Das dicke Ende kommt noch

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01. Oktober 2009, 11:33 Uhr

Hamburg/Kiel | Der Wirtschafts- und Finanzkrise zum Trotz ist die Zahl der Arbeitslosen in Hamburg zurückgegangen. Im September waren 2,3 Prozent oder 1800 Menschen weniger ohne Job als im Monat davor. Die Auswirkungen der Krise zeigten sich dagegen im Jahresvergleich: Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich um 10,5 Prozent auf 78 800, die Quote stieg von 7,9 auf 8,6 Prozent. Das teilte die Agentur für Arbeit gestern mit.

"Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise ist die typische Herbstbelebung in Hamburg nicht ausgeblieben", sagte der Chef der Regionaldirektion, Jürgen Goecke. Auerdem gab es mehr Arbeitsplätze als vor einem Jahr: Den Zahlen zufolge hatten im Juli 807 600 Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Job. Das sind 1,2 Prozent oder 9400 mehr als im September 2008. Besonders im Gesundheits- und Sozialwesen und bei den wirtschaftlichen Dienstleistungen entstanden Arbeitsplätze. Vor allem in der Zeitarbeitsbranche fielen jedoch Jobs weg.

Ein weiterer Krisen-Indikator sei der Rückgang der gemeldeten offenen Stellen, sagte Goecke. Seit Jahresbeginn sei die Zahl um ein Viertel auf 37 800 gesunken.

Auch in Schleswig-Holstein ist die Zahl der Arbeitslosen im September im Vergleich zum Vormonat um 5400 auf aktuell 106 900 zurückgegangen. Die Quote erhöhte sich im Jahresvergleich allerdings von 7,2 auf 7,5 Prozent. Laut Goecke ist die Wirtschaft im Norden durch die mittelständische Struktur, den Branchenmix und die geringere Exportabhängigkeit weniger anfällig für Krisen als andere Regionen. So stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten überdurchschnittlich stark, und zwar im Juli um 0,3 Prozent auf 814 700. Neue Jobs entstanden etwa in Erziehung und Umwelt, im Gesundheits- und Sozialwesen und im Gastgewerbe.

Peter Harry Carstensen zeigte sich erfreut. "Der Zuwachs von qualifizierten Jobs ist vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise ein echter Lichtblick." Der Ministerpräsident warnte allerdings davor, die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise für den schleswig-holsteinischen Arbeitsmarkt zu unterschätzen. Man müsse damit rechnen, dass die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresende deutlich steigen werde.

Das sieht auch die Bundesagentur für Arbeit so: Im Januar und Februar 2010 wird die Zahl der Arbeitslosen kräftig steigen. Wegen der Mehrkosten einer stark steigenden Arbeitslosenquote hat die Bundesagentur in einem Schreiben an Kanzlerin Merkel Staatshilfen in Milliardenhöhe gefordert.

Die Bürger sind von einer Trendwende nicht überzeugt. Laut der "Allianz Zuversichtsstudie" wird die Arbeitsmarktentwicklung düster eingeschätzt. Nur vier Prozent (Vorjahr: 29 Prozent) der Norddeutschen zeigen sich optimistisch. Und die Wirtschaftslage schätzen nur noch 22 Prozent positiv ein. Im Vorjahr waren es noch 38 Prozent.

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