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Elmshorner Hafenspange : Brückenschlag mit Geschichte

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Plan für die Hochbrücke ist dem Autoboom der frühen 60er-Jahre geschuldet. Die Stadt drohte schon damals, an einer Blechlawine zu ersticken.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2013 | 16:00 Uhr

Die neue Hafenspange mit ihrer Klappbrücke ist ein weiteres städtebauliches Symbol der automobilen Gesellschaft in Elmshorn – und zugleich ein zartes Zeichen für eine langsame Abkehr vom Primat des Autos. Denn die erste Idee war es – auch wegen des noch regen Schiffsverkehrs – eine mindestens 18 Meter hohe und vierspurige Krückauquerung zwischen der Kruck und Köhnholz oder zwischen dem Flamweg und der Westerstraße durch die Flussniederungen zu bauen. Ein Bauwerk, wie es etwas kleiner in Pinneberg über die dortige Au entstanden ist.

Der Plan einer breiten Hochbrücke stammt noch aus den Anfängen des Autobooms in den frühen 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Er ist vor 50 Jahren sogar im damaligen Generalverkehrsplan der Stadt Elmshorn aufgenommen worden. Aus diesem Werk sind im Laufe der Zeit viele Elmshorner Straßenbauprojekte – zuletzt die 1982 eingeweihte Ost-West-Brücke über die Bahnstrecke – verwirklicht worden. Bei der großen Krückauquerung blieb es bei den Plänen.

Mit dem Generalverkehrsplan von 1964 sollte dem stetig steigenden Verkehrsaufkommen entsprochen werden, denn damals mussten sich alle Autos zwischen Norden und Süden durch die Innenstadt, um die St. Nikolai-Kirche herum sowie über die heutige Wedenkampbrücke zwängen. Und auch heute ist trotz anderer Straßenführungen das Verkehrsaufkommen im Elmshorner Ortskern derart hoch, dass eben die neue Hafenspange für Entlastung sorgen soll.

Ein paar Zahlen können die enorm starke, aber über Jahrzehnte schleichend und somit nicht in ihrem Ausmaß klar wahrzunehmende Entwicklung veranschaulichen: Zwischen 1964 und 2013 ist die Zahl der in Elmshorn gemeldeten Kraftfahrzeuge von 5614 um 17 807 auf 23 421 gestiegen. Das ist mehr als eine Vervierfachung der Automobile und entspricht einem Zuwachs um 317 Prozent. Dabei sind nur die in der Stadt gemeldeten Fahrzeuge berücksichtigt. Und auch der Besuchs- sowie der Durchgangsverkehr spielen bei diesen Zahlen keine Rolle.

Die Einwohnerzahl Elmshorns stieg übrigens im selben Zeitraum lediglich um 32 Prozent, was bedeutet: Vor 50 Jahren „teilten“ sich etwa sieben Elmshorner ein in ihrer Heimatstadt gemeldetes Kraftfahrzeug; heute nur noch zwei – alle Kinder und Greise mit eingerechnet.

Festzustellen ist aber auch: Der Zuwachs an Autos in der Stadt hat in jüngster Vergangenheit deutlich an Fahrt verloren. Die Zahl der Einwohner pro Kraftfahrzeug betrug nach 6,6 im Jahre 1964 acht Jahre später bereits 3,72. Zwischen 1972 und 2007, also in den folgenden 35 Jahren, stieg die Zahl der Kraftfahrzeuge pro Einwohner deutlich langsamer: Auf 2,19 Elmshorner kam vor fünf Jahren ein Auto; und heute, weitere sechs Jahre später, liegt der Wert nur leicht verändert bei 2,12 Einwohner pro Kraftfahrzeug.

Nach der Einweihung der Ost-West-Brücke 1982 kam die endgültig Abkehr von der Verkehrspolitik der großen Tangenten aus den 60er-Jahren. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der steigende Natur- und Umweltschutzgedanke sind zu nennen, aber auch der zunehmende Protest der Bevölkerung gegen das Abreißen alter Bausubstanz, um für den Autoverkehr mehr Platz zu schaffen. Unter anderem die Ostseite des Mühlendamms war bereits für den Straßenbau abgerissen worden, die Südseite der Gärtnerstraße (in der Verlängerung der Ost-West-Brücke) sollte nicht mehr dieses Schicksal erleiden: Zone 30 statt Tangentenring lautete die Devise.

Trotzdem: Der Verkehr in der Innenstadt wurde selbstverständlich auch in den 80er-Jahren nicht weniger. Im Gegenteil. Der Kompromiss: Eine kleinere, innenstadtnahe Krückauquerung zwischen Deich- und Westerstraße – die heutige Hafenspange – sollte Entlastung für die City bringen. Diese Idee stellte Elmshorns damaliger Bürgermeister Dietmar Lutz im Januar 1983, also vor gut 30 Jahren, erstmals der Öffentlichkeit vor.

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