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Jubiläumskonzert der Liedertafel : Das Streben nach Perfektion

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Chöre der Liedertafel Elmshorn haben das Publikum beim Jubiläumskonzert im ausverkauften Saalbau begeistert. Lob gab es auch vom Sängerbund Schleswig-Holstein.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2016 | 22:30 Uhr

Elmshorn | Kennen Sie das? Sie kommen aus einem Konzert oder hören zu Hause Ihre Lieblingsmusik, allein oder mit Freunden. Und Sie philosophieren über Musik. Was macht Musik? Was schafft Musik? Und dann denken Sie an Aussagen wie: Musik bewahrt Kultur. Musik verbindet – Menschen, Nationalitäten, Emotionen. Und sie verbindet vor allem Generationen. Diese abstrakten Gedanken nahmen am Sonnabend im Saalbau beim ausverkauften Konzert anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Liedertafel Schleswig-Holstein von 1866 Elmshorn e.V. unter musikalischer Leitung von Susanne Drdack ein klares Bild an.

150 Jahre sind lang. Zunächst als etablierter Männerchor, bahnte sich die Chorgemeinschaft den Weg durch die Zeit. Und auch sie blieb nicht verschont von den einen oder anderen Rückschlägen; zu Gründungszeiten waren es Krieg und politische Unruhen, zu aktuelleren Zeiten das Problem der Nachwuchsgewinnung. Bis 2003, als Bernhard Behnke, dem damaligen Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden der Liedertafel, die rettende Idee kam, Susanne Drdack zu engagieren, die die Liedertafel maßgeblich veränderte und seit Anfang 2007 von dem Atem-, Sprech- und Stimmlehrer Frank Franzke unterstützt wird. So wurde unter anderem aus dem ehemaligen Männerchor ein gemischter Chor, das „ensemble elmshorn“ entstand und glänzt bis  heute auf Wettbewerbsniveau. Kinder- und Jugendchor wurden gegründet und der Volksliedersingkreis unter Leitung von Hella Blöcker ist die größte Gesangsgruppe im Chorverbund.

Kein Wunder, dass bei dieser Bandbreite der Elmshorner Bürgermeister Volker Hatje in seinem Grußwort von der ,,Chorstadt Elmshorn“ und einer Liedertafel, die nicht mehr aus dem Elmshorner Veranstaltungskalender wegzudenken sei, sprach. Der Erste Vorsitzende der Liedertafel, Klaus Dittmer, äußerte sogar die Vermutung, dass Elmshorn vielleicht eine noch größere Konzerthalle bräuchte, damit auch alle in den Genuss der musikalischen Darbietungen der Chöre kommen können. Und er brachte eine ganz wichtige Quintessenz für den Erfolg der Liedertafel mit: die Chorgemeinschaft für jedes Alter, für jeden Anspruch.

Bernd Küpperbusch, Präsident des Sängerbundes Schleswig-Holstein, sieht die Liedertafel als ein musikalisches Zuhause, einen Ort, an dem sich Kultur ihren Weg bahnt. Ja, da sind sich alle einig: Die Urkunde des Deutschen Chorverbandes und die zahlreichen Glückwunsche zum Jubiläum sind absolut verdient.

Carmina Burana als Höhepunkt: Die Liedertafel Elmshorn ließ mit Unterstützung von Profimusikern die Zuhörer in die Welten von Carl Orff eintauchen.
Carmina Burana als Höhepunkt: Die Liedertafel Elmshorn ließ mit Unterstützung von Profimusikern die Zuhörer in die Welten von Carl Orff eintauchen. Foto: Marek
 

Warum alle Elmshorner sich freuen können, eine derartig diverse Chorgemeinschaft in ihrer Stadt beheimatet zu wissen? Das zeigten die Chöre am Sonnabend selbst: Der Kinderchor ließ das Publikum am tierreichen Urwalddschungel teilhaben. Der Jugendchor entführte in den bewegenden „Rhythmus des Lebens“, das „ensemble elmshorn“ ließ mit einer beeindruckenden Umsetzung von ,,The Conversion of Saul“ Raunen und andächtige Stille durch den Saal ziehen. ,,Der Jäger und der Kuckuck“ wurden unter dem gemischten Chor zu einem humoristisch klassischen Arrangement, das zum Schmunzeln anregte und   der Volksliedersingkreis brachte das Publikum zum Klatschen, Schunkeln und Pfeifen.

