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Das aktuelle Anregungspotenzial des Philosophen Karl Marx

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Elmshorner Gesprächsabend bei Reinhard Ueberhorst / Marx-Forscher Michael Quante zu Gast / Thema soll weiter diskutiert werden

Wieder einmal ging es auf einem Elmshorner Gesprächsabend darum, im suchenden Gespräch zu erkunden, welche aktuell nützlichen Anregungen wir aus den Werken eines großen Philosophen gewinnen können. So arm der gegenwärtige Politikbetrieb an langfristigen Leitbildern und Orientierungen ist, so wichtig sei es laut Reinhard Ueberhorst, das Bewusstsein für diese Defizite zu befördern und darüber nachzudenken, wie sie beseitigt werden könnten. Dafür habe es sich – so der Planer der Gesprächsabende – immer wieder als sehr produktiv erwiesen, nach dem aktuellen Anregungspotenzial großer Philosophen zu fragen.

Erstmals dabei war diesmal der renommierte Philosoph Michael Quante aus Münster. Von 2012 bis 2014 war Quante Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie. 2014 erhielt er den erstmals verliehenen Deutschen Preis für Philosophie und Sozialethik, die höchstdotierte Auszeichnung im deutschsprachigen Raum, die von einer privaten Stiftung in den Geisteswissenschaften verliehen wird. Reinhard Ueberhorst hatte den Münsteraner Philosophen zu diesem Gesprächsabend eingeladen, weil es diesmal um den deutschen Philosophen Karl Marx gehen sollte.


Ein ausgewiesener Marxforscher


Quante ist ein ausgewiesener Marxforscher. Zuletzt hat er 2015 ein umfangreiches Marx-Handbuch herausgegeben. 2009 sind in der Suhrkamp Studienbibliothek die Ökonomisch-philosophischen Manuskripte von Karl Marx erschienen – mit einem ausführlichen, zweihundertseitigen Kommentar von Michael Quante. Diesen Text des jungen, 26-jährigen Marx, der 1932 erstmals veröffentlicht wurde, sollten alle für das Gespräch gelesen haben. Marx formuliert in ihm seine philosophische Anthropologie, sein Verständnis des freien sozialen Menschen und sein Verständnis entfremdeter Arbeit. Die Aktualität dieser Gedanken sollte diskutiert werden. Dafür waren sie zuerst einmal zu verstehen. Im Kontext des Werks von Marx, das durch den Marxismus-Leninismus im 20. Jahrhundert auf das Gröbste zu einer freiheitsfeindlichen Doktrin verfälscht wurde.

Extra für diesen Elmshorner Gesprächsabend hatte Quante – den ganzen Marx in den Blick nehmend – zwölf sehr gedankenreiche Thesen zur Aktualität der Philosophie von Karl Marx formuliert. Die Thesen führten zu vielen Nachfragen und Erläuterungen. Die Aktualität der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx liegt für Quante in ihrem philosophischen, nicht in einem einzelwissenschaftlichen (zum Beispiel volkswirtschaftlichen oder gesellschaftswissenschaftlichen) Charakter.

Um ein aktuelles Anregungspotenzial eines verstorbenen Philosophen erkennen zu können, sollen nach dem Konzept der Gesprächsabende Kenntnisse seiner Kerngedanken und ein aktueller Anregungsbedarf für den Umgang mit aktuellen politischen Herausforderungen zusammengeführt werden. Mit der philosophischen Anthropologie von Karl Marx wollte Ueberhorst insbesondere aktuelle Herausforderungen im Raum unseres Wirtschaftssystems diskutiert sehen. Die neuseeländische Politikwissenschaftlerin Patricia Springborg – sie promovierte in Oxford bei dem großen polnischen Marxforscher Kolakowski über ein Marx-Thema – arbeitete heraus, warum wir das mit den kreativen Leistungen des Philosophen Karl Marx könnten. „He is a genius“, er habe Begriffe und Kategorien geschaffen, die Gespräche ermöglichten, deren Themen wir sonst nicht konturieren könnten.

Ein solches Gespräch, so Ueberhorst, wäre heute eine Diskussion über „Rechte aus Arbeit“ und die Demokratisierung der Wirtschaft. 2016 ist das Jubiläumsjahr „40 Jahre Mitbestimmungsgesetz“. Im Raum stehe damit das Thema „Zukunft und Weiterentwicklung der Mitbestimmung“. Die Koalitionspartner der aktuellen Bundesregierung haben dieses Thema in ihrem Koalitionsvertrag mit keinem Wort aufgenommen. Ist es damit kein aktuelles politisches Thema? Oder nur (so Ueberhorsts These) ein ohne gute Gründe verkanntes, weil das orientierende Menschenbild fehlt und in der Folge nicht erkannt wird, welche Reformaufgaben mit dem Wissen anstehen, dass Freiheit ohne das Bestreben, Entfremdung zu minimieren, nicht zu erreichen ist?


Vier Stunden wurde diskutiert


Fast vier Stunden wurde in der größeren Gruppe und anschließend in kleineren, wechselnden Formationen diskutiert. Ueberhorst kündigte weitere Gesprächsabende zur Aktualität der philosophischen Anthropologie von Karl Marx an. Dieses erste Gespräch habe viele Erkenntnisse befördert.

Auch Professor Quante bekundete nach dem Gesprächsabend, aus der Diskussion „viel mitgenommen“ zu haben. Wer mehr zum Thema und Verlauf dieses Gesprächsabends erfahren möchte, kann per E-Mail Informationen anfordern: ueberhorst.beratungsbuero@t-online.de.

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