Mit Kommentar : Das ist der Durchbruch bei den Knechtschen Hallen

Zur Podiumsdiskussion in dem Zirkuszelt vor den Knechtschen Hallen waren etwa 200 Besucher gekommen.

Zur Podiumsdiskussion in dem Zirkuszelt vor den Knechtschen Hallen waren etwa 200 Besucher gekommen.

Das Gebäude an der Schloßstraße soll geöffnet werden. Eigentümer und Bürgermeister geben Bekenntnis zum Erhalt der Hallen.

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20. April 2018, 14:30 Uhr

Elmshorn | Aufbruch statt Stillstand: Die Industriebrache Knechtsche Hallen wird wieder mit Leben gefüllt. Im Erdgeschoss in dem Gebäude an der Schloßstraße sollen in Zukunft Veranstaltungen stattfinden. Eigentümer Frank Sachau will dieses Vorhaben unterstützen. „Ich freue  mich, wenn das klappt“, sagte der Chef von Teppich-Kibek. Zudem gaben Sachau, Bürgermeister Volker Hatje und Andreas Hahn (CDU) als Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung am Mittwochabend ein klares Bekenntnis zum Erhalt der historischen Hallen ab.

„Kann Elmshorn Knechtsche Hallen“: Der Freundeskreis Knechtsche Hallen und die Elmshorner Nachrichten hatten gemeinsam zur Podiumsdiskussion eingeladen – und mehr als 200 Besucher strömten in das eigens aufgebaute Zelt im Kranhausgarten. Viele verließen es zwei Stunden später mit dem Gefühl, dass Bewegung in die seit Jahren festgefahrene Situation gekommen ist.

Sachlich, fair und manchmal auch kontrovers: EN-Redakteur Knuth Penaranda (Dritter von rechts) leitete die Podiumsdiskussion.
Cornelia Sprenger
Sachlich, fair und manchmal auch kontrovers: EN-Redakteur Knuth Penaranda (Dritter von rechts) leitete die Podiumsdiskussion.
 

Die unter Denkmalschutz stehenden Hallen – hier war früher das Teppich-Kibek-Lager untergebracht – stehen seit zwölf Jahren leer, verfallen mehr und mehr.  Ein Verkauf an die Stadt oder Investoren ist bisher gescheitert. Ein auch  wirtschaftlich tragfähiges Nutzungskonzept liegt nicht auf dem Tisch. „Bis zu 15 Millionen Euro müssten in die Hallen investiert werden“, zeigte  Hatje die finanziellen Dimensionen des Mammut-Projektes auf. Die Planungen für die Hallen sehen Wohnen, Gewerbe, Gastronomie und Kultur vor. „Sie  können zum Kreativzentrum des neuen Quartiers werden“, sagte Jens Jähne, der Vorsitzende des Freundeskreises.

Das Abwarten hat ein Ende. Für das Erdgeschoss sollen jetzt Zwischennutzungen gefunden werden. „Wir können sofort loslegen, wenn uns keine bürokratischen Hürden in den Weg gestellt werden“, versprach Jähne. Für den Bremer Stadtplaner Thomas Lecke-Lapotta genau der richtige Weg für eine Initialzündung. „Die Hallen sind ein städtebauliches Schatzkästchen.“

Auch viele junge Elmshorner sorgen sich um die Zukunft der Knechtschen Hallen.
Cornelia Sprenger
Auch viele junge Elmshorner sorgen sich um die Zukunft der Knechtschen Hallen.
 

