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Propst-Gegner im Gespräch : Bischof hält Propst von Rücktritt ab

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Propst-Gegner im Gespräch mit den Elmshorner Nachrichten. Thomas Bergemann nach Wahl-Klatsche bei Synode noch ratlos.

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Auch eine Woche nach der Wahl hat Propst Thomas Bergemann die Ohrfeige noch nicht verdaut. Das Oberhaupt des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf ist ratlos, warum die Synode ihn nur mit Hängen und Würgen  im Amt bestätigt hat. Im Gespräch mit den Elmshorner Nachrichten gesteht er, dass er nach der Schlappe im ersten Wahlgang beinahe gar nicht mehr zur zweiten  Runde  angetreten wäre. Der Propst wünscht sich, dass seine Kritiker das Gespräch mit ihm suchen: „Es traut sich keiner aus dem Gebüsch, und dann kann sich nichts ändern.“

Diese Zeitung hat sich unter Mitgliedern der Synode umgehört. Die Kritik am Propst ist vielfältig. Hinnerk Egge ist Bürgermeister in Rade (Kreis Steinburg), hat in beiden geheimen Wahlgängen mit Nein gestimmt. Er vermisst in der Verwaltung des Kirchenkreises moderne Managementinstrumente. Egge gefällt auch nicht, dass sich Bergemann zu gesellschaftlichen Themen öffentlich äußert. Das gehöre nicht zu den Aufgaben eines Propstes. Zuletzt war Bergemann mit  Kritik an der Schweinehaltung bei den Landwirten angeeckt.

Die Ohrfeige im ersten Wahlgang hat Bergemann überrascht. Wie enttäuscht er darüber ist, schilderte der Propst im Gespräch mit dieser Zeitung. Nach der  ersten Runde habe er erstmal frische Luft schnappen müssen, um  die Lage mit Bischof Gothart Magaard zu besprechen. Offenbar hielt dieser ihn vom Rücktritt ab: „Ohne ihn wäre ich vielleicht nicht zum zweiten Wahlgang angetreten“, so Bergemann, der in der  zweiten Runde mit der Mindestzahl an nötigen Stimmen gewählt wurde.

Bergemann hat offenbar beschlossen, sein Wahlergebnis nicht tragisch zu nehmen: „Rückhalt für einen Propst ist nicht primär die Synode.“ Wichtiger seien für ihn die Runde der Pastoren, der so genannte Pastorenkonvent, und die 38 Kirchengemeinden im Kirchenkreis: „Ich fühle mich da ausgesprochen gut aufgehoben, genau am richtigen Platz und wertgeschätzt.“ Den Kirchenkreis wird Bergemann nach seiner Wiederwahl bis Ende 2025 leiten, dann ist er Mitte 60.

Überraschung

„Es ist keiner auf die Idee gekommen, es könnte so laufen.“ Thomas Bergemann scheint nicht der Einzige zu sein, der von den Problemen bei seiner Wiederwahl, die erst im zweiten Anlauf und dann nur haarscharf klappte, überrascht war. Kirchenkreisrat (KKR) und Landeskirche hatten laut Bergemann erwartet: „Es wird flutschen.“ Damit hatten sie die Stimmung in der Synode offenbar völlig falsch eingeschätzt. Haben sich da Leitende von der Basis entfernt? Propst Bergemann zeigt sich einige Tage nach der Synode im Gespräch mit dieser Zeitung ratlos: „Es traut sich keiner aus dem Gebüsch, und dann kann sich nichts ändern.“

Dabei sind die Kritiker nicht schwer zu finden und haben keine Probleme, ihre Vorbehalte zu formulieren. Zum Beispiel Rosmarie Lehmann, Vorsitzende des Kirchengemeinderats in der Elmshorner St. Nikolai Gemeinde: In Elmshorn habe der Propst mit falschen Informationen „Irritationen und Nachfragen“ ausgelöst, beklagt sie. Auch beim Vorzeigeprojekt des Kirchenkreises, dem Kirchlichen Zentrum Elmshorn (KiZE), das neben St. Nikolai entstehen soll, bleibt Lehmann kritisch: „Nur Worthülsen“ habe sie dazu bisher vom Propst gehört. Die Fläche in bester Innenstadtlage habe die Gemeinde dem Kirchenkreis kostenlos überlassen, der Abriss des alten Gemeindehauses ist im Gange, aber: „Wir haben noch keine schriftlichen Vereinbarungen.“

Immerhin: Wenn das neue Kita-Werk seinen Sitz in Elmshorn bekomme, werde die Stadt kirchlich „ein bisschen aufgewertet“, findet Lehmann. In Elmshorn seien noch die Nachwehen der Fusion der Kirchenkreise Rantzau und Münsterdorf zu spüren; Elmshorn verlor dabei einen Propstensitz und die kirchliche Verwaltungszentrale.

Spätfolgen des Zusammenschlusses – den er bei seinem Dienstantritt 2006 als fertigen Beschluss vorfand – mag Propst Thomas Bergemann in seinem Kirchenkreis nicht erkennen: „Ich glaube, dass die Fusion verdaut ist.“ Trotzdem will er Elmshorn stärker bedenken: Seine Stellvertreterin – die Stelle wird in wenigen Wochen ausgeschrieben – soll ihren Dienstsitz in Elmshorn nehmen, er selbst will dort im KiZE ein Büro beziehen. Sein Hauptsitz wird allerdings weiterhin in Itzehoe bleiben. Warum dieser Spagat, wenn doch der Kirchenkreis erfolgreich vereinigt ist?

Verschiedene Gründe für die Nein-Stimmen

Der Elmshorner Günter Szameitpreiks, Präses der Synode, vermutet viele verschiedene Gründe für die Nein-Stimmen bei der Wahl; einer davon ist der Gegensatz zwischen dem städtisch geprägten ehemaligen Rantzau und Münsterdorf mit seiner „konservativen, vielleicht sogar bäuerlichen“ Struktur. Aber auch die Elmshorner Synodalen seien „nicht alle einer Meinung“, betont Szameitpreiks. Seine Konsequenz aus dem Wahlergebnis: „Vor allem die Gremien müssen das durchdenken.“

Hinnerk Egge ist Bürgermeister in Rade, einem kleinen Dorf im Nordosten des Kreises Steinburg, und Synodaler sowohl im Kirchenkreis als auch in der Nordkirche. Er hat in beiden Wahlgängen mit Nein gestimmt. Egges Liste der Kritikpunkte ist lang. Der pensionierte Behördenleiter vermisst zum Beispiel in der Kirchenkreisverwaltung moderne Managementinstrumente wie Nutzwertanalysen, Mitarbeiterbefragungen oder Qualitätsmanagement: „Das ist nicht in der Leitung verankert“, sprich: beim Propst.

Der zeigt sich selbst unzufrieden: „Die Verwaltung läuft nicht so rund, wie wir uns das wünschen würden“, sagt Bergemann. Er leitet zwar als Vorsitzender des KKR die Verwaltung, aber Prügel für deren Leistung sieht er bei sich trotzdem falsch adressiert: „Das hat nichts mit der Synode zu tun.“ Allerdings sitzt der Propst qua Amt im KKR, und zwar mindestens als Zweiter Vorsitzender; also hätte eine Abwahl Bergemanns auch Folgen an der Spitze der Kirchenkreisverwaltung gezeigt.

