Baggereinsatz für Froschparadies

Der Moorfrosch ist eine  kleine Froschart. Er erreicht nur eine Größe von maximal sieben Zentimetern. Um der Damenwelt zu imponieren, können die Männchen zur Laichzeit  ihre Haut blau einfärben. Die Moorfrösche lieben Flachwasserzonen.  Foto: en
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Der Moorfrosch ist eine kleine Froschart. Er erreicht nur eine Größe von maximal sieben Zentimetern. Um der Damenwelt zu imponieren, können die Männchen zur Laichzeit ihre Haut blau einfärben. Die Moorfrösche lieben Flachwasserzonen. Foto: en

Stiftung Naturschutz wertet Ökokonto auf / Neue Heimat für seltene Amphibien und Vögel am Elmshorner Stadtrand

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07. Februar 2013, 10:47 Uhr

Elmshorn | Am östlichen Ortsrand von Elmshorn zwischen der Straße Am Wischhof und der Krückau reißen seit gestern Bagger die Wiesen auf. Doch dort entsteht kein neues Wohngebiet, wie man leicht vermuten könnte. Nein, ganz das Gegenteil ist der Fall. Die schweren Geräte baggern für den Naturschutz. Dort, wo im vergangenen Jahr noch Landwirtschaft betrieben wurde, sollen bald abendliche Froschkonzerte erklingen. Noch sehen die ehemaligen Ackerflächen zwar eher trostlos aus, aber die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein setzt dort nach und nach vielfältige Naturschutzmaßnahmen um.

Vom Agrarland zum Frosch- und Vogelparadies - das hat einen besonderen Hintergrund: Das Gelände gehört zu den Ökokontoflächen der Stiftung Naturschutz, die sie mit der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein entwickelt. Von dem Ökokonto profitieren nicht nur Flora und Fauna, sondern auch Bauherren, die für den Eingriff in den Naturhaushalt einen Ausgleich leisten müssen. Mit Hilfe der Ökokonten können sie dieser Verpflichtung nachkommen.

"Wir möchten Natur erlebbar machen und die Artenvielfalt erhalten", sagt Projektmanagerin Ute Ojowski. Und sie ist sich des Erfolges in Elmshorn bereits sicher: "Das Bio topverbundsystem wird sich schön entwickeln." Und so brummt seit gestern 7.30 Uhr auf der fünf Hektar großen Fläche zunächst der Bagger und hebt zwei neue Kleingewässer (je rund 300 Quadratmeter) für das Laichgeschäft der Amphibien aus bevor Frösche zum Konzert quaken können. Die Tümpel sind so flach, dass sie im Sommer "ruhig mal austrocknen". "Nur so bleiben Fische fern, die gern Amphibienlaich fressen", sagt der Biologe Wolfgang Lenschow. Besonders den seltenen Moorfrosch wollen die Naturschützer ins neue Ökosystem locken. "Es gibt ihn hier noch nicht, aber der kommt schon", sagt Ojowski.

Ein Eldorado sollen nach der Umgestaltung auch Vögel vorfinden - wie die Klappergrasmücke oder auch die Nachtigall. Parallel zu den Teichen im Osten des Geländes werden deshalb westlich davon 100 Meter vorhandener Knick mit standorttypischen Gehölzen, wie Schlehe, Hasel und Weißdorn, ausgebessert. Gepflanzt wird ab kommenden Herbst.

Damit sich die Wiesen zu einer arten- und blütenreichen Eldorado entwickeln und die Amphibiengewässer nicht beschattet werden, sollen Rinder künftig die Flächen beweiden. Die Nutzung der Teiche als Viehtränke sei dabei erwünscht, "da die Gewässer so vor vorzeitiger Verlandung bewahrt werden könnten", erklärt Biologe Lenschow.

Vom artenarmen Ackerland hin zur vielfältigen Wildnis - an diese Worte glaubt auch die Kirche. Der Kirchengemeindeverband Elmshorn überlässt der Stiftung ein in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenes Stück Land zur Renaturierung. Verbandsvertreter Claus Buchberger besiegelte dies gestern mit Handschlag gegenüber Projektmanagerin Ojowski. Bahn frei also für eine wilde Weide.

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