Vollsperrung an der K23 : „Brückenopfer“: Die Oase schließt

Anja Sommer gibt auf. Die Pflanzenoase an der Wittenberger Straße wird am 1. April geschlossen.

Anja Sommer gibt auf. Die Pflanzenoase an der Wittenberger Straße wird am 1. April geschlossen.

Anja Sommer gibt nach elf Jahren auf. Der Betrieb wäre für Kunden bis Dezember schwer erreichbar gewesen.

shz.de von
30. März 2017, 16:09 Uhr

Kölln-Reisiek | Nach elf Jahren ist Schluss. Anja Sommer schließt ihre Pflanzenoase in Kölln-Reisiek. Schweren Herzens, mit viel Wehmut – und nicht freiwillig. Ihr Betrieb liegt direkt an der Wittenberger Straße, der K  23 – und da geht ab Montag, 3. April, nichts mehr. Die Brücke über die Krückau wird abgerissen und bis Ende Dezember neu gebaut. Die Straße wird voll gesperrt. Sommer fühlt sich als „Brückenopfer“.

„Wir dachten, dass eine Behelfsbrücke gebaut wird. Plötzlich hieß es dann, dass darauf aus Kostengründen verzichtet wird.“ Ein kleiner Schock für den Familienbetrieb. 20.000 Fahrzeuge passieren in beide Fahrtrichtungen täglich die Krückaubrücke – und damit auch die Pflanzenoase. „Unser Tagesgeschäft wäre fast komplett weggefallen“, sagt die 51-Jährige. Zudem kämen viele Kunden aus dem Norden, aus Horst, Sparrieshoop und Kiebitzreihe. „Das konnten wir anhand der Bestellungen nachvollziehen“, erklärt die Chefin. Sie alle hätten den Pflanzenmarkt mit integrierten Blumenladen nicht mehr direkt erreichen können, obwohl die Zufahrtsstraße zum Pflanzenmarkt offen bleibt.

Der Brückenneubau kostet 1,5 Millionen Euro. In den ersten Planungen war tatsächlich eine Behelfsbrücke über die Krückau vorgesehen. Auf sie hatte vor allem die Stadt Elmshorn gedrängt, um ein Verkehrschaos zu vermeiden. Doch die Behelfsbrücke hätte über eine Million Euro kosten sollen und die Baumaßnahme hätte den Neubau verzögert. Sie wurde kurzfristig gestrichen.

Aufgabe: Anfang Januar fiel die Entscheidung. „Zu diesem Zeitpunkt hätten wir das Frühjahrssortiment ordern müssen. Das Risiko war uns zu groß“, betont Sommer. Das Sortiment reduzieren, weniger Vielfalt bieten? Das war für das Ehepaar Sommer keine ernsthafte Alternative. „Wir sind ja nicht allein auf dem Markt. Es gibt viel Konkurrenz.“

Der Brückenabriss fällt in die umsatzstärkste Zeit. „Selbst wenn wir bis Dezember durchgehalten hätten, die neue Saison hätte erst im März 2018 begonnen“, sagt Sommer. Ihre beiden Mitarbeiter musste sie entlassen. Sie hätten zum 1. April aber neue Arbeitsplätze gefunden. Sie selbst ist in ihren alten Beruf als Zahnarzthelferin zurückgekehrt. Die benachbarte Baumschule wird ihr Mann weiterführen, wie bisher. Was aus der Pflanzenoase wird, steht noch nicht fest. „So weit sind unsere Planungen noch nicht“, betont Sommer. Das Areal könne zunächst von der Baumschule genutzt werden.

Letzter Verkaufstag ist der morgige Freitag. Ware wird zu reduzierten Preisen abgegeben. 2006 hatte sich Sommer mit der Pflanzenoase selbstständig gemacht, unzählige Arbeitsstunden in den Betrieb gesteckt. „Die ersten Jahre waren schwer, aber insgesamt war ich sehr zufrieden.“ Der Kontakt zu Kunden, die vielen Gespräche und Freundschaften, die entstanden sind, werden ihr fehlen.

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