Die Veranstaltung: Zusätzliche Stühle werden geholt. Die Elmshorner stehen bis in die Zelteingänge dicht gedrängt. Es ist heiß, ein bisschen stickig. Eine gewisse Spannung liegt in der Luft, als EN-Moderator Knuth Penaranda seine erste Frage an Frank Sachau richtet. Was sagt der Teppich-Kibek-Chef, der Eigentümer der gewaltigen Industriebrache, die mitten im Herzen des Sanierungsgebietes Krückau/Vormstegen das Bild prägt, zur Zukunft seiner Immobilie. Sachau, die Hemdsärmel hochgekrempelt, ist sichtlich froh, sich auf diesem Podium, in diesem Zelt, öffentlich äußern zu können. „Die Arbeit des Freundeskreis Knechtsche Hallen verdient höchsten Respekt, und sie wird von Erfolg gekrönt sein. Wir werden eine sinnvolle Nutzung finden, so dass die historischen Gebäude erhalten werden können.“ Spontaner Beifall. „Will der sich jetzt als Retter der Hallen aufspielen“, zischt eine Besucherin in der dritten Reihe. Sachau überrascht – positiv. „Uns sitzt die Zeit im Nacken, wenn wir die Gebäude noch retten wollen“, sagt Sachau. Zweimal betonte er, dass hinter den Kulissen kein Millionen-Poker stattgefunden habe.

Zwischennutzung: Dieses Wort wird zum Ankerpunkt, an dem sich alle Verantwortlichen festhalten können. Sachau würde dem Freundeskreis „das ganze Haus geben“, wenn die Genehmigungsfragen geklärt seien. Eine Belebung der Knechtschen Hallen sei in seinem Interesse. Bürgermeister Volker Hatje sichert zu, Lösungen zu finden, wenn die Ideen für Veranstaltungen auf dem Tisch liegen. „Aber auch für eine Zwischennutzung werden Investitionen nötig sein“, sagte Hatje.

Endlich wieder Leben in den Knechtschen Hallen: Das ist genau das, was sich Jens Jähne, Vorsitzender des Freundeskreises wünscht. „Ich will nicht in einer Retorten-Innenstadt leben. Sie muss unverwechselbar sein. Wir müssen der industriellen Geschichte Elmshorns Rechnung tragen.“ Die Begeisterung des Bremer Stadtplaners Thomas Lecke-Lopotta wirkt regelrecht ansteckend. „Von der Entwicklung der Hallen kann ein Impuls für ganz Elmshorn ausgehen.“ Mittelstädte mit Kreativität und Urbanität würden Menschen und Unternehmen anlocken.

Auch noch wichtig:

Zwischennutzung

Sie stehen Gewehr bei Fuß. Gleich mehrere Jugendliche sind bereit, sich in den Knechtschen Hallen zu engagieren. Sie wollen dort in Eigenregie einen Jugendtreff einrichten. Den Eigentümer Frank Sachau haben sie aufgefordert, nicht noch Monate zu warten, sondern ganz schnell zu handeln.

Seehofer geht vor

Er fehlte, weil er etwas zu dem wichtigen Punkt Finanzen sagen sollte. Der Projektentwickler und Investor Bertram Schultze musste kurz vor Beginn der Veranstaltung absagen. Horst Seehofer  (CSU), Deutschlands Innen- und Heimatminister, war dann – leider – doch wichtiger als Elmshorn. Schultze sollte gestern Seehofer ein Projekt präsentieren.

Viele gute Beispiele

Die Industriebrache als Chance für eine attraktive Entwicklung. Gute Beispiele gibt es genug. In Kiel, in Leipzig, in Nürnberg – und auch in New York, wie Grünen-Chefin Silke Pahl erzählte.

Elmshorner Blondes heiß begehrt

 Lutz Dinklage und Thomas Pollum mussten  ordentlich ran. Angesichts der sommerlichen Temperaturen war  die Getränkenachfrage bei  Elmshorns Bierbrauern groß. Besonders gut ging ihr selbst kreiertes „Elmshorner Blondes mit Mütze“. Diese original Elmshorner Bierspezialität war am Ende sogar ausverkauft. Na dann, Prost!

Da tut sich was

Wer über die Knechtschen Hallen spricht, denkt auch immer ans Kranhaus, das seit über einem Jahr gesperrt ist. Natürlich gab es Nachfragen aus dem Publikum. Die Antworten von Volker Hatje und Jens Jähne waren ausweichend, aber vielsagend. Da tut sich was.

