Kreis Pinneberg : Bildung mit Startschwierigkeiten

 Kinder aus finanziell schlecht gestellten Familien sollen mit den Bildungsgutscheinen in Sportvereinen Mitglied werden können - ohne, dass die Eltern zahlen müssen.  Foto: planer
Kinder aus finanziell schlecht gestellten Familien sollen mit den Bildungsgutscheinen in Sportvereinen Mitglied werden können - ohne, dass die Eltern zahlen müssen. Foto: planer

Weil Rahmenverträge fehlen, gibt es im Kreis Pinneberg keine einheitlichen Regelungen für Bildungsgutscheine / Wenig Nachfrage

Avatar_shz von
06. April 2011, 08:19 Uhr

Pinneberg | Für bedürftige Kinder könnte er die langersehnte Hilfe sein: Der Bildungsgutschein der Bundesregierung. Doch obwohl der Stichtag - der 1. April - verstrichen ist, können die Hartz-IV-Empfänger im Kreis Pinneberg das Angebot nicht sinnvoll nutzen. Noch sind nicht alle Verträge unterzeichnet - und die Nachfrage ist entsprechend verhalten. Etwa 200 Anträge liegen derzeit erst im Kreis Pinneberg vor, ein Großteil wurde bereits in den vergangenen Monaten gesammelt. Der große Ansturm, er blieb aus.

Die Theorie: Der Bildungsgutschein hat einen Wert von 60 Euro und wird pro Kind einmal alle sechs Monate bewilligt. Ausflüge von Schulen und Kindergärten oder auch Klassenfahrten sollen damit bezahlt werden, auch Musikschulunterricht könnte übernommen werden, ebenso die Mitgliedschaft in Sportvereinen. So sieht zumindest der Plan der Bundesregierung aus. Zuständig für die Vergabe der Gutscheine sind, jedenfalls für Hartz-IV-Empfänger, die Jobcenter vor Ort. Damit ein Antrag bewilligt werden kann, muss der Bildungsträger einen Vertrag mit dem Jobcenter geschlossen haben. Dort muss der zweckgebundene Antrag gestellt werden - doch ob der Wunsch den gesetzlichen Vorgaben entspricht und auch, ob ein entsprechender Vertrag mit dem Bildungsträger besteht, muss der zuständige Sachbearbeiter klären.

Und genau dort fangen die Probleme an. Noch sind nur wenige Verträge mit den Vereinen unterschrieben. Viele Anträge der Hilfeempfänger sind deswegen eine Einzelfallentscheidung, die überprüft werden muss. Gibt es keinen Vertrag mit dem gewünschten Bildungsträger oder Sportverein, muss das Jobcenter tätig werden: "Bei Bedarf sprechen wir mit dem Verein und schließen einen Vertrag ab", erklärt Christian Wirth, Pressesprecher der Jobcenter im Kreis Pinneberg. Etwa 14 Tage würde die Prüfung und Bewilligung eines Antrags dauern. Doch ohne Vertrag mit dem Verein gibt es keine Bewilligung. Als "großen Wurf" bezeichnete Wirth deswegen die Verhandlungen mit dem Kreissportverband Pinneberg (KSV). Die stünden kurz vor dem Abschluss - und mit ihnen könnte in mehr als 100 Vereinen die Zusage für die Annahme der Gutscheine gemacht werden. Bislang aber ist das Zukunftsmusik.

Immerhin ist man beim KSV von dem Gutschein überzeugt. "Viele Vereine haben ohnehin schon über Sponsoren und andere Mechanismen bedürftige Kinder aufgenommen", berichtet der KSV-Vorsitzende Karsten Tiedemann. Jetzt könne dies vereinheitlicht werden und allen bedürftigen Kindern zugutekommen. 99 Vereine des KSV hätten bereits ihre feste Zusage für den Rahmenvertrag gegeben - "es sind mit Sicherheit schon mehr", sagt Tiedemann, der sich auf eine erste Erhebung vor einigen Monaten beruft. Der KSV-Vorsitzende lobte die Zusammenarbeit mit den Jobcentern - in anderen Kreisen sei es "deutlich bürokratischer" und schwieriger. "Wir hoffen auf eine baldige Vertragsunterzeichnung", so der Vorsitzende. Dann könnte er womöglich doch noch kommen - der erhoffte Ansturm auf die Gutscheine.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen