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Kinderbetreuung : Das 60-Prozent-Versprechen: Elmshorn will ein Zeichen setzen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

In Elmshorn müssen fünf neue Kitas gebaut werden, um den Bedarf zu decken. Vor allem Krippenplätze fehlen.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 14:00 Uhr

Elmshorn | Eine Kindertagesstätte, in der nur Krippenkinder betreut werden – und zwar 60 an der Zahl. Ein leises Raunen geht durch den Raum. Und das ist noch die bessere Variante, die Amtsleiterin Heike Rosemann dem Jugendausschuss an diesem Abend im Awo-Stromhaus präsentiert. In Variante zwei sind es sogar drei reine Krippen-Kitas, die neu gebaut werden müssten – mit jeweils 60 Plätzen. Nicht wenige Politiker schütteln ein wenig ungläubig die Köpfe. Das will niemand.

Die Stadt Elmshorn wollte im November 2014 ein Zeichen setzen. Krippe: Die Politik hatte einstimmig beschlossen, dass bis zum Jahr 2020 60 Prozent der Kinder von ein bis drei Jahren einen Platz in einer Kita oder in der Tagespflege erhalten sollen. Der Kita-Anteil soll bei über 50 Prozent liegen. Für zwei Prozent der Kinder, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sollen Plätze angeboten werden. Elementar: 100 Prozent der Dreijährigen sollen bis zu ihrem Wechsel in die Schule einen Kita- oder Tagespflegeplatz erhalten. 97 Prozent der Kinder sollen in Kitas betreut werden.

Das 60-Prozent-Versprechen: Bis 2020 soll für 60 Prozent der Jungen und Mädchen unter drei Jahren ein Betreuungsplatz angeboten werden. Im Elementarbereich für 100 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen. Ein Beschluss und seine Folgen: Rosemann hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass es „realistisch betrachtet nicht mehr leistbar ist, die fehlenden Plätze im Zeitplan zu schaffen“, vor allem im Krippenbereich. 693 Krippenplätze inklusive Tagesmütterbetreuung muss die Stadt liefern. Dazu noch 1658 Elementarplätze. Sie macht, plant, baut – und trotzdem werden 2019 immer noch 254 Krippen- und 135 Elementarplätze fehlen, um den eigenen Beschluss zu erfüllen.

Die Zahl der Kinder ist laut Rosemann in Elmshorn relativ stabil. Am 31. Dezember 2016 gab es in der Stadt 1658 Jungen und Mädchen im Alter von drei bis sechs Jahren, 1115 Kinder zwischen einem und drei Jahren und 480 Kinder unter einem Jahr. Für insgesamt 2361 Jungen und Mädchen muss Rosemann einen Betreuungsplatz vorhalten. Die Folge: Fünf Kindertagesstätten müssen neu geschaffen werden. So die eher ernüchternde Erkenntnis aus Rosemanns Bestandsaufnahme. Es fehlt an Personal, an geeigneten Grundstücken und nicht zuletzt auch am Geld. „Vom Land kommt zu wenig Geld in den Kommunen an“, hatte Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje schon vor Wochen kritisiert. Durch das Fördertöpfe-Wirrwarr blicken nur noch Experten durch. Elmshorn hofft, dass die Kita-Finanzierung in Schleswig-Holstein auf ganz neue Beine gestellt wird.

 

Elmshorn ist eine wachsende Stadt. Familienfreundlichkeit, Beruf und Kinder unter den berühmten Hut bekommen – für Stadtrat Dirk Moritz geht es bei diesem wichtigen Thema schlicht um die „Zukunftsfähigkeit der Stadt“. Im Streit mit der Kieler Kommunalaufsicht um die Höhe der Kredite kämpfte die Verwaltung um jeden Euro, um wichtige Kita-Bauvorhaben nicht streichen zu müssen. Keine Frage: Im Bereich der Kinderbetreuung möchte die Stadt kreisweit Maßstäbe setzen. Für die kleine Nachbargemeinde Raa-Besenbek plant Elmshorn gleich mit – 15 Betreuungsplätze sollen zur Verfügung gestellt werden. 50 Elmshorner Kita-Kinder sind in auswärtigen Einrichtungen untergebracht.

