Aus und vorbei: Elmshorns letzte Videothek schließt

Waheed Lilienthal schließt seine Videothek in der Schulstraße.
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Waheed Lilienthal schließt seine Videothek in der Schulstraße.

Ende April schließt die Empire-Filiale in der Schulstraße

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06. Februar 2018, 17:18 Uhr

Es gab Zeiten, da gehörte ein Videotheks-Ausweis zur Standardausrüstung. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene verbrachten Stunden in den schummerigen Räumen, um nach VHS-Kassetten zu stöbern. Später wurde das VHS-Format von DVD und Blue-ray abgelöst. Dann kamen Streaming-Dienste in Mode. Seither können einzelne Filme bei Netflix, Maxdome und Co. rund um die Uhr abgerufen werden. Moderne Zeiten, die auch ihre Verlierer kennen. Der wohl größte sind die Videotheken. In Elmshorn wird nun die letzte ihrer Art schließen.

„Spätestens Ende April ist hier Schluss“, sagt Waheed Lilienthal, Chef der Empire-Videothek in der Schulstraße 74. Seit über einem Vierteljahrhundert gibt es das Geschäft. Wo derzeit noch Blockbuster verliehen werden, sollen schon bald Sandwiches und Wraps verkauft werden. Geplant ist, dass eine „Fresh!“-Filiale in die Räume einzieht.

Seit rund vier Jahren leitet Lilienthal die Geschicke der Empire-Videothek. Rund die Hälfte seiner 32 Lebensjahre ist er in der Branche aktiv. „Mit 16 bin ich ins Genre eingestiegen“, verrät er. Die vergangenen Jahre seien allgemein vom Niedergang geprägt gewesen. „Zu Hochzeiten besaß ich mal 16 Videotheken in ganz Norddeutschland, von Flensburg bis runter nach Lüneburg.“ Sieben oder acht seien davon übrig geblieben. „Einige davon rentieren sich durchaus noch“, versichert Lilienthal. Überall dort, wo „die Leute nicht so bequem sind und noch vor die Tür gehen“.

Doch der Trend hin zum bequemen Film ausleihen vom heimischen Wohnzimmer aus scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Und so naht nicht nur in Elmshorn das Ende der Videotheken-Ära. „Echte“ Videos hat der 32-Jährige übrigens schon lange nicht mehr im Programm.

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