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Kreis Pinneberg : Das Butterbrot war immer Trend

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Deutsche sind beim Konsum europaweit Spitze, wollen aber die Inhaltsstoffe kennen. Fallverhalten beschäftigt sogar Wissenschaftler.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | „Jetzt hören Sie genau hin“, fordert Jörn Dwenger. Der Bäckermeister setzt das Brotmesser an seinem aktuellen Lieblingsbrot „Rustico“ – einem dunklen Weizenbrot – an und schneidet die erste Scheibe herunter. Man hört deutlich das Knacken der dicken Kruste. Zwei Stunden hat das Brot im Ofen verbracht. Außen kross, innen saftig und weich. „Butter und ein wenig Meersalz dazu, dann ist es das perfekte Butterbrot für mich“, erklärt Dwenger, der mit seiner Frau Bettina in fünf Filialen in Pinneberg Backwaren verkauft.

Von 1999 bis 2008 veranstaltete die mittlerweile aufgelöste Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) den „Tag des Deutschen Butterbrotes“ – immer am letzten Freitag im September. Heute wird er inoffiziell von einigen Bäckereien weitergeführt.

Dwenger, stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung Nord, kennt die Bedeutung des Butterbrots: „Nichts ist vernünftiger als ein gesundes Frühstück mit Brot.“ Von der süßen Milchschnitte rät er deutlich ab.

Das sieht man auch in vielen Schulen im Kreis so. An der Moorwegschule in Wedel wurden bei der Einschulung Bio-Brotboxen an die Schüler verteilt. „Diese werden auch jetzt noch täglich genutzt“, weiß Schulleiterin Sabine Foßhag. In den meisten Fällen darin vorzufinden: Obst, Gemüse und ein Butterbrot. „In dieser Klasse ist es wirklich toll. Alle haben Butterbrote mit Käse oder Wurst und viel Obst dabei“, freut sich Heike Kampmann, Mathematiklehrerin der Klasse 1e an der Moorwegschule. Belegt seien die Brote zumeist klassisch – mit Wurst und Käse. So handhabe sie es auch bei ihrer Tochter, der sie jeden Tag ein Brot mit zur Schule gebe. Doch nicht nur der Inhalt der Brotboxen sei wichtig: „Die Kinder haben auch Lust, das zu essen.“

Das Interesse an guter und gesunder Ernährung ist auch bei Dwenger ein Thema. „Man kann Kinder sehr einfach für eine gute Ernährung begeistern“, ist sich der Bäckermeister sicher. Seine Mitarbeiterin Stephanie Bornholdt nickt zustimmend und ergänzt: „Mit Tricks und Farbe.“ Vor wenigen Tagen hat sie selbst ein Butterbrot kreiert: Schwarzbrot, Salat, Tomate, Ei, Pute oder Salami. „Das wäre natürlich auch komplett vegetarisch möglich“, so die Bäckereifachverkäuferin. Dwengers 17-jähriger Sohn Merlin nahm die neue Kreation mit in die Schule, wo die Begeisterung groß gewesen sei.

„In den Schulen hat sich in der Hinsicht schon viel getan, aber die Angebote müssen auch an die Kinder und Jugendlichen angepasst sein“, so Dwenger. Besonders beliebt als klassische Stulle sei im Kreis ein Mischbrot aus 50 Prozent Roggen und 50 Prozent Weizen – angeschoben gebacken. Durch die spezielle Backweise habe das Brot oben und unten eine Kruse, sei aber innen und an den Seiten weich. „Viele Kinder haben heute keine Lust mehr zu kauen“, weiß Dwenger. Eine Folge des Fastfoodkonsums.

Einen Trend zum Butterbrot kann Heinz Essel, Geschäftsführer des Landesinnungsverband Schleswig-Holstein der Bäcker- und Konditoreninnung, nicht erkennen: „Wenn man so will ist der Trend, dass die Verkaufszahlen bei Broten sehr konstant bleiben.“ Die Stulle war nie in oder out. Er spricht von 62 Kilogramm Brot und Backwaren, die pro Jahr und Haushalt konsumiert werden. „Das sind natürlich alles nur Schätzungen“, sagt der Geschäftsführer. Sehr konservative. Der Verband Deutscher Mühlen geht für das Jahr 2013 von einem Pro-Kopf-Verbrauch von 82 Kilogramm aus. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) sogar von 85 Kilogramm pro Jahr und Bundesbürger. In einem sind sich die Studien einig: Deutschland ist in der EU Spitzenreiter. Und auch weltweit in den Top 5. Dort liegen laut Euromonitor Algerien mit 169,80 und die Türkei mit 157,40 Kilogramm Brot- und Backwaren pro Einwohner und Jahr (Stand November 2012) ganz vorne.

„Über 90 Prozent der Bundesbürger essen täglich Brot- und Backwaren“, berichtet Essel. Besonders in Familien, in denen gemeinsam zu Abend gegessen werde, spiele Brot eine wichtige Rolle. Dabei seien die Verbraucher aber auch immer kritischer. „Gesunde, vegetarische oder vegane Ernährung gewinnen immer mehr an Bedeutung“, sagt Essel und ergänzt: „Die Bevölkerung will daher auch genau wissen, was im Brot drin ist.“ Nicht nur hinsichtlich Allergenen.

Doch beschäftigen nicht nur Inhaltsstoffe, sondern auch das Fallverhalten der Butterbrote die Wissenschaft – oder Pseudowissenschaftler. „Warum fällt das Brot immer auf die Marmeladenseite“, fragen sich nicht nur Kinder. Das Österreichische Wissenschaftskabarett „Science Busters“ und die amerikanische Fernsehserie „Mythbusters“ nahmen sich der Frage an und stellten fest: Es stimmt. Fallen die Brotscheiben vom Tisch, drehen sie sich um 180 Grad und landen häufiger auf der Seite mit Marmelade, Honig oder Butter. Ließ man die Scheiben aus gleicher Höhe hochkant fallen, lag das Ergebnis bei 50:50. Bei einer Fallhöhe von acht Metern ebenso.

Aber das ist reine Physik und schließlich geht es beim Butterbrot um den Geschmack. Guten Appetit.

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