Elmshorner Lichtermarkt : Besucherrekord nach Internethetze

Morgen öffnet die Eisbahn ein letztes Mal.
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Morgen öffnet die Eisbahn ein letztes Mal.

Steinbach-Attacke hat dem Elmshorner Lichtermarkt mehr genutzt als geschadet.

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06. Januar 2018, 09:00 Uhr

Elmshorn | Das hatte Erika Steinbach mit ihrer Facebook-Attacke gegen den Elmshorner Lichtermarkt sicherlich nicht bezweckt: Nachdem die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete in der Adventszeit eine ausländerfeindliche Lawine im Netz losgetreten hatte, verzeichnet das Stadtmarketing doppelt so viele Lichtermarkt-Besucher wie 2016.

Manuela Kase, Chefin vom Stadtmarketing: „Natürlich ist es immer schwierig, genaue Zahlen zu nennen. Wenn wir zählen, sind das immer Momentaufnahmen. Auf der Grundlage von Hochrechnungen vermuten wir aber, dass auf jeden Fall mehr als 100.000 Besucher über den gesamten Zeitraum auf dem Lichtermarkt zu Gast waren.“ Die Ursachen dafür sind vielfältig. Kase nennt etwa das gestiegene Sicherheitsbewusstsein der Menschen. „Viele fühlen sich auf einem kleineren Weihnachtsmarkt wie Elmshorn wohler als auf den großen Märkten in Hamburg“, sagt sie. Zahlreiche Besucher kämen aus dem Umland – auch wenn 90 Prozent der Gäste Elmshorner seien.

1500 Elmshorner setzten Zeichen für Toleranz

Aber auch das Gestaltungskonzept des Lichtermarkts scheint bei den Menschen gut anzukommen. Eine Besucherumfrage des Stadtmarketings zeigt, dass die Veranstaltungen rund um den Lichtermarkt besonders beliebt waren, darunter etwa die Eröffnung mit dem Engelsflug, die Weihnachtsparade oder eben auch die EN-Aktion „Elmshorn leuchtet“. Dabei setzten rund 1500 Elmshorner mit Lichtern ein Zeichen für Toleranz. Und sie gingen offenbar auch danach auf den Lichtermarkt. „Ich habe immer wieder Menschen getroffen, die 2017 häufiger auf den Lichtermarkt gekommen sind, um ihre Solidarität zu zeigen“, sagt Kase.

Auf jeden Fall war der Lichtermarkt durch die Steinbach-Aktion bundesweit häufiger in den Medien als jemals zuvor. „Die ausländerfeindliche Diskussion im Netz hat uns natürlich zunächst einen Schock versetzt“, sagt Kase. „Aber die Solidarität war so groß, dass die Aufmerksamkeit dem Lichtermarkt mehr genützt als geschadet hat.“

Am heutigen verkaufsoffenen Sonntag, ist auch der letzte Tag des Stadtwerke Eisvergnügens. Damit endet für das Stadtmarketing die Winter-Veranstaltungssaison. Zeit für Geschäftsführerin Manuela Kase, Bilanz zu ziehen: „Es ist wirklich super gelaufen. Für mich und auch die Standbetreiber war der Lichtermarkt 2017 der beste Markt bisher.“ Der Lichtermarkt war in diesem Jahr durch die Lage der Feiertage besonders kurz. Dennoch haben die Standbetreiber ähnliche Umsätze erzielt wie im vergangenen Jahr. „Die Händler sind sehr zufrieden“, sagt Kase.

Erstmals Besucherbefragung durchgeführt

Zum fünften Mal hat ihr Team an den Sonnabenden im Advent Besucherzählungen in der Königstraße durchgeführt. Am vierten Sonnabend im Advent zählten sie  zwischen 10 und 19 Uhr 26.304 Passanten – das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine Woche vorher waren es 24.528 Besucher, sogar 35 Prozent mehr als im Jahr 2016. Kase: „Damit ist 2017 das beste Jahr, seit wir 2013 mit den Zählungen begonnen haben.“ Einmal stündlich führte ihr Team außerdem Momentaufnahmen auf dem Lichtermarkt durch. Gegen 17.45 Uhr hielten sich etwa 1300 Personen auf dem Lichtermarkt auf, 2016 waren es nur 554.

Erstmals hat das Stadtmarketing außerdem eine Besucherbefragung auf dem Lichtermarkt durchgeführt. Insgesamt wurde der Markt mit der Schulnote 2,2 bewertet. Die Aufenthaltsdauer lag bei den meisten Gästen bei ein bis zwei Stunden. Überraschend: Die weiblichen Besucher waren deutlich häufiger auf dem Lichtermarkt zu Gast als die männlichen Besucher. Dafür blieben sie nicht so lange.

Aber auch die Eisbahn war ein voller Erfolg. Bis Mittwoch waren 5483 Läufer auf dem Eis, bis Sonntag werden es wohl über 6000 gewesen sein. Damit nutzten durchschnittlich täglich drei Läufer mehr die Eisbahn als im Vorjahr –  117 statt 114 – und das trotz des schlechten Wetters. Thomas Hein von der Firma Interevent, der die Eisbahn gehört, hatte zuvor fest mit einem Rückgang der Besucherzahlen in Elmshorn gerechnet. Deutschlandweit betreibt seine Firma über 30 Eisbahnen und überall hätte das Wetter für schlechtere Zahlen gesorgt.

Rekord beim Eisstockschießen

Manuela Kase führt dies positive Entwicklung in Elmshorn vor allem auf die Qualität der Gastronomie beim „Strandfloh on Ice“ und die verbesserte Aufenthaltsqualität an der Eisbahn zurück. Neu waren  in diesem Jahr drei große beleuchtete Tannen, eine Weihnachtsbäckerei und ein Toilettenwagen. 

Beim Eisstockschießen gab es einen Rekord: Mit 256 Teams – und weiteren auf der Warteliste – war das Turnier voll ausgebucht. Das waren 28 Teams mehr als im Vorjahr. Für private Firmenfeiern wurde die Eisbahn 16 Stunden lang exklusiv gebucht – und damit doppelt so oft wie im Vorjahr.

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