Propst Bergemann äußert sich gern öffentlich zu gesellschaftlichen Themen; das gehört nach Egges Ansicht nicht zu seinen Aufgaben: „Die Gemeindemitglieder zahlen nicht dafür Kirchensteuern, dass die Kirche Aufgaben politischer Parteien übernimmt.“ Das sieht Bergemann anders: „Wir müssen als Kirche Themen besetzen.“ Als Sprachrohr benutzt er den Kirchenkreis-Newsletter: „Ich hau’ da gern mal politische Themen ’raus.“ Im Herbst hat er beim „Raushauen“ den Bauern auf die Füße getreten, als er sich über Missstände in der Schweinehaltung äußerte. Die empörten Bauern sollen nun auf hoher Ebene beschwichtigt werden: In dieser Woche wird es ein Treffen zwischen Propst, Bischof und Werner Schwarz geben, dem Präsidenten des Landesbauernverbands.

Eine Wahl ist immer eine höchst persönliche Angelegenheit: Die Entscheidung, ob die Persönlichkeit des Kandidaten zum Amt passt, trifft jeder Stimmberechtigte für sich. Vielleicht tun sich die Synodalen auch darum schwer mit einem Propst, der sein Gegenüber mit Jovialität überschüttet, im Gespräch oft über seine eigenen Formulierungen lacht, sich griffig bis flapsig ausdrückt, zwei gleichgeschlechtlichen Paaren den kirchlichen Segen gab und gern Motorrad fährt. Der seine Leidenschaft für Diakonie in Rantzau-Münsterdorf nach eigener Einschätzung „mit Schmackes, Überzeugung und Druck durchgesetzt“ hat. Bergemann-Kritiker Hinnerk Egge resümiert: „Ich hätte gern mehr Vertrauen in ihn.“

Die Synode ist für den Kirchenkreis das, was eine Gemeindevertretung für Stadt oder Dorf ist: Sie wählt die wichtigen Akteure und trifft die grundlegenden Entscheidungen. Ihr Vorsitzender heißt Präses, die stimmberechtigten Teilnehmer Synodale. Der Kirchenkreisrat (KKR) ist eine Art Regierung des Kirchenkreises, er erledigt das operative Geschäft, leitet die Verwaltung und beaufsichtigt die Gemeinden. Die nächsthöhere Hierarchieebene über dem Kirchenkreis ist die Nordkirche, die für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zuständig ist. Sie umfasst 13 Kirchenkreise und wird von fünf Bischöfen geleitet.
An der Spitze eines Kirchenkreises steht ein Propst, in Rantzau-Münsterdorf ist das seit 2006 Thomas Bergemann. Er übt die Dienst- und Fachaufsicht für die Pastoren in den 38 Gemeinden des Kirchenkreises aus und für diejenigen, die direkt beim Kirchenkreis angestellt sind.
Gleichzeitig sitzt der Propst qua Amt im KKR und übernimmt dort mindestens den Posten des Zweiten Vorsitzenden. Bergemann ist in Rantzau-Münsterdorf Vorsitzender des Gremiums.
Kirchliche Angebote wie die Flüchtlingspastorin, Lebens-, Sozial- oder Erziehungsberatung, die Elmshorner Bahnhofsmission, das Itzehoer Familienzentrum, die Krankenhausseelsorge oder die Winterhilfe für Obdachlose sind als „Dienste und Werke“ beim Kirchenkreis angesiedelt. Einige davon sind in der Diakonie Rantzau-Münsterdorf zusammengefasst, einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH) mit dem Kirchenkreis als Mehrheitsgesellschafter. Aufsichtsratsvorsitzender der Diakonie ist qua Amt Propst Thomas Bergemann.
21 kirchliche Kitas aus dem Kirchenkreis, die nicht direkt zu einzelnen Gemeinden gehören, werden künftig in einem Kita-Netzwerk verwaltet, das dafür neu gegründet werden soll. Das Kita-Netzwerk soll ebenfalls als gGmbH organisiert werden; Mehrheitsgesellschafter soll die Diakonie Rantzau-Münsterdorf gGmbH werden, der Kirchenkreis soll als Minderheitsgesellschafter einsteigen. Fünf Elmshorner Kindergärten sollen ins Kita-Netzwerk integriert werden: Ansgarstraße, Memeler Straße, Rethfelder Ring, St. Nikolai und Stiftskirche.
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