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Elmshorner Nachrichten

22. Oktober 2017 | 19:56 Uhr

Besucher-Rekord beim Dampftag

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Industriemuseum Elmshorn lockt 600 große und kleine Gäste mit Dampfmaschinen und rauchenden Lokomotiven

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 16:00 Uhr

„73 Grad, das dauert noch ein bisschen.“ Georg Feuchter liest auf seiner Fernbedienung ab, wie warm es im Kessel seiner Modell-Dampflokomotive ist; 120 Grad braucht er für ausreichenden Dampfdruck. Der Antrieb mit kochendem Wasser ist altmodisch, seine Bedienung modern: Dampfhahn, Speisepumpe fürs Wasser, Gasregelventil, Entkuppeln der Waggons und Pfeife, das alles regelt Feuchter mit kleinen Knöpfen an seiner Fernbedienung.

Beim Dampftag im Elmshorner Industriemuseum demonstrierte der Hamburger Modelleisenbahner, dass Dampfmaschinen als Antrieb auch heute noch genutzt werden; wenigstens in Spielzeug-Eisenbahnen. Andere Modellbahner befuhren die Runde mit historischen Lokomotiven. Bis in die späten 1930-er Jahre wurden Modell-Dampfloks als Spielzeug gebaut, dann schlief die Produktion ein, bis 1970 die ersten neuen Modelle gebaut wurden. Heute laufen die kleinen Dampfloks normalerweise auf Spur I, das sind Gartenbahnen, und nutzen Gas als Brennstoff. Die alten Lokomotiven verbrennen Spiritus und sind auf der kleineren Spur 0 unterwegs.

Wie auch immer: das altmodische Prinzip, Wasser im Kessel zu kochen, um mit dem Dampf Maschinen anzutreiben, die Urkraft der Industrialisierung, ist attraktiv. Mit mehr als 600 Besuchern verzeichnete Museumsleiterin Bärbel Böhnke am Sonnabend beim dritten Dampftag des Industriemuseums einen Rekord. Vor allem Familien waren unterwegs, viele Väter bestaunten die Maschinen zusammen mit ihren Söhnen. Sie standen entweder an den Gleisen und ließen die Züge vor ihren Nasen passieren, oder sie ließen sich vom Museumspädagogen Peter Russ die große Dampfmaschine erklären, die das Erdgeschoss des Museums dominiert.

Jede Dreiviertelstunde sammelte sich eine Traube vor der 565 PS starken Maschine, die früher beim Hefehersteller Asmussen als Notstromaggregat arbeitete. „Das macht ordentlich Lärm“, kommentierte Rust, und er lässt vor allem Kinder mit anfassen bei der Inbetriebnahme.

Zum dritten Mal kamen Modelleisenbahner und Museum zum Dampftag zusammen. Holger Mies aus Kiebitzreihe hatte die Veranstaltung angeregt, mit seinen historischen Lokomotiven war er immer dabei. Er saß im Spiritusdunst und wartete, bis seine englische Lok, Baujahr 1920, genügend vorgeheizt war. Fünf bis sieben Minuten dauert das, „dann wird mehr oder weniger Druck aufgebaut“; weniger, wenn der Docht zu kurz ist oder zu dicht gestopft oder der Spiritus verunreinigt. „Irgendetwas muss immer gereinigt, geölt, verbessert werden“, das macht für Mies den Spaß an seinem Hobby aus.

Endlich war die Lokomotive fahrbereit, ein paar Waggons angekuppelt, und los ging es. Zum Start und unterwegs brauchte sie allerdings immer wieder einen Anschubs, die improvisierte Gleisanlage auf mehreren Tischen stellte das kleine Aggregat mit seinen leichten Steigungen vor Probleme. Ungefähr eine Viertelstunde lang drehte sie ihre Runden, dann war der Wasservorrat verbraucht. Auf dem Nachbargleis, bei den modernen Dampflokomotiven, ging es kraftvoller zu. Aber vor Pannen sind auch die neueren Geräte nicht gefeit: Georg Feuchters Lokomotive machte vorzeitig schlapp, weil er beim Auffüllen mit Gas nicht sorgfältig gearbeitet hatte, und darum ging die Flamme aus.

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