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Elmshorner Nachrichten

19. September 2017 | 15:30 Uhr

Das hässliche Entlein

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Hanseraumkonferenz Bei der Eröffnung geht es um die Region als Wirtschaftsraum und Identität

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2017 | 15:15 Uhr

Für den modernen, heimatentwachsenen, hochgradig technisierten Menschen gibt es vielleicht kein romantischeres Bild vom bodenständigen Leben, als den umherstreifenden Ureinwohner, der seine Heimat kennt, schätzt und schützt. Darum ist es auch keine Überraschung, dass der Bürgermeister von Elmshorn in einer Veranstaltung, in der es um Identität mit der Region geht, folgende Metapher benutzt: „Ich bin ein halber Aborigine. Ich bin nie groß rumgekommen, außer beruflich. Ich habe mein ganzes Leben in dieser Stadt verbracht.“

Hatje (parteilos) spricht in St. Nikolai vor einer fast vollen Kirche zu Wirtschaftsjunioren aus fünf norddeutschen Bundesländern, die in diesen Tagen ihre Hanseraumkonferenz (Hako) in den Kreisen Pinneberg und Steinburg abhalten. Die Vereinigung der Wirtschaftsjunioren besteht aus jungen Unternehmensleitern und Führungskräften unter 40 Jahren. Identifikation mit der Region und Heimatliebe stehen im Fokus der Konferenzeröffnung und nehmen auch in den Grußworten zahlreicher Redner einen großen Platz ein. Jörg Orlemann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Kiel, spricht auch über Elmshorn und den geplanten Stadtumbau. Die Stadt habe nicht den Ruf besonders pittoresk zu sein, „sie ist allenfalls das hässliche Entlein, das sich aufmacht, ein schöner Schwan zu werden.“ Eine Ode an das Land brachte auch die Poetry Slammerin Mona Harry (Foto) mit ihrer Liebeserklärung an den Norden auf die Bühne. „Wir lieben die Kontraste, sogar unsere Kühe sind schwarz-weiß“, sagt sie.

Im besonderen steht aber die Region als Wirtschaftsraum im Zentrum der Veranstaltung. Davon handelt auch die Podiumsdiskussion, an der neben Hatje und Orlemann auch der Glückstädter Matjeshersteller Henning Plotz teilnimmt. Moderiert wurde die Diskussion von dem Fernsehjournalisten Heiner Bremer und hatte die Westerweiterung der Autobahn 20 zum Thema.

Bislang habe sich die Region eher an Hamburg orientiert, doch in Zukunft werde der Blick nach Norden wichtiger für die Stadt Elmshorn, sagt Bürgermeister Hatje. Die Erweiterung der A20 heißt der Bürgermeister darum gut. Auch Plotz sieht der Autobahn positiv entgegen. „Ich glaube, für meinen Matjes wird das nicht sehr relevant. Aber der Bau ist wichtig für die Region.“ So werde die verbesserte Infrastruktur dazu führen, dass sich mehr Betriebe ansiedeln, die wiederum Arbeitsplätze schaffen und Menschen anziehen. Alle Diskutanten auf dem Podium sind sich einig, dass die A20 die Region stärken würde. Warum der Bau in den vergangenen Jahren nicht weitergeführt wurde, erklärt IHK-Chef Orlemann. Schuld sei die ehemalige Landesregierung. „Die haben nämlich in den Koalitionsvertrag geschrieben, dass sie die A20 nicht bauen wollen. Das haben sie geschafft.“ „Und die Quittung dafür bekommen“, kommentiert Bremer. Ob die genauen Pläne und die Relevanz für die Region im Bundesverkehrsministerium angekommen seien, fragt Bremer gegen Ende der Diskussion: „Herr Orlemann, sind sie sicher, dass Herr Dobrindt das weiß?“ „Also sein Staatssekretär weiß das.“ „Dann wollen wir hoffen, dass er das weiß und nicht immer alle Zuschläge nur nach Bayern gehen.“

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