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Neues Modell in Elmshorn : Das Krückauwasser aus Klarlack

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das Industriemuseum hat für seine neue Dauerausstellung ein Modell des Elmshorner Hafens bekommen

Elmshorn | Es ist eine Szene, wie sie sich im Jahr 1910 im Elmshorner Hafen hätte abspielen können: Auf der Krückau kommt gerade der Schlepper „Elmshorn III“ mit zwei Schuten an. Der Ewer „Meta“ hat bereits angelegt. An Bord steht ein Mann vor einem Sack voller Getreide und beobachtet kritisch, wie ein Arbeiter immer mehr Körner aus dem Laderaum des Schiffes hineinschaufelt. Währenddessen transportiert ein Pferdefuhrwerk bereits die fertigen Säcke in Richtung der Getreidemühlen ab.

Die neu gestaltete Dauerausstellung im ersten Obergeschoss des Industriemuseums wird am 13. März eröffnet. Darin dreht sich alles um die Bedeutung Elmshorns als Industriestandort um 1910. Finanziert wird der Umbau durch städtische Mittel und Zuwendungen des Fördervereins, der Sparkasse und der Firma Fielmann.

„Die Hafenwäger haben zum Abwiegen des Getreides spezielle Gerüste auf den Schiffen aufgebaut. Erst wenn ein Sack mindestens einen Zentner gewogen hat, wurde er vernäht, verplombt und verladen“, erklärt Bärbel Böhnke das Geschehen. Die Leiterin des Industriemuseums kann den Prozess in Zukunft ihren Besuchern direkt im Hafen zeigen – wenn auch nur im Maßstab 1:87. Nach rund zwei Monaten Arbeit hat der Modellbauer Olaf Krabbenhöft ein Diorama des Elmshorner Hafens im Jahr 1910 fertiggestellt. Auf einer Fläche von 150 mal 40 Zentimetern ist der Hafen in seiner Hochzeit zu sehen, als er noch drittgrößter Umschlagsplatz im deutschen Reich war. 2301 Schiffe verkehrten allein im Jahr 1910 in Elmshorn und schlugen 274.286 Tonnen Ladung um.

Das Modell besteht aus handelsüblichen Dämmplatten aus dem Baumarkt, aus Kunstharz, Holz, Messing, Garn, Lack und Farbe. Einige Figuren und Fahrzeuge hat Modellbauer Krabbenhöft fertig gekauft und anschließend mit zusätzlichen Details und anderer Farbgebung verfeinert, wie die Pferdefuhrwerke oder die Ewer. Andere Bestandteile, wie die Schlepper, gibt es als Bausatz nicht im Handel. „Da habe ich das Modell eines Rheinkahns umgebaut und vervielfältigt“, erzählt Krabbenhöft.

Die eingerollten Segel auf den Ewern hat er aus in Holzleim getränkten Papiertaschentüchern hergestellt, beim Krückauwasser handelt es sich um Wandspachtelmasse und viele Schichten Klarlack. Der studierte Gesundheitswissenschaftler baut privat bereits seit seinem siebten Lebensjahr Modelle. 2008 hat er sich damit selbstständig gemacht. „Es macht sehr viel Spaß, lange vergangene Welten im Modell wieder zum Leben zu erwecken“, sagt Krabbenhöft.

Plastisches Vorstellen

Die Modell-Maße sind originalgetreu. Auf diese Weise können sich die Besucher ganz plastisch vorstellen, warum zum Beispiel Anfang des 20. Jahrhunderts so viele Beschwerden von den Schiffsführern aufliefen. „Es war sehr kompliziert, auf der schmalen Krückau zu rangieren“, erzählt Bärbel Böhnke. „Da gab es oft Ärger, wer zuerst in den Hafen einfahren durfte.“

Das Modell, das die Fielmann AG für eine vierstellige Summe gespendet hat, ist Teil der neuen Dauerausstellung im Industriemuseum. Dafür wird das erste Obergeschoss seit September komplett umgebaut und unter anderem mit Multimedia-Stationen und einer neuen Beleuchtung ausgestattet.

Das Diorama wird vor einer deckenhohen Fotografie des Hafens aus dem Jahr 1910 platziert und umringt sein von einem Schottkarren, Getreidesäcken und anderen Exponaten aus dem Hafen um das Jahr 1910. „Details kann man auf diesem alten Foto, das wir stark vergrößern mussten, allerdings nur schlecht erkennen“, sagt Böhnke. „Für Details haben wir jetzt das Modell.“

Böhnke und ihr Team erhoffen sich von der Umgestaltung und Modernisierung des ersten Obergeschosses mehr Besucher – vor allem in Hinblick auf die aktuelle politische Diskussion über die Kosten des Museums (wir berichteten). „In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat der Schwerpunkt unserer Arbeit auf der Modernisierung der 25 Jahre alten Ausstellung gelegen. Einige Bereiche mussten wir deshalb zeitweise auch schließen“, sagt Böhnke. „Dieser Prozess ist im März abgeschlossen. Dann können wir uns wieder auf andere Aspekte unserer Arbeit konzentrieren.“

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erstellt am 17.Feb.2016 | 17:00 Uhr

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