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Seester : Bitterer Streit bei der Raiffeisenbank

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Vorwürfe, hitzige Diskussionen und eine Kampfabstimmung: Bei der Hauptversammlung des Kreditinstituts ging es hoch her.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Seestermühes Bürgermeister Thorsten Rockel eröffnete den Fragenreigen zu den Rücktritten von Aufsichtsratsmitgliedern. Im Jahr 2012 war Heinz Groth zurückgetreten und der damalige Aufsichtsratsvorsitzende in einer Kampfkandidatur gegen Peter Zimmer nicht wieder gewählt worden. Im Laufe des Jahres 2013 traten das langjährige Aufsichtsratsmitglied Peter Urban und auch der erst im vergangenen Jahr gewählte Michael Averhoff von ihren Ämtern zurück.

Rockel kritisierte, dass weder der Vorstand, noch der Aufsichtsrat in seinen Berichten zu diesen Personalien Stellung genommen hätten. „Irgendetwas schwelt hier. Die Zahlen können es eindeutig nicht sein. Also was ist mit dem Zusammenspiel zwischen Vorstand und Aufsichtsrat?“, fragte der Seestermüher Bürgermeister. Eine Frage, die im Laufe des Abends unbeantwortet blieb. Alle Beteiligten zogen sich auf das Bankgeheimnis zurück.

Deutlicher wurde nur der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Preine. „Ich war 15 Jahre Mitglied im Aufsichtsrat, davon 13 Jahre als Vorsitzender. Dass ich im vergangenen Jahr nicht wieder gewählt wurde, akzeptiere ich“, so Preine. Er schilderte dann aber die schwierige Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Bank, berichtete von massiven Drohungen gegen ihn und seinen Aufsichtsratskollegen Groth.

Er ging auch auf den Ausschluss von Meinert ein. Meinert soll nach der Mitgliederversammlung 2012 verschiedene Fragen an Vorstand und Aufsichtrat gehabt haben, die jedoch nicht beantwortet wurden. Dafür sei mit anwaltlicher Unterstützung der Ausschluss Meinerts betrieben worden. Besonders pikant: Meinert war ursprünglich als Kandidat für den Aufsichtsrat im Gespräch gewesen. Diesen Schilderungen schloss sich auch das zwischenzeitlich zurückgetretene Aufsichtsratsmitglied Peter Urban an.

Urban verlas einen Brief von Uwe Meinert, in dem er seinen Ausschluss und den Weg dorthin schilderte. Meinert schrieb, dass er auf seine Fragen nie eine Antwort erhalten habe. Das Ziel des Ausschlusses war seiner Meinung jedoch, seine Kandidatur für den Aufsichtsrat zu verhindern. „Der Vorstand hatte wohl Angst, dass jemand zu genau hinsieht“, zitierte Urban aus Meinerts Schreiben. Groth ergänzte, dass Uwe Meinert gegen keine Satzungsvorschriften verstoßen habe und der Ausschluss rechtlich mehr als zweifelhaft sei.

Im Gegensatz zu den ehemaligen Aufsichtsratsmitgliedern bescheinigte Genossenschaftsmitglied Frank Möws Vorstand und Aufsichtsrat ausgezeichnete Arbeit, bezeichnete die Abwahl Preines im vergangenen Jahr als demokratischen Vorgang und sagte in Richtung Preine: „Es gibt nicht mehr viele kleine Genossenschaftsbanken und Sie machen diese durch Ihre Kinkerlitzchen kaputt. Das ist der Tod der Genossenschaftsbank.“

Die Vorstandsmitglieder Jan H. Reese und Jens Hüllmann widersprachen den unausgesprochenen Vorwürfen der Habgier und der überhöhten Gehälter. Reese sagte: „Wenn es mir um Geld ginge, dann würde ich woanders arbeiten. Diese Bank zu leiten erfordert viel Herzblut und viel Mühe.“ Hüllmann erinnerte an die Verschwiegenheitsverpflichtungen und forderte dazu auf, den Blick in die Zukunft zu richten.

Die heftigen Diskussionen führten dazu, dass die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat in Frage gestellt wurde. Kai Albarts und Niels Runge schlugen vor, dass zunächst eine rechtliche Klärung der offenen Fragen erfolgen solle, bevor eine Entlastung erteilt werden könne. Dieser Idee folgte die Mehrheit der Versammlung nicht. Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat wurden mehrheitlich entlastet.

Nach diesen bereits zeitintensiven Debatten waren auch die Neuwahlen für den Aufsichtsrat kein einfacher Tagesordnungspunkt. Der Vorstand hatte den Haselauer Kai Fülscher und den Klein Nordender Detlef Stein als neue Aufsichtsratsmitglieder vorgeschlagen. Während Fülscher bei einer Enthaltung einstimmig gewählt wurde, gab es für Stein einen Gegenkandidaten. Rockel schlug Albarts als Aufsichtsratsmitglied vor. Bei der offenen Wahl erhielt Stein 88 Stimmen, Albarts 79.

Thorsten Rockel nach der Versammlung: „Ich finde es bedauerlich, das Vorstand und Aufsichtsrat kein Aufsichtsratsmitglied aus Seestermühe haben wollen. Ich stelle mir die künftige Zusammenarbeit zwischen Bank und Gemeinde schwierig vor. Kai Albarts genießt in Seestermühe hohes Ansehen und wäre eine Bereicherung für den Aufsichtsrat gewesen.“


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