Bahnhof: 60er-Charme und Verfall

Die Politiker Volker Hatje, Detlef Witthinrich-Kohlschmitt, Hans-Helmut Birke, Ernst Dieter Rossmann und Beate Raudies zeigen dem Fraktionsvorsitzenden der Landes-SPD die Situation am Elmshorner Bahnhof.
Die Politiker Volker Hatje, Detlef Witthinrich-Kohlschmitt, Hans-Helmut Birke, Ernst Dieter Rossmann und Beate Raudies zeigen dem Fraktionsvorsitzenden der Landes-SPD die Situation am Elmshorner Bahnhof.

Ralf Stegner, Fraktionschef der Landes-SPD, macht auf seiner Sommertour Halt in Elmshorn und spricht über den Nahverkehr

shz.de von
12. Juli 2018, 16:47 Uhr

Ein Güterzug fährt ein auf Gleis zwei des Elmshorner Bahnhofs und steht einen Moment, bis in der Gegenrichtung ein anderer Güterzug vorbeirauscht. Erst dann setzt sich der erste wieder in Bewegung und setzt seine Fahrt fort. Keine Minute dauert diese Zugbegegnung. „Daran sieht man schon, dass die Gleise verstopft sind“, sagt Bürgermeister Volker Hatje (parteilos). Zusammen mit den SPD–Politikern Beate Raudies, Landtagsabgeordnete, Ernst Dieter Rossmann, Bundestagsabgeordneter und den Kommunalpolitikern Hans-Helmut Birke und Detlef Witthinrich-Kohlschmitt empfing Hatje gestern einen besonderen Gast. Ralf Stegner, Fraktionschef der SPD im Kieler Landtag, hatte sich angemeldet, um bei seiner jährlichen Sommertour Station in Elmshorn zu machen. Im Fokus diesmal: der öffentliche Personennahverkehr. Auch deshalb reist der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende per AKN nach Elmshorn – um die Verbindungen in die Krückaustadt zu testen.

„Von Bordesholm kommt man gut hier her. Alle halbe Stunde“, zieht er Bilanz und die hiesigen Politiker stimmen zu. Nein, die Verbindungen sind nicht das Problem am Elmshorner Bahnhof – es brennt woanders.

„Der Wirtschaftsminister sprach schon vom Loch“, erzählt Raudies und bezieht sich auf einen Besuch des Landesministers Bernd Buchholz (FDP) im März diesen Jahres. Was in der Runde euphemistisch als „Charme der ausgehenden 60er Jahre“ bezeichnet wird, stellt sich in vielen Fällen als purer Verfall dar. Alt und unübersichtlich wirkt der Bahnhof. „Wir sind seit 30 Jahren dabei, für jede Erneuerung zu kämpfen. Aber das Neuste ist der Fahrstuhl. Und der ist auch schon zehn Jahre alt“, sagt Raudies.

Das wichtigste Anliegen aller ist aber der vierte Bahnsteig und das dritte Gleis, das endlich Entlastung in den Bahnverkehr bringen soll. Aktuell werde die Realisierbarkeit in der Knotenuntersuchung Hamburg (wir berichteten) geprüft. „Langsam kommt Bewegung in die Sache“, sagt Raudies.

Seit Montag sprach Stegner auf seiner Sommertour mit unterschiedlichen Menschen über den öffentlichen Personennahverkehr in Schleswig-Holstein. „Es liegt noch einiges im Argen“, zieht er vorerst Bilanz. Dass die Situation verbessert werden muss, steht für ihn aber außer Frage: „Der Individualverkehr ist endlich. Deshalb müssen wir den Nahverkehr stützen.“ Bitter nur, dass zumindest im Fall des Elmshorner Bahnverkehrs erst richtig Bewegung in die Sache bekommen ist, als die SPD nicht mehr die Landesregierung stellte. Landtagsabgeordnete Raudies sieht das jedoch nicht so eng. SPD-Minister Reinhard Meyer habe in der vergangenen Legislaturperiode gute Vorbereitungen geschaffen. Und am Ende sei man eher froh, dass endlich etwas passiere.

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