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Bis zu 8000 Fahrzeuge pro Tag : Clean Car plant Millionen-Investition am Firmensitz in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das Unternehmen betreibt 26 Autowaschanlagen in ganz Norddeutschland. Jetzt soll in Elmshorn investiert werden.

Elmshon | Wenn die Leute zum ersten Mal draußen im T-Shirt unterwegs sind, dann herrscht in Sven Eggerts Waschstraßen Betrieb. Trocken, nicht zu kalt, nicht zu windig, das ist das optimale Wetter für Eisdiele oder Biergarten – oder zum Autowaschen. Im Schnitt acht Mal pro Jahr wird das deutsche Auto gesäubert. Dass Papa sonnabends die Familienkarosse von Hand putzt, gehört der Vergangenheit an und ist normalerweise aus Umweltgründen auch gar nicht erlaubt. Also geht es zur Tankstelle; oder in einen von Sven Eggerts Betrieben: Er ist Geschäftsführer der Clean Car GmbH und Co. KG. Das Elmshorner Unternehmen betreibt in Norddeutschland 26 Autowaschstraßen.

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Bei Regen fährt kaum jemand in die Waschstraße. Das führt dazu, dass in den Clean-Car-Waschstraßen an einem ruhigen Tag 800 Fahrzeuge gewaschen werden, bei gutem Wetter können es dann 8000 werden. Insgesamt reinigten die mehr als 200 Clean-Car-Mitarbeiter – davon 90 fest in Vollzeit Angestellte – im vergangenen Jahr rund eine Million Autos. Die langen Durststrecken bei schlechtem Wetter, der große Kapitalbedarf und die hohen Ansprüche an Technik und Chemie: Diesen Herausforderungen begegnet Clean Car, indem die Elmshorner alle Waschstraßen selbst betreiben. „Wir planen sehr langfristig, das ist wichtiger als Gewinnmaximierung“, sagt Sven Eggert. Er rechnet bei einer neuen Waschstraße damit, dass sie im Einzelfall bis zu fünf Jahre braucht, ehe sie die Planzahlen erreicht. Früher verpachtete Clean Car auch Waschstraßen, aber das habe sich nicht bewährt: „Wartung und Reparatur bleiben auf der Strecke“, und damit sei die Sicherheit gefährdet, erklärt der Geschäftsführer.

Gegründet wurde das Unternehmen 1990 in Ostholstein von Eggerts Vater Jörn gemeinsam mit einem Partner. Der Partner ist nicht mehr im Unternehmen, 2000 zog Clean Car nach Elmshorn und befindet sich heute vollständig im Eggertschen Familienbesitz.

Durch eine Waschstraße wird das Auto hindurchgezogen, eine Portalwaschanlage fährt am Auto entlang vor und zurück.
Durch eine Waschstraße wird das Auto hindurchgezogen, eine Portalwaschanlage fährt am Auto entlang vor und zurück. Foto: Roolfs
 

Jörn Eggert kam aus dem Tankstellen-Geschäft und war fasziniert von den amerikanischen Waschstraßen. Der Unterschied zur Waschanlage an der Tankstelle: Dort steht meistens eine Portalwaschanlage, die am Auto entlang vor und zurück fährt. Das spart zwar Platz, dauert aber inklusive Vorwäsche bis zu eine Viertelstunde lang. Bei einer Waschstraße wird das Auto per Förderband zwischen den Bürsten und Düsen hindurchgezogen, da werden viel mehr Fahrzeuge pro Stunde sauber.

Nachteil ist der Platzbedarf: 2000 bis 3000 Quadratmeter braucht Sven Eggert für eine Anlage. Fläche ist knapp in den Städten, und eine Autowaschstraße steht bei Lokalpolitikern nicht unbedingt oben auf der Wunschliste für Gewerbe. Darum ist die Expansion nicht so einfach. Sven Eggerts Bruder Helge unterstützt den Geschäftsführer bei der Suche nach geeigneten Standorten. Trotzdem: An Norderstedt zum Beispiel beißen sich Eggert und andere Waschstraßenbetreiber seit Jahren die Zähne aus, dort ist bislang keine Fläche zu bekommen.

Sechs Jahre dauerte es, bis Clean Car jetzt in Wedel einen Standort fand und die erforderlichen Genehmigungen bekam. In diesem oder im nächsten Jahr soll dort Clean-Car-Waschstraße Nummer 29 eröffnet werden; vorher stehen noch eine dritte Anlage in Hamburg auf dem Plan, eine Neueröffnung in Reinfeld und ein Neubau am alten Standort in Elmshorn in der Marie-Curie-Straße 2. Zwei bis drei Neubauten pro Jahr, dieses Tempo will Sven Eggert halten. Mit einem Umsatz von elf Millionen Euro leitet er heute schon eins der fünf größten Unternehmen im Markt.

Staubsaugerplätze unter einem Dach gehören zum modernen Autowaschstraßen-Konzept.
Staubsaugerplätze unter einem Dach gehören zum modernen Autowaschstraßen-Konzept. Foto: Roolfs

Als Revier hat Eggert das Gebiet zwischen Flensburg und Hannover im Visier: „Je dichter das Netz ist und je näher, desto schöner und intensiver ist die Betreuung“, findet Eggert. Zur Unternehmensphilosophie gehört das Arbeiten mit eigenem Personal; die Mitarbeiter reinigen alle Autos vor und kümmern sich „nach unseren Vorgaben“ um die Kunden.

Am geplanten Neubau am Standort Elmshorn, in den rund 1,5 Millionen Euro fließen sollen, zeigt sich, dass „Convenience“ – englisch für „Bequemlichkeit“ – inzwischen auch zum Autowaschen gehört. Die Anlage wird so gebaut, dass die Einfahrt in die Waschstraße selbst gerade erfolgt und keine engen Kurven absolviert werden müssen. Hell und freundlich soll es zugehen. Die Staubsauger stehen bei modernen Anlagen unter einem Dach, in Elmshorn werden sie sogar in einer Halle untergebracht. Fußmattenwäscher stehen parat: nass für Gummimatten, trocken für Textilmatten. Mit Druckluft kann Feuchtigkeit oder Staub aus Ritzen gepustet werden.

460 Liter Wasser werden benötigt, um ein Auto sauber zu machen. 80 Prozent davon wird bei Clean Car in unterirdischen Absetzbecken soweit gereinigt, dass es wieder benutzt werden kann. Aber allein 12 Liter bleiben am Auto in den Radläufen und Ritzen haften. Technischer Fortschritt bremst den Verbrauch von Ressourcen: Mit LED-Lampen, modernem Wachs, das weniger erwärmt werden muss, und anderen Maßnahmen sparen Waschstraßen gegenüber früher Strom. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach gehört heute zum Standard.

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erstellt am 01.Apr.2016 | 12:15 Uhr

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