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Elmshorner Nachrichten

21. August 2017 | 21:54 Uhr

Elmshorn : „Bin schon etwas durchgeknallt“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Züchter Hans-Jürgen Nestmann hat 200 Tauben und einen Europameister-Titel - Große Schau in Kölln-Reisiek am Wochenende.

Hans-Jürgen Nestmann sagt von sich selbst, dass er sich seinem Hobby schon sehr ausführlich widmet. Der Rentner besitzt 200 Tauben, fast allen hat er einen Namen gegeben. Nestmann, Vorsitzender der Rassetaubenzüchter von Elmshorn und Umgebung, veranstaltet mit seinem Verein und mit dem Reisetaubenverein „Finale 72“ am Wochenende eine Schau, auf der die Züchter ihre Tiere von der besten Seite zeigen wollen.

In der Mehrzweckhalle in Kölln-Reisiek werden dann mehr als 500 Vögel zu sehen sein. Für Nestmann und die anderen Clubmitglieder ist dies der züchterische Höhepunkt des Jahres. „Die Vereinsmitglieder und Züchter aus ganz Norddeutschland stellen den Preisrichtern ihre Zuchterfolge zur Bewertung vor“, sagt Nestmann. Die Tauben werden von den Preisrichtern nach Rassemerkmalen in einem Punktesystem bewertet. Geachtet wird auf Kopf, Farbe, Augen, Schnabel, Gefiederung und Gesamteindruck.

„Ich bin ehrlich gesagt im Kopf etwas durchgeknallt“, sagt Nestmann über seine Leidenschaft für sein Hobby. Eigentlich geben Züchter nicht jeder Taube einen Namen. Erst recht nicht, wenn sie, wie er, 200 Stück besitzen. Die Tiere haben einen Ring am Fuß, beschriftet mit Geburtsjahr und Codes für Herkunftsland und Region. Ein Ringverteiler kann anhand der Beschriftungen erkennen, aus welchem Schlag die Taube stammt. Mit seinen Tauben gewann Nestmann 2012 die Europaschau in Leipzig. Im englischen Darlington belegten seine Tauben ebenfalls die ersten Plätze. Kürzlich hat er 30 Vögel über einen französischen Zwischenhändler ins Königreich Bahrain verkauft. Tauben aus Deutschland genießen einen hervorragenden Ruf. „Die Züchter hier im Land sind sehr gut organisiert. Deutschland ist eine Hochburg der Taubenzucht. Die Tradition von Rassetauben sei Jahrhunderte alt.“ Vor allem im Ruhrgebiet wurde und wird diese noch gelebt. „Dort ist es immer mehr zum Hobby der Arbeiterklasse geworden“, so Nestmann. Zirka 2000 verschiedene Rassen gibt es in Deutschland.

Wegen der Gefahren, die in der freien Natur auf sie lauern, wie beispielsweise Raubvögel, bleiben die Tauben stets in ihrem Schlag. „Wir sind hier schon in einer Vorreiterrolle“, so Nestmann und betont, dass er die Vögel nicht wegen des Geldes verkauft. „Ich bin da ein gewisses Stück stolz drauf, Geld verdienen will ich damit nicht.“ Die Zucht soll eben Hobby bleiben. Dennoch: Eine Zuchttaube bringe zwischen 50 bis 300 Euro. „Ein bekannter Händler, der sich jetzt zur Ruhe setzen will, verlangt für seine Kundenliste 20 000 Euro.“

Für das Hobby können sich jedoch immer weniger Menschen begeistern – auch immer weniger in Deutschland. Der Nachwuchs fehlt. „In anderen Bundesländern, wie Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Sachsen züchten auch jüngere Leute. In Schleswig-Holstein kommt aber gar nichts mehr nach.“ Mit 62 Jahren ist Nestmann unter den 20 Vereinsmitgliedern der jüngste. Andere Probleme sind fehlende Möglichkeiten für Taubenhaltung und Ausstellung. Laut Nestmann ist auch die Vielfalt der Taubenrassen in Gefahr. Die reichen Halter aus den Arabischen Ländern kaufen die Rassen fast restlos auf. „Die Rasse Berliner Kurze gibt es fast schon gar nicht mehr.“

Auf der Schau in Kölln-Reisiek sollen die Besucher aber die Vielfalt der Tauben zu sehen bekommen.

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erstellt am 17.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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