"Das ist kapitalistisches Gehabe"

Die drei Hochhäuser am Holstenring gehörten bis vor einer Woche Adlershorst - jetzt einer Immobilien-AG mit Sitz in Erlangen.  Foto: Meyer
Die drei Hochhäuser am Holstenring gehörten bis vor einer Woche Adlershorst - jetzt einer Immobilien-AG mit Sitz in Erlangen. Foto: Meyer

Nach dem Verkauf der Adlershorst-Wohnungen befürchten die Bewohner steigende Mieten / Vorstand: "Wir wollten keine Heuschrecke"

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07. Februar 2013, 10:47 Uhr

Barmstedt | Ja, sie wisse es, sagt die Frau. Und, nein, begeistert sei sie nicht. "Aber was soll man machen? Man muss es halt nehmen, wie es ist." Dann verschwindet sie im Treppenhaus. In einem der Hochhäuser am Holstenring, die die Adlershorst Baugenossenschaft zum 31. Januar an die Zentral Immobilien Boden (ZIB) AG mit Sitz in Erlangen verkauft hat (wir berichteten). Wie alle weiteren Objekte in Barmstedt: Außer den drei Hochhäusern besaß Adlershorst Wohnblöcke am Krütz-, Weid- und Jittkamp mit insgesamt 271 Wohnungen.

Die meist langjährigen Mieter sehen den Eigentümerwechsel mit Sorge. "Die meisten rechnen mit einer Mieterhöhung", sagte ein Bewohner des Weidkamp. Sein Nachbar Jens Hansen (Name geändert) befürchtet das Gleiche: "Irgendwann wird sie kommen." Er regt sich noch über etwas anderes auf. "Wir wurden erst am Montag über den Verkauf informiert." Als er im vorigen Jahr bei Adlershorst angerufen habe, um nachzufragen, was es mit den Gerüchten über einen Verkauf auf sich habe, sei er sogar angelogen worden. ",Da ist nichts dran, haben sie mir gesagt." Auch die Begründung für den Verkauf - das Unternehmen brauche Kapital - will Hansen nicht glauben. "Die standen immer glänzend da. Das ist doch kapitalistisches Gehabe."

Besonders kritisch sei der Verkauf vor dem Hintergrund zu sehen, dass es viele ältere Mieter betreffe, so Hansen. "Es ist herzlos von Adlershorst, mit alten Leuten so umzugehen." Er befürchte aber: "Das wird geschluckt." Was solle man auch machen, sagt ein älterer Nachbar. "Es hat ja doch alles keinen Sinn." Selbst, wenn Adlershorst sie eher über den geplanten Verkauf informiert hätte - die Suche nach einer neuen Wohnung wäre schwierig gewesen, meint er. "Wo sollen wir denn hin?" Zumal die Kaltmieten günstig sind: fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter kosten die Wohnungen im Durchschnitt.

Adlershorst-Vorstand Uwe Wirries erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, die Entscheidung sei der Geschäftsführung "sehr, sehr schwergefallen". Sie sei aber unumgänglich gewesen, da Neubauten und energetische Sanierungen an anderen Standorten - etwa Wedel, Elmshorn und Quickborn - finanziert werden müssten. Für die betroffenen Barmstedter werde sich aber vorerst nichts ändern, betonte Wirries. "Ihre Mietverträge bleiben bestehen." Erhöhungen in der Zukunft seien zwar nicht auszuschließen, "aber nur im gesetzlich zulässigen Rahmen - und die hätten wir dann auch vornehmen können". Mit der ZBI habe Adlershorst zudem versucht, einen Käufer zu finden, "der eben keine Heuschrecke ist, sondern die Objekte langfristig hält". Das sei ihnen auch versichert worden, so Wirries.

"Uns war außerdem wichtig, dass unser Hausmeister bleibt, damit die Mieter ihren Ansprechpartner behalten", sagte Wirries. Auch die übrigen Verwalteraufgaben werden von der Adlershorst-Tochtergesellschaft übernommen. "Die sitzen einfach näher dran." Direkte Reaktionen von Mietern auf den Verkauf habe er bisher nicht erhalten, sagte Wirries. "Es wird sicher Menschen geben, denen das nicht gefällt. Dazu kann ich nur sagen, dass wir uns viele Gedanken gemacht und versucht haben, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass alle damit leben können. Aber Alternativen zu einem Verkauf gab es einfach nicht."

Alle weiteren Immobilien im Kreis Pinneberg werde Adlershorst behalten, sagte Wirries. "Der Schnitt in Barmstedt reicht. Mehr wollen wir nicht." Der Pressesprecher der ZIB war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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