22 Kitas gibt es in Elmshorn. Zwölf Träger haben die Verantwortung. Sie müssen mitziehen, wenn die ehrgeizigen Ziele erreicht werden sollen. Rosemann muss verhandeln. Denn in den Bestandskitas müssen Elementargruppen in Krippengruppen umgewandelt werden. Zudem sollen die Hortplätze für Grundschulkinder in den Kitas komplett wegfallen. Sie werden in Kita-Plätze umgewandelt. Die Schüler werden nur noch in den Schulen betreut. So lautet der Masterplan und nur so ist es möglich, mehr als eine reine Krippen-Kita in der Stadt zu vermeiden. Die wird wohl kommen müssen, wenn die die Stadt ihr 60-Prozent-Versprechen am Ende auch erfüllen möchte.

Bundesweit wurden im Krippenbereich zum Stichtag 1. März 2016 insgesamt 719.558 Kinder betreut. Die Betreuungsquote lag bei 32,7 Prozent. In Ostdeutschland ist die Quote mit 51,8 Prozent fast doppelt so hoch wie in Westdeutschland mit 28,1 Prozent. Unter den Westdeutschen Flächenländern hat Schleswig-Holstein mit 30,9 Prozent die höchste Betreuungsquote.

 

Die Betreuung von Jungen und Mädchen unter drei Jahren: Die Stadt Elmshorn hat seit dem Jahr 2012 insgesamt 70 neue Krippenplätze geschaffen. 30 sind in der Kita Hedwig-Kreuzfeld-Weg, zehn in der Kita Hasenbusch, zehn in der Kita Rethfelder Ring und 20in der Kita Ansgarstraße entstanden. Bis Ende dieses Jahres sollen gleich mehrere Bauvorhaben abgeschlossen werden. In dem Neubau der Kita  Fritz-Reuter-Straße gibt es 20 neue Krippenplätze, ebenso in der Kita Käthe-Mensing-Straße. Aus  großen Teilen der Paul-Dohrmann-Schule wird Elmshorns erste Bewegungs-Kita. Der Betrieb soll 2019 starten. Hier entstehen 70 Elementarplätze für Kinder von drei  bis sechs Jahren und 35 Krippenplätze. Die Stadt sucht zurzeit einen Träger für die Einrichtung. Bereits 2018 sollen jeweils fünf zusätzliche Krippenplätze in den Kitas Memeler Straße und Stoppelhopser eingerichtet werden.     

Jugendamt: Ein Jahr vorher anmelden

Nein, dramatisch ist die Knappheit der Kita-Plätze in Elmshorn derzeit nicht, sagt Jugendamtsleiterin Heike Rosemann. Zumindest nicht dramatischer als sonst. Derzeit fehlen 285 Elementar- und 339 Krippenplätze„Es gab in den vergangenen Jahren aber immer verzweifelte Eltern, die zu uns gekommen sind, weil sie keinen Betreuungsplatz gefunden haben“, sagt Rosemann. „Wir bemühen uns nach Kräften, allen zu helfen.“ Oft vermittelt ihr Amt dann mit Hilfe der Familienbildungsstätte einen Platz bei einer Tagesmutter oder einen Kita-Platz in einer anderen Gemeinde.

Die Stadt hat sich an die veränderten Zeiten angepasst. In immer mehr Familien wollen oder müssen beide Elternteile früh wieder arbeiten gehen. „2012 hatten wir noch überwiegend 4-Stunden-Plätze in den Kitas“, sagt Rosemann. „Inzwischen sind es meistens 6-Stunden-Plätze oder sogar Vollzeitplätze.“

Derzeit ist der Bedarf deutlich höher als Plätze vorhanden sind. Rosemann empfiehlt Eltern, sich nach Möglichkeit ein Jahr vor dem geplanten Kita-Beginn anzumelden. „Das Kind muss aber geboren sein“, sagt sie. Die Hauptanmeldezeit für Kitas ist von Januar bis März. Aber auch jetzt trudeln noch für diesen Sommer Anmeldungen ein. Große Chancen haben diese Eltern nicht auf einen Kita-Platz. Wer jetzt einen Betreuungsplatz  sucht, sollte sich bei der Familienbildungsstätte und beim Jugendamt melden.

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