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Elmshorner Nachrichten

22. November 2017 | 06:38 Uhr

Das frühe Licht der reichen Leute

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Neu im Industriemuseum Elmshorn: Ein gut 100 Jahre alter Empire Kronleuchter für den Salon des Fabrikanten Junge

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2014 | 16:00 Uhr

An die 30 000 Exponate aus
der Elmshorner Vergangenheit werden in den Ausstellungsräumen und den Magazinen des Industriemuseums verwahrt. Die EN stellen in einer Serie jeden Monat ein Objekt vor.

Seit wenigen Wochen erstrahlt im Industriemuseum das Salonzimmer der Elmshorner Fabrikantenfamilie Junge in neuem Glanz. Nach der Renovierung des kompletten Salons erhielt das Ensemble nach langer Zeit endlich den entsprechenden Empire Kronleuchter, das Objekt des Monats April.


Eine der reichsten Familien Elmshorns


Die Familie Junge ist eine alteingesessene Brauerfamilie Elmshorns, die schon von 1800 an über viel Geld und Besitz verfügt und im Laufe der Industrialisierung um 1900 als reichste Familie in Elmshorn und Umgebung gilt.

Michel Junge M.S. übernimmt 1799 die Brauerei seines Vaters am Alten Markt und gründet 1816 auf dem Firmengelände die erste „Ölfabrik“ Elmshorns. In der Mühle werden Pflanzenöle, Ölkuchen zur Viehfütterung, Seifen und Fette hergestellt. Zunächst ist der Betrieb noch mit einem Holzhandel gekoppelt, der aber später eingestellt wird.

Bereits 1816 zählt Michel Junge M.S. mit seiner Familie zur gehobenen Schicht der Elmshorner Bürger. Zu dieser Zeit sind seine finanziellen Verhältnisse so gut, dass er sich an dem Kauf und der Ausstattung des Wal- und Robbenfängerschiffes „Flora“ beteiligen kann.

Um 1840 besitzt die Familie mehrere Gebäude und Grundstücke, zum Beispiel das Gebiet der heutigen Kirchen-, Gärtner- und Lornsenstraße sowie viele Weideparzellen in Elmshorn und Umgebung. So gelingt es Junge auch 1842 die Ölmühle als einen der ersten Betriebe in Elmshorn auf Dampfmaschinenantrieb umzustellen.

1910 wird Georg Junge, der Enkel von Michael Junge M.S., Alleininhaber des Betriebs. Georg Junge erbaut 1890 in der Schulstraße eine repräsentative Villa. Dort wohnt Junge mit seiner Frau und seinen vier Kindern. Eines der Kinder ist Walter Junge, der als letzter Firmenchef gilt.

Die Firma geht 1931 in Konkurs und wird von der Genossenschaftsmühle aufgekauft. Walter Junge bezieht 1920 in der Burdiekstraße 7 eine Villa, wo er einen aufwendigen Lebensstil mit einem größeren Stamm an Dienstpersonal führt und sich mit dem Ankauf alter Möbel aus den Jahren 1830 einen repräsentativ wirkenden Salon schafft.


Lichtjahre-Berlin und Förderverein helfen


Heute zeigt das Industriemuseum dieses Ensemble samt Gemälde und Harmonium im zweiten Obergeschoss. Einzig der Kronleuchter wurde nicht überliefert. Dennoch ließ sich mit Hilfe der Experten von Lichtjahre-Berlin antiquarisch der zum Ensemble passende Leuchter auffinden. Das historische, gut 1000 Euro teure Exponat konnte vom Museum mit Hilfe des Fördervereins angeschafft werden.

Dieser Leuchter, im Empire-II-Stil (Napoleon III.) wurde nach 1890 erbaut und war bereits von Beginn an elektrifiziert. Das Material ist Bronze, naturgold, gereinigt und mit einem „vernis dór“ nach altem Rezept von 1750 überzogen. Der Leuchter präsentiert sich mit klassischer Empirekrone, verziertem Bronzering und acht bronzenen Armen mit elektrischen Kerzen im Ensemble.

Am oberen Ende des Leuchters ist das Hörnchen mit den geschwungenen Armen, welches die acht Kristalle trägt. Zwischen den vier tragenden Bronzeketten befinden sich ovale Kristallsteine im Behang, die als Schmuckelement aber auch der Lichtbrechung dienen. Den unteren Abschluss bestimmt die schwarze Schale mit goldener Bronzeverzierung im Empirestil und die Beere.

Das Industriemuseum öffnet am morgigen Tag der Arbeit (1. Mai) die Türen. Der Junge-Salon sowie die direkt angrenzende Welt des Arbeiterwohnens und der Arbeiterkultur können von 14 bis 19 Uhr besichtigt werden. Außerdem bietet die Sonderausstellung „Stadtgemüse – vom Bauerngarten zur essbaren Stadt“ Einblicke in die historische Entwicklung und Veränderungen des Nutzgartens in der Stadt bis hin zum urbanen Gärtnern.

www.industriemuseum-elmshorn.de

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