wir hatten das Ziel erreicht.


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