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Elmshorner Nachrichten

24. September 2017 | 14:19 Uhr

Botschafterin Schleswig-Holsteins

vom

Die Elmshorner Natur- und Landschaftsführerin Annkatrin Holbach wird von Ministerpräsident Torsten Albig ausgezeichnet: Ein Porträt

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Elmshorn | Als Annkatrin Holbach den Postkasten öffnet, fällt ihr ein höchst offiziell aussehender Brief in die Hände. Absender: Der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.

Torsten Albig schreibt: "Sie stehen in Ihrem Ehrenamt als Nachtwächterin von Elmshorn für die Besonderheiten Ihrer Region. In dieser Funktion sind Sie als Botschafterin für Schleswig-Holstein tätig." Für diese Tätigkeit soll der vom Schreiben noch immer überraschten zertifizierten Natur- und Landschaftsführerin am Donnerstag, 15. August, in Kiel eine Ehrung zuteil werden. Nun heißt es Gewand aufbügeln, die Sturmlampe putzen "und hoffentlich mit meiner zwei Meter langen Hellebarde in die Nähe des Ministerpräsidenten kommen", denn schließlich sei dies eine Waffe, schmunzelt die pensionierte Lehrerin.

Seit 2010 bietet die 66-Jährige ihre Nachtwächtertouren, buchbar über die Volkshochschule, durch die Innenstadt Elmshorns an. Die Gruppen sind stets gut ausgebucht und geben sowohl Touristen als auch Einheimischen Einblick in eine Zeit, wo der Nachtwächter abendlichen Zechern schon mal in finsteren Gassen heimgeleuchtet hat, den Bürgern sang, was die Uhr geschlagen hat und in die Fenster spähte: "Bewahrt das Feuer und das Licht, dass in dem Ort kein Brand ausbricht."

Doch Annkatrin Holbach hat noch 15 weitere Führungsangebote im Repertoire. Sie reichen von Krückau-Spaziergängen, Fahrradtouren entlang des historischen Ochsenweges, Besichtigungen von markanten Punkten die Elmshorner Stadtgeschichte widerspiegeln, über Baumwanderungen durch den Liether Stadtwald bis zu botanisch-geologischen Wanderungen und Litera-Touren.

"Ich mag gern inhaltlich arbeiten", beschreibt sie ihre Themensuche. Sie nimmt sich Zeit, oftmals bis zu einem halben Jahr, um ihre Führungen in Ruhe und gewissenhaft auszuarbeiten, stöbert in Archiven, spricht mit Zeitzeugen und sucht nach den kleinen Geschichten am Rande. Gerade die seien es, die Geschichte lebendig machen, ist sich Holbach sicher. Als zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin muss Annkatrin Holbach sich alle fünf Jahre einer strengen Prüfung unterziehen: Exkursionen planen, Gruppenarbeiten präsentieren, wissenschaftliche Hausarbeiten schreiben, sich in den Bereichen Umweltpädagogik, Naturschutzrecht, wirtschaftliche Entwicklung der Kreise und Tourismus sowie Geografie und Geschichte auskennen.

Doch dieses breite Spektrum kommt ihr sehr gelegen. "Ich mag den ganzheitlichen Ansatz", erklärt sie. "Ich mache Führungen im Liether Stadtwald, wenn die Buchenblätter sich öffnen. Dann reiche ich kleine Spieße mit Käse, Weintrauben und Buchenblättern herum." Das sei ein Wahrnehmen mit allen Sinnen. Und so bekommen Menschen, die eigentlich "nur" eine botanisch-geologische Wanderung gebucht haben, auch schon mal ein Gelee aus dort wachsenden Wildrosen zum Schmecken gereicht.

Ihre größte Leidenschaft aber ist das Botanisieren. Voller Begeisterung erzählt die Elmshornerin von einer Orchideenwanderung auf Nordzypern, Pflanzenbestimmungen in Montafon am Vorarlberg oder Studienreisen für Multiplikatoren ins Riesengebirge. Abends dann mit ihrem Mann, Elmshorns Bürgervorsteher Karl Holbach, auf dem Balkon der Unterkunft sitzen, einen Stapel mit Fachlektüre und ein Glas Rotwein auf dem Tisch und dabei die gesehenen Pflanzen bestimmen oder kartographieren - das ist für Annkatrin Holbach eine wunderbare Vorstellung.

Wieder zurück in Elmshorn ist Annkatrin Holbach mit ihrem Haus und dem Bauerngarten, in dem viele Blumen und Kräuter wachsen, beschäftigt. Außerdem geht sie täglich zum Schwimmen, joggt und walkt dreimal in der Woche und fährt regelmäßig Rad. "Ich habe vieles in meinem Leben gemacht, was ich auch gerne wollte", erklärt sie ihre Zufriedenheit. Sehr stolz ist sie auf ihre zweijährige Enkelin, die mit ihrer Mutter Claudia und deren Mann bei Bonn lebt.

Fühlt sie sich geehrt, dass ihre Arbeit nun vom Ministerpräsidenten ausgezeichnet wird? "Ja, schon", meint sie, doch die eigentliche Aus zeichnung sei für sie, dass viele Menschen - oft mehrmals - zu ihren Kursen kommen und sie merkt, dass ihre Begeisterung für Geografie, Geschichte und die Flora in ihnen ein Echo

findet.

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