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Kampf um einen Tarifvertrag : Bundesweite Protestaktion trifft auch Amazon in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Mitarbeiter und Gewerkschaft Verdi kämpfen um einen Tarifvertrag. Sorgen um Standort und Arbeitsplätze an der Max-Planck-Straße.

shz.de von
erstellt am 25.Jun.2015 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Mehrere Mitarbeiter legten am Mittwoch die Arbeit nieder. Sie beteiligten sich damit an bundesweiten Aktionen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die Beschäftigten kämpfen um einen Tarifvertrag. Speziell in Elmshorn geht es auch um den Erhalt der rund 70 Arbeitsplätze. Denn Gewerkschaft und Mitarbeiter befürchten, dass der Versandhändler Amazon den Standort an der Max-Planck-Straße in Elmshorn schließt.

Gestern Morgen demonstrierten die Gewerkschaftsmitglieder vor dem Gebäude, in dem Amazon seinen Sitz hat. Die Mitarbeitern fordern einen Tarifvertrag: „Sie verlangen, verlässliche und gute Arbeitsbedingungen und wollen nicht mehr der Willkür eines Arbeitgebers ausgeliefert sein. Das ist ihr gutes Recht“ sagte Stefanie Nutzenberger. Das Verdi-Bundesvorstandsmitglied verwies darauf, dass Amazon in Leipzig vor einiger Zeit willkürlich entschieden habe, statt 29 nur noch 28 Tage Urlaub zu gewähren.

„Mit verbindlichen Regelungen, wie sie ein Tarifvertrag vorweist, wären solche eigenmächtigen Entscheidungen von Amazon nicht möglich“, so Nutzenberger. Außerdem hätten die Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel garantierte Ansprüche auf 30 Tage Urlaub. „Das zeigt erneut, wie wichtig es ist, dass die Be-schäftigten den Schutz besserer Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge erhalten“, erklärte die Gewerkschaftsvertreterin.

Das Unternehmen hatte die Forderungen der Gewerkschaft bislang abgelehnt und darauf verwiesen, dass sich die Bezahlung der Mitarbeiter am oberen Bereich der Logistikbranche orientiere. Der Durchschnittslohn liege über 10 Euro, hatte eine Sprecherin gesagt. Schon im zweiten Jahr der Beschäftigung könnten die Mitarbeiter bei Amazon einschließlich Zusatzleistung auf einen Monatslohn von 2300 Euro kommen.

Nicht gerade repräsentativ: Lediglich der Briefkasten weist auf den Amazon beziehungsweise Love-Film- Standort hin. (Foto: Pflaumbaum)
Nicht gerade repräsentativ: Lediglich der Briefkasten weist auf den Amazon beziehungsweise Love-Film- Standort hin. (Foto: Pflaumbaum)
 

Bei Amazon in Elmshorn geht es allerdings um mehr, um den Erhalt der Arbeitsplätze, wie Verdi-Bezirksgeschäftsführer Ralf Schwittay sagte. Beschäftigte und Gewerkschafter befürchten, dass Amazon den Standort schließt, da die Aufträge zurückgingen. „Die Verdienstmöglichkeiten durch Amazon, ehemals Love-Film, sind immer noch gut und gegeben“, erklärte die zuständige Gewerkschaftssekretärin Nora Münstermann.

Der Streik bei Amazon ist eingebettet in die aktuellen, regional geführten Entgelt-Tarifverhandlungen für den Großhandel und Einzelhandel. Amazon, so Verdi, trage dort maßgeblich zum Verdrängungswettbewerb bei.

Die Tarifverhandlungen im Groß- und Einzelhandel finden seit dem 1. April statt. Die zweite Tarifverhandlungsrunde begann gestern. Auch heute wurde deshalb der Elmshorner Amazon-Standort bestreikt.

In Elmshorn gehört der ehemalige Online-Verleiher von Film DVD und Blurays, Lovefilm, zu Amazon. Der Hauptsitz von Lovefilm befand sich in London, die deutsche Zentrale bei der Münchner Amazon.de GmbH. Der Versand der Datenträger wurde durch ein Versand-Zentrum in Elmshorn ausgeführt. Am 26. Februar 2014 wurde Lovefilm mit dem Amazon-Prime-Angebot zu Amazon Instant Video verschmolzen.

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