Geschichte wird lebendig : Das war der Tag des offenen Denkmals in Elmshorn

Turmbesitzer Ludwig Klein führte die Besucher am Tag des offenen Denkmals durch seinen Wasserturm.
Turmbesitzer Ludwig Klein führte die Besucher am Tag des offenen Denkmals durch seinen Wasserturm.

Am Tag des offenen Denkmals ging es in der Kirche St. Nikolai und im Wasserturm um Handwerk und Technik.

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14. September 2015, 10:00 Uhr

Elmshorn | Lange hat Merete Pohl im Elmshorner Flamweg gewohnt und den Wasserturm täglich vor Augen gehabt. Inzwischen ist sie innerhalb der Stadt umgezogen und gestern, am Tag des offenen Denkmals, guckte sie endlich mal in Gegenrichtung: Aus 36 Metern Höhe blickte sie vom Obergeschoss des Wasserturms den Flamweg entlang. Sie nutzte die Gelegenheit, bei einer Führung mit Turmbesitzer Ludwig Klein hochzusteigen und vom Revisionsgang außen am Wasserbehälter durch die Fenster zu gucken.

Sabine Rathke aus Kölln-Reisiek ging es ähnlich: „Man guckt sich in anderen Städten die Kirchen an, zu Hause macht man das nicht.“ Am Sonntag half sie dem Mangel ab, mit ihrem Mann und weiteren sieben Interessenten ließ sie sich von Rosmarie Lehmann die Kirche St. Nikolai zeigen und erklären. Lehmann ist Vorsitzende des Kirchengemeinderats und schwärmte von ihrer „barocken Perle“ mitten in der Stadt. Die hat allerdings einen neogotischen Turm, der erst 1881, 220 Jahre nach dem Wiederaufbau der Kirche, errichtet wurde.

Seit 454 Jahren steht St. Nikolai mitten in Elmshorn, mehr als 200 Jahre lang zog die Kirche wegen ihres fehlenden Turms Spott auf sich, erzählte Lehmann. Der Turm stand noch nicht einmal 30 Jahre lang, da wurden Pläne geschmiedet, das Gotteshaus abzureißen. Aber das Geld für einen Neubau kam nicht zusammen und so wurde stattdessen die Kirche 1913 gründlich saniert, das Gebäude bekam innen und außen ein einheitliches Aussehen, die markanten Malereien auf dem Tonnengewölbe stammen aus dieser Zeit.

Im Verlauf so vieler Jahre musste viel repariert und umgebaut werden – und oft genug müssen unbedachte oder gut gemeinte Eingriffe später korrigiert werden. An einer Stelle mussten die Handwerker bei der laufenden Hausschwamm-Sanierung beispielsweise einen Bitumen-Anstrich entfernen. Der war als Feuchtigkeitssperre gedacht. Das funktionierte auch, zeigte aber fatale Folgen: Zwar konnte keine Feuchtigkeit mehr durchs Mauerwerk in die Kirche eindringen, aber die Feuchtigkeit aus der Kirche konnte auch nicht hinaus. Einer der Gründe, warum in insgesamt vier Bauabschnitten rund eine halbe Million Euro in die Kirche investiert werden muss.

Das Wasser kommt durch die schrägen Mauerfugen

Denkmale haben ihren Reiz, aber auch ihre Tücken, davon wusste auch Ludwig Klein bei einer seiner Führungen 20 Zuhörern zu berichten. Das Innere des Wasserturms wirkt wie ein Schornstein, warme, feuchte Luft wird nach oben gesogen, kondensiert dort am Stahlbehälter – und mit viel Pech regnet es dann drinnen. Wenn es dagegen draußen zu lange regnet, kommt das Wasser durch die schrägen Mauerfugen hinein.

1900 bis 1902 wurde der Turm am Flamweg mit einem 550.000-Liter-Behälter oben drauf gebaut, eine historische Bierflasche aus dem Fundament zeugt bis heute vom Durst der Maurer. 1989 wurde er außer Betrieb genommen, 2003 kauften Ilse und Ludwig Klein den Turm, sie betreiben dort eine Kerzenzieherei und ein Bistro, in 30 Meter Höhe ist ein Trauzimmer eingerichtet. 350.000 Euro hat Klein in die Arbeiten an seinem Turm investiert: „Ein bisschen bekloppt reicht nicht“, charakterisierte er selbst seine Leidenschaft für die alte Technik. Aber zu bereuen hat er offenbar nichts: Ob er das wieder machen würde? „Ja“, sagt er ohne Zögern.

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