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Elmshorner Nachrichten

22. Oktober 2017 | 07:36 Uhr

Das faszinierende Spiel der Könige

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

SchachDas Spiel erfreut sich seit Jahrhunderten großer Beliebtheit/ Auch in Elmshorn ist die Szene gut vertreten

„Gegeben sei ein leeres Schachbrett. Gibt es eine Zugfolge, mit der der Springer alle (schwarzen und weißen) Felder des Brettes genau einmal besucht?“

Bereits im 9. Jahrhundert tauchte diese Problematik in einem Sanskrit-Gedicht auf und sollte die nächsten tausend Jahre zahlreiche Mathematiker beschäftigen. Und auch wenn es sich bei dem sogenannten „Springerproblem“ vielmehr um ein Problem der Graphentheorie handelt, macht es dennoch deutlich wie komplex sich die Figuren und Züge innerhalb eines Schachspiels verhalten können. Von der Komplexität des Schachs kann Thorsten Noldt ein Lied singen.

Der erste Vorsitzende des Elmshorner Schachclubs, den es schon seit 120 Jahren gibt, sieht die Kunst des jahrhundertalten Spiels in dem räumlichen Vorstellungsvermögen und Denkmustern. Trotz der komplexen Spielmöglichkeiten hafte dem Schach aber ein staubiges Image an, wie Noldt glaubt. „Viele Leute stellen sich beim Schach immer zwei ältere Herren vor; der eine mit einem Glas Wein, der andere mit einer Pfeife in der Hand.“

Dass dem in der Realität nicht (immer) so ist, beweisen die Mitglieder und Spieler des Elmshorner Schachclubs. Die erste Mannschaft ist sogar gerade in die Landesliga aufgestiegen, die vierthöchste Klasse in Deutschland, auf die nur noch die Oberliga und die beiden Bundesligen folgen.

Und dabei sind Schachwettkämpfe auf der einen Seite dem physischen Sport sehr ähnlich, unterscheiden sich aber dennoch völlig von ihm. Das Tempo ist in jedem Fall langsamer - insgesamt hat bei einer Wettkampfpartie jeder Spieler zwei Stunden Bedenkzeit für 40 Züge, das macht summa summarum mindestens vier Stunden höchste Konzentration, ein Spiel kann aber auch mal bis zu sechs Stunden dauern und geht bis tief in die Nacht hinein. Und trotz der vermeintlich nicht vorhandenen Bewegung nehmen Schachspieler in ihren Wettkampfphasen immer einige Kilos ab, so Noldt. Dies sieht er in der enormen Konzentrationsfähigkeit begründet, die den Spielern abverlangt wird: Einmal nicht aufgepasst kann im Schach heißen, dass die ganze Partie verloren ist. Denn entgegen der Annahme, ein guter Schachspieler kann hunderte Züge vorausdenken, stünden viel mehr Strategien und Muster im Vordergrund.

Doch was macht nun einen guten Schachspieler wie zum Beispiel den seit 2013 amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen aus? „In erster Linie ist es wichtig, sich als Spieler die feinsten Merkmale einer jeden Stellung zu behalten und diese dann im Spiel wiederzuerkennen“, erklärt Noldt. Und dies würde wiederum auch erklären, warum Kinder meistens sehr gut und sehr schnell im Schach sind, da das kindliche Gehirn noch viel mehr in Mustern denke, als das erwachsene. Vielleicht sind aus diesem Grund auch viele junge Mitglieder im Verein, trotz des „‚Alteherrenspiels“. Zusätzlich wurde mit einem Förderprogramm eine reine Frauenschachgruppe gegründet. Doch beim Wettkampf spielen oft Mann gegen Frau, alt gegen jung. „Jeder kann Schach spielen“, beteuert Torsten Noldt, denn eigentlich sei Schach doch „mathematisch“, die Grundzüge simpel. Das finge schon bei den Figuren an, die alle einen Wert haben. Vor allem sind es aber wohl die Möglichkeiten an Zügen und Algorithmen, die hinter dem Spiel stehen. Und genau dadurch ist es wohl keinem Spieler dieser Welt möglich, den Schachcomputer zu besiegen.

Hinzukommend macht der Computer dem Schachclub wohl große Konkurrenz. Denn durch zahlreiche Selbstlern-Programme, Internetschach und Onlinevernetzung mit anderen Spielern, besteht natürlich auch die Möglichkeit, allein zu Hause zu spielen, viele zögen dies dem Gesicht-zu-Gesicht-Spiel im Verein vor. Aber entgegen der allgemeinen Meinung ist das alte Spiel nicht nur ein stilles Vergnügen, sondern bei internen Turnieren geht es ganz schön turbulent einher. In jedem Fall zeigt es, dass Schach weitaus weniger kompliziert ist, als viele Menschen denken. Und für Torsten Noldt die Möglichkeit mit jeder neuen Herausforderung seinen Horizont zu erweitern.

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