Pralle Informationen

Stellwände, Fotos, Modelle – die Mitglieder des Vereins Freundeskreis Knechtsche Hallen präsentierten im Zelt eine spannende und informative Ausstellung und standen den Bürgen Rede und Antwort. 

Moment des Abends

Schlagfertig, mutig, charmant: EN-Redakteur Knuth Peñaranda führte souverän durch den Abend. Frank Sachau nahm er sich einmal besonders zur Brust: „Herr Sachau, sie leben doch so gern in Elmshorn. Tun sie doch mal was für Elmshorn.“ Der Beifall wurde nur noch vom Lachen des Publikums übertroffen. Der Kaufmann Sachau nahm’s gelassen – und lachte mit. 

 

Bei aller Euphorie wurde aber auch klar, dass in der Vergangenheit längst nicht alles glatt gelaufen ist zwischen Stadt und Eigentümer. Erst habe die Stadt kaufen wollen, dann wieder nicht, jetzt wieder ja. Andreas Hahn (CDU) machte deutlich, dass Sachau auch an einen Investor verkaufen oder in die Hallen selbst investieren könnte. „Aber einen großflächigen Einzelhandel schließt das Einzelhandelsgutachten dort aus.“ Das war bisher eine Option für eine wirtschaftliche Nutzung. Fakt ist auch: Den Verkaufspreis der Gebäude hat der Gutachterausschuss des Kreises festgelegt, da es sich um ein Sanierungsbebiet handelt. Hahn: „Da gibt es keinen Verhandlungsspielraum.“

Klar wurde auch, dass die klassische Investorensuche schwierig ist. Fünf Ineressenten hatte Sachau präsentiert – ohne Erfolg. „Die Bedingungen sind zu schwierig, um eine schwarze Null zu schreiben“, sagt der Teppich-Kibek-Chef. Auch Hatje hatte einen Investor aus Hamburg an der Hand – und hat ihn wieder verloren. „Die baulichen Herausforderungen sind immens. Um wirtschaftlich zu sein, hätten wir die Hallen für Null Euro übergeben müssen.“

Die Finanzierung: Jähne fragt ins Publikum, wer sich mit Geld am Erhalt der Hallen beteiligen würde. Viel Hände gehen in die Höhe.

Den Verfall stoppen

Kommentar von Christian Brameshuber

Elmshorn kann Knechtsche Hallen – wenn alle Verantwortlichen endlich auch ihrer  Verantwortung gerecht werden. Eigentümer, Politik, Verwaltung und  den Freundeskreis eint doch das Ziel, die Knechtschen Hallen als industrielles Kulturerbe der Stadt Elmshorn zumindest in großen Teilen zu erhalten – und zukunftsfähig zu  gestalten. Wenn das nicht nur Lippenbekenntnisse  im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit sind, dann muss jetzt etwas passieren. Denn den millionenschweren Super-Investor mit dem Super-Konzept wird niemand aus dem Hut zaubern. Deshalb muss vor allem eins erreicht werden: den weiteren Verfall  der Hallen zu stoppen, bevor es zu spät ist. Die Halle 3 kann in kleinen Schritten revitalisiert werden. Es gibt schon Vorschläge. Es  gibt  schon Menschen, die anpacken wollen. Dafür braucht es aber auch Geld. Eigentümer Frank Sachau  hält sich bei diesem  Punkt – noch – sehr bedeckt. Finanzielle Zusicherungen gibt er nicht. Am Ende ist die entscheidende Frage, was die Knechtschen Hallen den Elmshorner Bürgern wirklich wert sind. Über  das von Jähne  ins Spiel gebrachte Genossenschaftsmodell könnte das großartige ehrenamtliche Engagement des Freundeskreises für die Knechtschen Hallen auch finanziell neue Optionen eröffnen. Die Idee von einem Kreativ-, Kultur- und Kommunikationszentrum in den alten Hallen ist quicklebendig.

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