Klar, da sind sich alle einig, jeder dieser Chöre ist für sich schon großartig. Was sie aber auf die Beine stellen können, wenn fast alle 220 Stimmen zusammengeführt werden, stellte die Chorgemeinschaft in dem großen Werk Carmina Burana von Carl Orff unter Beweis. Ein Werk, das als Hintergrund eine Sammlung mittelalterlicher, mittelhochdeutscher und altfranzösischer Lieder aufweisen kann, unterteilt in drei Teile, die Sujets wie die Natur, Daseinsfreude, Andeutungen eines Schlaraffenlandes und die Liebe in ihren vielfältigen Erscheinungsformen sowie die Schicksalsgöttin Fortuna thematisieren. Mit Unterstützung des Ensemble Elbtonal Percussion (Stephan Krause, Andrej Kauffmann, Jan-Frederick Behrend und Wolfgang Rummel), den Pianisten Jakob Deiml und Manfred Richter sowie den Solisten Hanna Zumsande (Sopran), Mirko Ludwig (Tenor) und Joachim Gebhardt (Bass) ließen die Sängerinnen und Sänger ihre Zuhörer in ebendiese unterschiedlichen Welten der Carmina Burana eintauchen.

Zum Jubiläum traten alle Chöre der Elmshorner Liedertafel gemeinsam auf – ein beeindruckendes Bild.
Zum Jubiläum traten alle Chöre der Elmshorner Liedertafel gemeinsam auf – ein beeindruckendes Bild. Foto: Marek
 

Dabei scheint gerade dieses Werk der großen Chorgemeinschaft wie auf den Leib geschneidert zu sein. Susanne Drdack sagt dazu: „Carmina Burana ist ein Werk, bei dem wirklich jeder mitmachen kann und sich alle unterschiedlichen Niveaus vereinen lassen.“ Die größte Herausforderung sei aber die Zusammenführung der Chöre gewesen. Diese ist aber brillant gemeistert worden, als die Sängerinnen und Sänger in ,,O Fortuna“ Gänsehaut aufkommen ließen, die Männerstimmen das Schlaraffenland besangen, Hanna Zumsande und Joachim Gebhardt mit dem Kinderchor parlierten, und die Pianisten und das Schlagwerk dem Ganzen die letzte Zutat gaben, die diese wundervolle musikalische Atmosphäre durch den Saal ziehen ließ. Eine Atmosphäre aus großartigem Wohlklang, erzeugt von Musikern, die alle in diesem Moment ihr musikalisches Zuhause leben. Man merkt an jeder Stelle, wie gut das einfach funktioniert; jung neben alt, Profi neben Laie, und wie sehr die Musik der Carmina ihren großen Schirm über diese musikalische Gemeinschaft spannt.

Bernd Küpperbusch (l.) überreichte die Urkunde des Deutschen Chorverbandes an Klaus Dittmer.
Bernd Küpperbusch (l.) überreichte die Urkunde des Deutschen Chorverbandes an Klaus Dittmer. Foto: Marek

„Wir sind auch einfach alle befreundet, arbeiten oft zusammen“, sagt die Dirigentin Susanne Drdack dazu. „Wir duzen uns alle, haben einen lockeren Ton und es ist eine sehr familiäre Atmosphäre.“ Locker, ja, auf jeden Fall, das merkt man. Aber trotzdem wird das Streben nach Perfektion nicht außer Acht gelassen. Das sagen auch Kilian Kirchhoff (20) und Helena Hader (15), die im „ensemble elmshorn“ und im Jugendchor singen. Und auch sie sind der Ansicht, dass das Werk von ihrer großen Gemeinschaft lebt: „Obwohl wir alle so unterschiedlich sind, verstehen wir uns wirklich sehr gut, auch wenn wir uns am Anfang erstmal beschnuppern mussten.“

Schön, dass das bravourös gelungen ist. Denn so konnten die Chöre der Liedertafel, zusammen mit ihren musikalischen Gästen, ihre Zuhörer mitnehmen in eine Welt, in der Musik verbindet, nicht nur die Generationen der Chöre, sondern auch die Musiker, ihre Dirigentin und das Publikum. Der große, magische, musikalische Schirm hat sich am Sonnabend wohl über wirklich alle Anwesenden im Saalbau gespannt.

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