Elmshorn : Ausstellung in der Kirche St. Nikolai zeigt warum Flüchtlinge fliehen

Demonstrieren eine Station: Die Pastoren Jens Haverland (links) und Willfrid Knees.
Demonstrieren eine Station: Die Pastoren Jens Haverland (links) und Willfrid Knees.

In einer spielerisch aufgebauten Ausstellung will der Kirchenkreis ab Mittwoch den Horizont der Besucher erweitern.

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20. Juni 2018, 12:30 Uhr

Elmshorn | Vorsichtig stochert Willfrid Knees mit seiner Angel in einem großen Haufen oranger Pappfische. Dann greift der Magnet und der Pastor für Projektarbeit im Kirchenkreis zieht seine Beute aus dem Holzkoffer, der in der Kirche St. Nikolai aufgestellt ist. „Du lebst in einer neu ausgerufenen Meeresschutzzone. In Zukunft hast du bessere Chancen, vom Fischhandel leben zu können“ lautet die Aufschrift. 

Es ist eine ernste Botschaft, die in der Ausstellung „Flucht und Migration“ vermittelt wird. Sie eröffnet am heutigen Weltflüchtlingstag in der Kirche auf dem Alten Markt und will spielerisch über das Thema Fluchtursachen aufklären. „Wir wollen die Perspektiven in einer aktuell sehr festgefahrenen Diskussion erweitern“, erklärt Jens Haverland, der die ökumenische Arbeitsstelle im Kirchenkreis leitet. „Derzeit wird nur über die Schließung von innerdeutschen Grenzen diskutiert, die Politiker zerreiben sich an Symbolpolitik.“ Knees ergänzt: „Dabei liegen die eigentlichen Probleme in den Herkunftsländern selbst. Und an vielen dieser Probleme sind die europäischen Staaten nicht ganz unschuldig.“

Haverland hat im Spiel weniger Glück als Knees. Jeder Fisch, den er angelt, verkündet eine neue Hiobsbotschaft: Der Beifang, den die europäische Industriefischerei für wenig Geld auf den afrikanischen Fischmärkten verkauft, macht die Preise kaputt. Und an Bord vieler Schiffe befinden sich keine Beobachter, die dafür sorgen, dass gesetzlich festgelegte Fangmengen und -gebiete eingehalten werden.

Interaktive Ausstellung

An dieser Station schlüpfen die Besucher der interaktiven Ausstellung in die Rolle einer Fischer-Familie im Senegal. Sie erfahren, dass industrielle Fischerei aus Europa die Lebensgrundlage der Menschen in dem afrikanischen Land zerstört. Weil Haverland und Knees am Ende zu wenige „gute“ Fische gefangen haben, reicht ihr Geld selbst für eine Flucht nicht aus.

An einer anderen Station erfahren die Besucher, was passiert, wenn Menschen aufgrund ihrer politischen Meinung, ihres Glaubens oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden oder sie erarbeiten Lösungen, was Europäer ganz konkret tun können, damit Menschen nicht gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. „Man kann schon helfen, indem man darauf achtet, regionale Produkte zu kaufen oder auf die Herstellungsbedingungen der eigenen Kleidung zu achten“, sagt Haverland. „Durch die Ausstellung wird deutlich, wie eng in unserer globalisierten Welt alles miteinander zusammenhängt und auch, dass die meisten Flüchtlinge nicht nach Europa kommen, sondern in ihren afrikanischen Nachbarländern bleiben.“

Die Ausstellung in der Kirche will drei Wochen lang vor allem Schulklassen und Konfirmandengruppen erreichen. Sie steht aber für alle offen. Konzipiert wurde die Ausstellung von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe, begleitend findet in der Kirche eine Veranstaltungsreihe statt.

Programm in der Kirche St. Nikolai

Die Ausstellung ist vom 20. Juni bis zum 15. Juli immer dienstags und samstags von 10 bis 12.30 Uhr und donnerstags und freitags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Mittwoch, 20. Juni, ab 18.30 Uhr durch den stellvertretenden Propst Torsten Becker und den Flüchtlingsbeauftragten des Landes, Stefan Schmidt.

Weitere Termine:
Am Dienstag, 26. Juni, interviewt Pastor Jens Haverland ab 18.30 Uhr Kathrin Huber und Geflüchtete unter dem Titel „leben-aufblühen-durchstehen“ über Zusammenarbeit.
Dietrich Gerstner, Referent für Menschenrechte und Migration bei der Nordkirche, spricht am Dienstag, 3. Juli, ab 18.30 Uhr zu dem Thema „Warum Menschen fliehen – Ursachen zur Flucht und Migration und was wir damit zu tun haben“.
Samstag, 7. Juli, 11 Uhr:   Musik zur Marktzeit  „Von fremden Ländern und Menschen“.
Den Abschlussgottesdienst zur Ausstellung hält am Sonntag, 15. Juli, ab 10 Uhr Pastor Jens Haverland zum Thema „Und was ist mit mir???“.

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