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Elmshorner Nachrichten

24. Juli 2017 | 06:51 Uhr

Autosammler und Fett-Erfinder

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Michael Sander Horster Korrosionsschutzfett ist weltweit gefragt / Grundstück ist ein Paradies für Freunde historischer Karossen

Mitten in Horst verbirgt sich ein kleines Paradies. Ein Paradies für Liebhaber alter Autos. Historisch wertvoller und seltener Autos, um genau zu sein. Michael Sander ist Sammler, Restaurator und Erfinder in einer Person. Mit seinen 73 Jahren denkt er noch lange nicht ans Aufhören. Ganz im Gegenteil: „Als ich 70 geworden bin, habe ich gemerkt, dass ich weiter alles machen kann“, sagt er. Und so gleicht sein Grundstück auch im Rentenalter noch einer lebhaften Werkstatt, in der geschraubt und verpackt wird. Verpackt? Ja, denn Sanders Spezialität und munter sprudelnde Einnahmequelle ist ein Korrosionsschutzfett, das er selbst erfunden hat, und für das sich über Deutschlands Grenzen hinaus Oldtimerfreunde begeistern.

In Sanders Büro stapeln sich die Auto-Zeitschriften. Die Artikel verraten viel über den gebürtigen Hamburger, der seit 1990 in Horst wohnt und arbeitet. „Motor Klassik“, „Oldtimer Markt“, „Auto-Bild“, die FAZ. Alle haben sie schon über ihn berichtet „Mike Sander’s Korrosionsschutzfett“ wird weltweit exportiert, samt Vertretungen in Österreich, Holland und der Schweiz. Überall auf seinem Grundstück stehen Raritäten auf vier Rädern. Gut verstaut und wohltemperiert in verschiedenen Hallen. 18 Old- und Youngtimer hat er über die Jahre angesammelt. Der älteste ist ein MG, Baujahr 1937, den er 1966 gekauft hat. „Damit fing das ganze Elend an“, schmunzelt er.

Sander hat an der Wagenbauschule in Hamburg studiert, 1968 machte er den Abschluss als Diplom Ingenieur. „Danach habe ich als Konstrukteur im Flugzeug-, Schiffs- und Behälterbau gearbeitet“, erzählt er. 1973 gab er die Arbeit am Reißbrett auf, um fortan im väterlichen Betrieb weiterzuschrauben. Wie er nach Horst gekommen ist? „Na ja, in Hamburg wurde es eng.“ Fünf Mitarbeiter beschäftigt der 73-Jährige noch. „Einige aber nur in Teilzeit.“ Doch die Männer in der Werkstatt und in der Fett-Abteilung seien Vollzeitkräfte. Etliche seiner Autos stammen aus den USA. „Da bin ich früher häufiger gewesen“, sagt Sander, der neben seinem Korrosionsschutzfett auch mit dem Import gesuchter Wagen und mit Autoreparaturen kräftig Geld verdient hat.

Heute ist Geld längst nicht mehr das bestimmende Thema. Viel lieber spricht der Horster über seine Autos. Einen Lamborghini 400 GT beispielsweise. Den habe er 1966 für für 'n Appel und 'n Ei gekauft, heute sei er eine runde halbe Million Euro wert. Damit es nie an Ersatzteilen mangelt, kaufte Sander 1986 gleich noch ein schrottreifes Model hinzu. Zum Ausschlachten. Nicht alle seine Autos sind fahrtüchtig. Einige warten versteckt unter Kisten und Decken auf eine Wiederbelebung, andere sehen für Laien so aus, als habe ihr letztes Stündlein geschlagen. Der Jaguar Baujahr 1961 zum Beispiel, der mit seinen satten 3,8 Liter Hubraum einst die Blicke auf sich zog. Doch für den Experten Sander zählt der zweite Blick. Und der verrät: Der Jaguar braucht nur ein fachmännisches Facelift, dann wäre er wieder ein Hingucker.

Eines von Sanders optischen Prachtexemplaren ist ein voll restaurierter Austin Healey. Bei der Versiegelung kam natürlich auch sein selbst entwickeltes Rostschutzmittel zum Einsatz. Jahrzehnte intensiver Erprobung seien in „Mike Sander’s Korrosionsschutzfett“ eingeflossen, versichert der Autoexperte. Dabei waren die Anfänge eher banal: „Ich konnte einfach nicht mit ansehen, wie meine Wagen rosten.“ Diverse Test und Vergleiche hat sein Wundermittel inzwischen gewonnen. Sander sieht sein Fett als Konservierungsmittel, das den momentanen Zustand eines Fahrzeugs erhält. Von Oldtimer-Freunden, die ihre historischen Schmuckstücke auf modern trimmen, hält er wenig. Die Zauberformel seiner Erfindung hält Sander natürlich geheim.

Auf der Hebebühne wird gerade ein Jensen hergerichtet. „Der kommt auch aus den USA“, verrät der 73-Jährige. Zwei bis drei Jahre sind eingeplant, bis der Wagen wieder auf die Straße gelassen werden soll. Lieber langsam und gründlich arbeiten als schnell und unsauber, heißt die Devise. Originale Teile, die nicht mehr zu bekommen sind, baut Sander im Notfall höchstpersönlich nach. So etwa die Benzinleitungen für seinen Lamborghini. Und weil in seinem unruhigen Rentnerleben immer noch Zeit bleibt, hat er gerade ein anderes Hobby reaktiviert: die Musik. Mit seiner Skiffle-Band „New Island“ stand er jüngst in Hamburg auf der Bühne. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte …

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