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Elmshorn/Rellingen : Autoliv fühlt sich missbraucht

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Elmshorner Unternehmen kritisiert die IG Metall: Die Zentrale Kundgebung vor dem Werksgelände schädige das Firmen-Image.

Elmshorn/Rellingen | Mehr Lohn, Altersteilzeit und die Übernahme von Auszubildenden – so lauten die Forderungen der IG Metall für die laufenden Tarifverhandlungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Um vor der heute in Münster anstehenden dritten Verhandlungsrunde den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, gingen gestern in Elmshorn etwa 200 Beschäftigte der Firmen Autoliv, Autoflug und der Pelz-Gruppe auf die Straße. Die Gewerkschaft hatte zum einstündigen Warnstreik am Firmensitz von Autoliv aufgerufen.

„Die Arbeitgeberseite hat sich bislang überhaupt nicht bewegt. Seit einem Jahr werden wir in den Verhandlungen zu Altersteilzeit und Azubi-Übernahme hingehalten“, sagte Kai Trulsson, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Unterelbe, im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch beim Lohn würden die Arbeitgeber blocken. „Sie sprechen von einer angemessenen Erhöhung, aber eine konkrete Zahl haben sie immer noch nicht genannt“, so Trulsson. Die Gewerkschaft selbst fordert fünf Prozent mehr.

Aus Sicht von Autoliv ist das deutlich zu viel. „Wir stehen  unter einem enormen Wettbewerbsdruck. Sämtliche Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren eine Verschlechterung der konjunkturellen Lage. Daher ist diese Forderung zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt“, sagte Personalleiterin Christina Teßler gestern auf Anfrage.

Im Kreis Pinneberg sind 1000 Mitarbeiter bei Autoliv und 200 Beschäftigte bei Autoflug (Rellingen) von den Tarifverhandlungen betroffen. Die Pelz-Gruppe mit etwa 450 Beschäftigten hat ihren Sitz in Wahlstedt (Kreis Segeberg). Bundesweit gilt der Tarif für etwa 120.000 Mitarbeiter in der Textil- und Bekleidungsindustrie.

Sollten sich die Arbeitgeber heute nicht bewegen, droht Trullson mit weiteren Streiks: „Dann sind wir ganz schnell wieder auf der Straße.“

Die Stimmung in der Belegschaft bei Autoliv ist laut Gewerkschaft angespannt. Im ersten Halbjahr 2015 sollen 50 Jobs wegfallen. Dies  bestätigt Teßler. „Das betrifft Stellen in der Produktion. Es ist traurig, aber auch lange bekannt, da die Produktion am Standort zugunsten der Entwicklungsabteilung zurückgefahren wird“, so die Personalleiterin.

Wenig Verständnis bei den Unternehmen

Die Streikaktion kam bei Elmshorns größtem Arbeitgeber gar nicht gut an. Das Unternehmen fühlt sich von der Gewerkschaft unfair behandelt. Neben einer Lohnerhöhung sind Altersteilzeit und die Übernahme der Auszubildenden die zentralen Forderungen der IG Metall. Zwei Punkte, die Autoliv laut Personalleiterin Christina Teßler längst umgesetzt hat. Sie hat deshalb kein Verständnis dafür, dass die Gewerkschaft Autoliv als Bühne nutzt.

Laut Teßler schade die Aktion dem Image des Unternehmens. „Ein Streik bei Elmshorns größtem Arbeitgeber ist einfach sehr viel öffentlichkeitswirksamer als bei kleineren Betrieben“, sagt die Personalleiterin und vermutet dies als Beweggrund für die Gewerkschaft. „Leider wird ein Streik bei Autoliv von vielen Menschen verständlicherweise mit den Arbeitsbedingungen bei Autoliv in Verbindung gebracht, obwohl es um Tarifverhandlungen für eine ganze Branche geht“, sagt Teßler, die betont, dass es grundsätzlich das gute Recht der Gewerkschaft sei, ihren Forderungen durch Warnstreiks Ausdruck zu verleihen. Nur sollte das nicht immer bei Autoliv geschehen. „Das ist nicht ganz fair“, so Teßler.

Kai Trulsson, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Unterelbe, macht keinen Hehl daraus, dass die Gewerkschaft Autoliv als Bühne nutzt. Er gesteht dem Unternehmen auch zu, mit gutem Beispiel voranzugehen. Aber er fordert auch, dass Autoliv seinen Einfluss auf die anderen Arbeitgeber nutzt, um die Bedingungen für alle Beschäftigten zu verbessern. Und davon, dass es bei Autoliv eine Altersteilzeitregelung gebe, könne schon gar nicht die Rede sein. „Wir wollen das fest im Tarifvertrag verankert haben und nicht, dass die Geschäftsführung darüber entscheidet, wer in Altersteilzeit gehen darf und wer nicht“, so Trulsson.

Genrelle Regelung sei problematisch

Eine generelle Regelung zur Altersteilzeit sieht Teßler als problematisch an. „Das ist mit hohen Kosten für den Arbeitgeber verbunden. Wir können nachvollziehen, dass eine verpflichtende Altersteilzeitregelung die Belastungsgrenze einiger Unternehmen der Branche übersteigt“, so die Personalleiterin. Die Kritik an der Regelung bei Autoliv kann sie nicht nachvollziehen. „Ich kann mich an keinen Fall erinnern, in dem wir den Wunsch des Mitarbeiters verweigert haben – und ich arbeite seit neun Jahren in diesem Unternehmen“, so Teßler.

Auch die verpflichtende Übernahme von Auszubildenden könne laut der Personalleiterin nur abgelehnt werden, weil Unternehmen bei dieser allgemeinen Verpflichtung eher weniger junge Menschen ausbilden würden. Aber auch hier gehe Autoliv mit gutem Beispiel voran: „Wir haben eine freiwillige Betriebsvereinbarung zur Übernahme von Ausgebildeten abgeschlossen.“

Bleibt noch der Lohn. Die Forderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent mehr hält Teßler für überzogen. „Bei unverhältnismäßigen Tariferhöhungen würde sich der Wettbewerbsdruck, unter dem alle Unternehmen in der Automobilzuliefererindustrie stehen, enorm erhöhen“, sagt Teßler und mahnt zur Mäßigung. Doch davon will Trulsson nichts hören. Die Forderung sei gerechtfertigt.

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erstellt am 12.Nov.2014 | 10:00 Uhr

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