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Der ADAC erklärt : Autofahren im Winter – was geht?

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Morgens müssen zurzeit oft die Autoscheiben von Eis befreit werden – was dabei erlaubt ist und was nicht, erklärt ein Experte vom ADAC.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 09:22 Uhr

Elmshorn | Der Winter ist endlich da – und bringt mit sich die für Autofahrer lästige Pflicht, die Scheiben freizukratzen. Manch einer versucht sich die Arbeit zu erleichtern, indem er vor dem Frühstück die Zündung anmacht und den Motor im Stand warmlaufen lässt.

Das allerdings kann nicht nur teuer werden, sondern schadet auch dem Motor, wie der ADAC-Verkehrsexperte Carsten Willms erklärt. Wer dabei erwischt wird, wie er den Motor unnötig laufen lässt, muss zehn Euro bezahlen. „Das nehmen viele in Kauf, weil sie sagen, dass die Polizei bei ihnen sowieso nicht vorbeikommt und weil sie denken, dass sie ihrem Auto damit etwas Gutes tun“, sagt Willms. „Aber das Gegenteil ist der Fall.“ Davon abgesehen schade das Warmlaufenlassen des Motors der Umwelt und belästige die Nachbarn unnötig durch Lärm. Eine Standheizung sei dagegen sehr zu empfehlen – „das ist nicht nur gut für den Fahrer, sondern auch ausgezeichnet für den Motor.“

Freikratzen – aber richtig

Das Freikratzen der Scheiben bleibt Autofahrern also nicht erspart – und zwar gründlich, wie Willms betont. Nur ein kleines Guckloch in die Frontscheibe zu kratzen kostet nämlich ebenfalls zehn Euro. Und das nur bei einer präventiven Kontrolle. Denn wer mit halb zugefrorener Scheibe einen Unfall baut, den kann die Versicherung in Regress nehmen. „Die zehn Euro sind ärgerlich, aber bei einem Unfall mit Personenschaden kann es richtig teuer werden“, erklärt Willms. Nach Vorschrift müssen alle Scheiben komplett von Eis befreit werden, außerdem auch die Außenspiegel, die Scheinwerfer und das Kennzeichen. Ist das Nummernschild nicht erkennbar, kostet das nämlich zusätzlich fünf Euro. Auch das Autodach sollte schnee- und eisfrei sein. Ein nicht geräumtes Dach kostet nicht nur 25 Euro Strafe, sondern kann auch zu einer echten Gefahr für andere Autofahrer werden. Erst am Dienstagmorgen verlor ein Lkw-Fahrer auf der Autobahn 1 mehrere Eisplatten. Diese durchschlugen die Windschutzscheibe eines Autos und verursachten so einen Unfall.

Winterreifen sind Pflicht

Sobald draußen winterliche Temperaturen vorherrschen, sind außerdem Winterreifen Pflicht. Wer bei Minusgraden mit Sommerreifen erwischt wird, muss 60 Euro bezahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg. Wird der Verkehr durch die falsche Bereifung lahmgelegt, etwa, weil ein Auto einen Hügel nicht mehr hochkommt, fallen sogar 80 Euro Strafe an. Von Ganzjahresreifen rät der Verkehrsexperte Carsten Willms übrigens dringend ab: „Winterreifen sind deutlich besser, Ganzjahresreifen sind immer nur ein Kompromiss.“

Gründlich vorbereiten

Willms Empfehlung: Schon bevor der Winter kommt, sollten Autofahrer ihr Fahrzeug gründlich vorbereiten. Neben Frostschutzmittel und Reifenwechsel gehöre dazu auch, die Fenster von innen zu putzen. „Sonst vermischt sich das Kondenzwasser mit dem Schmutz und die Scheiben beschlagen schneller.“ Die Türdichtungen sollten außerdem mit einem speziellen Pflegemittel bearbeitet werden. „Wenn man die Tür mit Gewalt aufreißt, kann sonst das Gummi an der Tür kleben bleiben – und das wird dann richtig teuer.“ Bei älteren Autos sei auch ein Türschlossenteiser empfehlenswert.

Kein heißes Wasser auf die Scheiben

Und dann hat Willms noch einen letzten Tipp zum Enteisen der Scheiben – einfach, weil er in letzter Zeit so oft darauf angesprochen worden ist: „Auf keinen Fall den Wasserkocher anschmeißen und zum Schmelzen des Eises die Scheiben mit heißem Wasser übergießen. Dadurch könnten die Scheiben platzen.“

Das steht im Bußgeldkatalog

  • Unnötige Lärm- und Abgasbelästigung durch Laufenlassen des Motors oder Auto warmlaufen lassen: 10 Euro
  • Bei Glatteis oder Schnee ohne Winterreifen gefahren: 60 Euro und ein Punkt
  • Bei Glatteis oder Schnee ohne Winterreifen gefahren mit Behinderung: 80 Euro und ein Punkt
  • Bei Glatteis oder Schnee ohne Winterreifen gefahren mit Unfall: 120 Euro und ein Punkt
  • Vor der Fahrt Scheiben nicht ausreichend vom Eis befreit oder freie Sicht anderweitig mehr als zulässig eingeschränkt: 10 Euro
  • Autodach nicht vom Schnee befreit: 25 Euro
  • Beleuchtung nicht vorschriftsmäßig benutzt oder nicht rechtzeitig abgeblendet oder Beleuchtungseinrichtungen in verdrecktem oder beschmutztem Zustand benutzt: 20 Euro
  • Mit zugeschneitem Kennzeichen gefahren: 5 Euro
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