Künstler und Sammler : Barlach Heuers gläserne Schätze

Die fragilen französischen Kunstwerke aus der Sammlung Heuer werden noch bis Mai  in Suède gezeigt.
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Die fragilen französischen Kunstwerke aus der Sammlung Heuer werden noch bis Mai in Suède gezeigt.

Der in Elmshorn geborene und Paris wirkende Künstler ist auch als anerkannter Kunstsammler aktiv und stellt jetzt in Schweden aus

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23. Februar 2013, 08:17 Uhr

Elmshorn / Paris / Suède | Seit mehr als sechzig Jahren lebt der 1930 in Elmshorn geborene Künstler Barlach Heuer in Paris. Aber seiner norddeutschen Heimatstadt ist er stets verbunden geblieben - durch zahlreiche Freunde, die er hier hat, und durch eine Reihe von Ausstellungen, bei denen er seine jeweils neuesten Arbeiten zeigen konnte, zuletzt 2010 anlässlich seines 80. Geburtstages als Gemeinschaftsschau mit seinen Brüdern und Söhnen beim Kunstverein im Torhaus. Die ausdrucksstarken, großformatigen Holzdrucke des französischen Elmshorners finden sich hier an der Krückau in etlichen Wohnungen.

Was aber viele Bewunderer seines künstlerischen Schaffens nicht wissen: Barlach Heuer plegt eine weitere, sehr intensive Passion - er sammelt Glaskunst, genauer: wertvolle gläserne Kunstwerke, vor allem individuell gestaltete Vasen, Schalen und Krüge und Pokale, die historisch betrachtet unter der Stilbezeichnung Art Déco zusammengefasst werden, das seine Glanzzeit in den Jahren zwischen 1920 (oder früher) und 1930 hatte.

Art Déco ging vom späten Jugendstil (Art nouveau) aus, verlor aber rasch wieder seinen Reiz und geriet schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg ins geschmackliche Abseits, mehr noch: die Erzeugnisse aus Zeiten des Jugendstils und des Art Déco wurden schlichtweg als Kitsch verdammt und verschwanden europaweit zunehmend aus dem Blickfeld.

Das war der Sachstand, als Barlach Heuer - nach dem Kriege gerade 20-jährig frisch aus Elmshorn in Paris eingewandert- zu Beginn der sechziger Jahre sein Faible für eben diese vielerseits verachtete Glaskunst entdeckte. Sie sollte zu einer Leidenschaft werden, die ihn bis zum heutigen Tag begleitet: "Unvergesslich, wie dieses Abenteuer mit der Ausstellung "Le Sources du XXe Siècle" (1960 im Pariser Museum für Moderne Kunst) für mich begann", so Heuer.

Der junge Künstler, der in Elmshorn als Patenkind des mit der Familie befreundeten Bildhauers Ernst Barlach inmitten der Expressionismus-Sammlung seines Vaters Alfred Heuer aufgewachsen war, hatte Feuer gefangen: Er wollte nicht nur Künstler, er wollte auch Sammler sein. Ohne die eigene Produktion aus den Augen zu verlieren, streifte er durch die französische Metropole, stets auf der Suche nach der ihn faszinierenden Glaskunst. Es gab sie, aber sie war kaum gefragt - zu seinem Glück, wie sich bald herausstellen sollte.

Voller Neugier drang Heuer in verstaubte Winkel kleiner Nebenstraßenläden vor, die berühmten Pariser Flöhmärkte kannte er bald in- und auswendig - und stieß bei seinen Expeditionen auf wahre Schätze, die sich nicht selten erst dann offenbarten, wenn sie von einer dicken Staubschicht befreit waren. Und - das war nicht unwichtig - die Preise für die gläsernen Fundstücke hielten sich in Grenzen. Das sollte sich bald ändern, denn irgendwann waren - wie die Moden so spielen - Art Déco und Jugendstil wieder "in". Und da stand Barlach Heuer quasi in der ersten Reihe.

Er selbst und seine Freu Laurence waren stolz auf eine Kollektion wunderschöner Stücke, glänzende Schätze, die sich durch eine reiche Vielfalt an Formen und Farben auszeichneten. Aber längst war der Elmshorner auch zu einem allseits anerkannten Fachmann für "sein" Genre geworden, war und ist bis heute als gefragter Berater, Vermittler oder Einkäufer für bekannte Sammler und große Museen aktiv und als kenntnisreicher Gutachter von Galeristen, Verlegern und Ausstellungsmachern geschätzt - kurz: heute gilt Heuer in der Fachwelt als einer der Wiederentdecker von Art Déco in Frankreich.

Und die eigene Sammlung? Die ist zurzeit wieder einmal auf Reisen, denn nur allzu gerne wollen Kunstfreunde ihre Schätze auch öffentlich zeigen und Gleichgesinnten zugänglich machen. Und das geschieht am eindrücklichsten durch Ausstellungen. Als Sammler hat sich Heuer mit einem befreundeten Ehepaar, Laurence und Jean-Pierre Serre, zusammnengefunden. Ihre gemeinsame Ausstellung mit herausragenden Exponaten der französischen Glas-Manufaktur "Schneider" war von März bis Mai 2012 in Sarreguemines (4000 Besucher) und von September bis November 2012 im Glasmuseum von Conches zu sehen. Noch bis Mai 2013 werden die fragilen französischen Kunstwerke in "The Glass Factory - Boda Glasbruk" im schwedischen Suède gezeigt.

Charles Schneider (1881-1953), sein Unternehmen hatte zeitweise mehr als 500 Mitarbeiter, zählt neben Emile Gallé und den Gebrüdern Daum zu den bekanntesten Produzenten von Glaskunst in Frankreich. Über ihn informiert ausführlich ein die Ausstellung von Heuer/Serre begleitender 190 starker Bildband mit informierenden Texten zum Thema und vielen faszinierenden Fotos von Tomas Heuer, einem Sohn von Barlach Heuer, der selbst mit einer Reihe von Texten vertreten ist. "Hier soll", so schreibt er, "die Botschaft der Glasgestaltung sprechen, die gleichsam unser verinnerlichtes Spiegelbild darstellt."

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